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	<title>Iconic Turn &#187; Politik</title>
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	<description>Neues aus den Bildwissenschaften</description>
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		<title>Bild-Ereignisse unter Verschluss</title>
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		<pubDate>Sun, 31 May 2009 10:22:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sh</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[
Hier 700, dort 2000 Fotos, die nicht veröffentlicht werden. Wir wissen nur, dass es die Bilder gibt. Und wir kennen die Orte, an denen sie entstanden. Hier Berlusconis Villa auf Sardinien. Dort einige US-Militärgefängnisse, wie das berüchtigte Abu Ghraib in Bagdad. Aber es gibt die Bilder nicht zu sehen, sondern nur Beschreibungen der Szenerien, die [...]]]></description>
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<p><img class="size-full wp-image-24 alignleft" title="berlusconivilla_usprison" src="http://www.iconic-turn.de/wp-content/uploads/2009/05/berlusconivilla_usprison.jpg" alt="berlusconivilla_usprison" width="200" height="249" />Hier 700, dort 2000 Fotos, die nicht veröffentlicht werden. Wir wissen nur, dass es die Bilder gibt. Und wir kennen die Orte, an denen sie entstanden. Hier Berlusconis Villa auf Sardinien. Dort einige US-Militärgefängnisse, wie das berüchtigte Abu Ghraib in Bagdad. Aber es gibt die Bilder nicht zu sehen, sondern nur Beschreibungen der Szenerien, die kaum unterschiedlicher sein könnten.</p>
<p><a href="http://www.focus.de/panorama/vermischtes/berlusconi-veroeffentlichung-von-partyfotos-verhindert_aid_404045.html">Die Aufnahmen zeigen unter anderem leicht bekleidete junge Frauen bei der letzten Neujahrsparty Berlusconis in der Villa Certosa.</a> Eingriff in die Privatsphäre klagt der Anwalt des Präsidenten. Nichts von Belang, jedenfalls nicht aus seiner Kamera, entgegnet der Fotograf Antonello Zappadu. Die Polizei konfiszierte seine Bilder.</p>
<p>Im anderen Fall sind es amerikanische Altlasten, die nach vier Jahren wieder ans Licht der Öffentlichkeit kommen, weil Präsident Obama sie zeigen wollte. <span id="more-17"></span>Diesmal handelt es sich nicht um Szenen der Erniedrigung und psychischer Folter, wie bei der ersten Auskopplung aus den Gefängnis-Alben der Weltmacht. Nein, es sollen regelrechte Vergewaltigungen dabei sein, in Bild und Film. Generalmajor Antonio Tabuga, der die Untersuchung in Abu-Ghraib damals geleitet hat, schilderte die Bilder bereits 2004 in seinem abschließenden Bericht. <em>Mindestens ein Bild zeigt einen amerikanischen Soldaten offenbar dabei, wie er eine weibliche Gefangene vergewaltigt. Ein anderes, so heißt es, zeigt wie ein männlicher Übersetzer einen männlichen Gefangen vergewaltigt,</em> <a href="http://www.telegraph.co.uk/news/worldnews/northamerica/usa/5395830/Abu-Ghraib-abuse-photos-show-rape.html">weiß die Presse.</a> Auf Anraten der Armeeführung wurde bislang von der Veröffentlichung abgesehen. Die ohnehin schwierige Situation der Amerikaner in Afghanistan und Pakistan hätten sie mit Sicherheit nicht eben leichter gemacht.</p>
<p>Was sehen wir mehr auf den Bildern, als wir uns von den Beschreibungen her ohnehin vorstellen können? Wo liegt der Unterschied zwischen dem Text und dem Bild? Es macht kaum Schwierigkeiten, sich Berlusconi unter einer Horde pubertierender Mädchen vorzustellen. Genauso wenig einige amerikanische GIs oder irakische Wärter, die sie sich über Gefangene hermachen. Es sind Filmszenen, denen man Gesichter aufprägt. Der Unterschied liegt anderswo. Die Bilder beseitigen jeden Zweifel. Und zwar nicht, weil sie wahr wären. Sondern weil sie die Vorstellungen aller in ein gemeinsames Muster zwingen. Einmal gesehen, glaubt man sich von nun an Teil einer gemeinsamen Vorstellung, die alle Betrachter teilen. Von da ab werden die Bilder zu einer Schablone, die sich der Wirklichkeit aufprägen. Sind die Bilder einmal gezeigt, werden Berlusconi oder der amerikanische Soldaten zu dem Akteur ihrer Bilder. Solange nur die Beschreibung nur auf die Möglichkeit der Ereignisse darlegt, kommt dieser Effekt nicht zustande. Sobald die Bilder einmal da sind, schieben sie sich der Wirklichkeit quasi unter. &lt;ahref=&#8221;http://www.telegraph.co.uk/news/worldnews/northamerica/usa/5395830/Abu-Ghraib-abuse-photos-show-rape.html&#8221;&gt;The mere description of these pictures is horrendous enough, take my word for it., sagt der Generalmajor Taguba wohl zurecht. Aber die Bilder sagen nicht mehr als die Worte. Sie greifen in die Welt ein, aus der die Worte heraus gesprochen werden.</p></div>
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		<title>Bilderkriege</title>
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		<pubDate>Thu, 11 May 2006 10:13:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sh</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<category><![CDATA[Mirzoeff]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Visual Studies]]></category>

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		<description><![CDATA[Globalisierung führe, so Mirzoeff, zu einer Hypervirtualität des Visuellen, einer unkontrollierten und unbegrenzten Produktion von Bildern. Sie trifft auf zwei widerstreitende Kräfte. Auf der einen Seite stehen Staaten, die versuchen, den freien Fluss der Bilder zu kontrollieren. Auf der anderen Seite herrscht die visuelle Anarchie der vielen einzelnen Individuen. Dem Antagonismus der beiden Positionen entsprechen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-252" title="mirzoeff_bilderkriege" src="http://www.iconic-turn.de/wp-content/uploads/2009/06/mirzoeff_bilderkriege.jpg" alt="mirzoeff_bilderkriege" width="200" height="251" />Globalisierung führe, so Mirzoeff, zu einer Hypervirtualität des Visuellen, einer unkontrollierten und unbegrenzten Produktion von Bildern. Sie trifft auf zwei widerstreitende Kräfte. Auf der einen Seite stehen Staaten, die versuchen, den freien Fluss der Bilder zu kontrollieren. Auf der anderen Seite herrscht die visuelle Anarchie der vielen einzelnen Individuen. Dem Antagonismus der beiden Positionen entsprechen jeweils unterschiedliche Modelle bildhafter Geschichtsschreibung.</p>
<p>Der schottische Philosoph Thomas Carlyle hatte im 19. Jahrhundert die <a href="http://www.gutenberg.org/etext/1091" target="_blank">These</a> vertreten, dass nur durch die Figur eines Helden Geschichte bildhaft werden kann. Mit der neuen Vielheit der Bilder stehen der auf Helden fixierten Abbildung andere Zeugnisse der Ereignisse gegenüber. Mirzoeff ordnet diese anti-heroische Bildproduktion dem schillernden Begriff der „Multitude“ zu.<span id="more-251"></span></p>
<p>In den Bilderkriegen der jüngsten Zeit sieht er drei verschiedene Modi wirksam:</p>
<ol>- eine Ökonomie der Aufmerksamkeit<br />
- den 	Ausnahmezustand<br />
- die Multitude</ol>
<p>Die Rolle der Aufmerksamkeit zeigt sich am deutlichsten in der Entwicklung des Internets, wo sie sich in Form von Klicks manifestiert. Es gilt dort nach Mirzoeff der Grundsatz „to look is to labor“.</p>
<p>Der zweite Modus äußert sich im Bestreben politischer Machthaber, die Verbreitung und Produktion von Bildern zu kontrollieren. Das betrifft sowohl den Terror wie auch die visuell inszenierte Kampagne des „Shock &amp; Awe“ im Irakkrieg. Durch Bilderströme lassen sich Regime diskreditieren oder Terroristen zu mythischen Figuren aufladen, wie etwa Al Zarqawi, der gleichzeitig einer der meist gesuchten und meist gezeigten Figuren geworden ist.</p>
<p>Die dänischen Mohammed-Comics begreift Mirzoeff in ihrer Funktion innerhalb des visuellen Ausnahmezustandes. Sie verschärfen den Konflikt und spielen damit den Fundamentalisten auf beiden Seiten in die Hände.</p>
<p>Gegen beide Modi des Bilderkriegs fordert Mirzoeff die Bildproduktion von Seiten der „Multitude“, der vielen einzenen Individuen. Sie sollten sich die Kräfte der Imagination wieder aneignen und demokratisieren.</p>
<p style="text-align: left;"><img style="border-style: solid; border-width: 0px; width: 200px; height: 258px;" src="http://www.iconicturn.de/uploads/RTEmagicC_beirut_martyrs.jpg.jpg" alt="" /></p>
<p>In der nachfolgenden Podiumsdiskussion machte Walid Sadek aus Beirut auf die Gegensätze zwischen westlicher und orientalischer Bildpolitik aufmerksam. In seiner Heimatstadt rekrutiert die Hisbollah ihre Anhänger mit emblematischen Abbildungen, die Selbstmordattentär als Märtyrer stilisieren. Bildrezeption ist dort nicht Kontemplation sondern Mobilisierung.</p>
<p>Der Politikwissenschaftler <a href="http://www.kommunikationswissenschaft-erfurt.de/personen/mediensysteme/_node/professoren/hafez.html" target="_blank">Kai Hafez </a>kritisierte den Ansatz Mirzoeffs in zwei grundsätzlichen Punkten. Zwar sind Bilder unvergleichlich leicht zu transportieren. Aber die dazugehörigen Texte und Kontexte bleiben in der Regel lokal. Sie werden nicht mit transportiert. Damit bleiben  die Bilder unverstanden. Ihr Konfliktpotenzial rührt von diesem Missverständnis her und lässt sich im rein visuellen Fakt nicht begründen.</p>
<p>Darüber hinaus sieht er das Verhältnis von Bildlichem und Politischem anders als Mirzoeff. Zwei Ebenen müssten deutlich voneinander unterschieden werden: der visuelle Inhalt und die politischen Verhältnisse. Gerade die Beziehungen zum Orient sind nach wie vor von westlicher Hegemonie, wenn nicht gar von einer neuen Form des Kolonialismus geprägt. Erst diese politische Asymmetrie lädt die Bilder mit Konfliktpotenzial auf. Machtpolitische Veränderungen gehen den Bildern voraus, so Hafez. Die tatsächlichen Machtverhältnisse werden von politischen Eliten bestimmten, deren Interessen gegen Kommunikation oder Bilder resistent sind. Bilder dienen lediglich dazu, Öffentlichkeit symbolisch aufzuladen.</p>
<p>Mirzoeff widersprach diesem Argument. Es wiederholt die tradierte Unterscheidung von Basis und Überbau, die im Übrigen dem technischen Bild von Schienenweg und dem Zug nachempfunden sei. Diese Metapher taugt nicht, um die gegenwärtigen Netzwerke der Information zu beschreiben. Die Politik wird ungleich stärker als früher von ihrer visuellen Erscheinungsform geprägt. Dazu trägt nicht zuletzt die verteilte Bildproduktion der Multitude bei, wie Mirzoeff sie gerade in Blogs entstehen sieht.</p>
<p><span style="font-style: italic;">Nicholas Mirzoeff lehrt in New York. Er hat u.a. den &#8220;Visual Culture Reader&#8221; (Routledge 1998) herausgegeben.</span></p>
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		<title>Wenn Objekte zu Bildern werden</title>
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		<pubDate>Thu, 27 Jan 2005 14:12:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sh</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Sterling, Bruce]]></category>
		<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<category><![CDATA[Ästhetik]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[Unser Denken wurde schon immer von Bildern bestimmt. Doch digitale Bilder werden künftig auch unser Verhältnis zu Objekten beeinflussen. Der Science Fiction Autor Bruce Sterling in einem Interview über den Iconic Turn und die Folgen künftiger Technologie.

Viele Wissenschaftler sprechen heute vom &#8220;Iconic Turn&#8221; oder &#8220;Visual Turn&#8221;. Gibt es Ihrer Ansicht nach überhaupt einen &#8220;Iconic Turn&#8221;?
Eigentlich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-377" title="sterling_il" src="http://www.iconic-turn.de/wp-content/uploads/2009/06/sterling_il.jpg" alt="sterling_il" width="108" height="100" />Unser Denken wurde schon immer von Bildern bestimmt. Doch digitale Bilder werden künftig auch unser Verhältnis zu Objekten beeinflussen. Der Science Fiction Autor Bruce Sterling in einem Interview über den Iconic Turn und die Folgen künftiger Technologie.</p>
<div>
<p><em>Viele Wissenschaftler sprechen heute vom &#8220;Iconic Turn&#8221; oder &#8220;Visual Turn&#8221;. Gibt es Ihrer Ansicht nach überhaupt einen &#8220;Iconic Turn&#8221;?</em></p>
<p>Eigentlich nicht. Wir sind alle mit dem Fernsehen aufgewachsen, und es ist ganz sicher, dass wir heute in erster Linie in Form von verbundenen Bildern (linked images) denken. Aber ich habe den Verdacht, dass wir das schon immer getan haben: Wirklich rationales Denken findet man jedoch selten. <span id="more-376"></span>Es gibt wenig Menschen, die sich hinsetzen und ein Problem mit Hilfe von aristotelischen Syllogismen angehen. Auch Aristoteles ist ein Bild, Hegel ist ein Bild, Nietzsche und Oswald Spengler sind Bilder. Wäre ich Grafikdesigner, würde ich das alles vielleicht anders sehen. Aber ich betrachte Grafiker immer noch als Handwerker, nicht als Menschen, die mit ihrer Arbeit den Gang der Zivilisation verändern.</p>
<p><em>Allerdings gehen Kinder heute mit Bildern und Symbolen ganz anders um, als eine Generation vor ihnen…</em></p>
<p>Ich bin mit Fernsehen aufgewachsen, im Gegensatz zu meinen Eltern. Die haben damals auch solche Argumente verwandt und gedacht, dass ich mir durch das Fernsehen ganz neue Fähigkeiten aneignen würde. Aber unsere Zivilisation hat sich auch nicht geändert. Und heute erleben wir einen wahnsinnigen und immer noch wachsenden Verfall der Kulturtechnik Fernsehen. Mit anderen Worten: Selbst wenn es einen &#8220;Iconic Turn&#8221; geben sollte, heißt dies nicht, dass es nicht auch wieder einen &#8220;Post-Iconic-Turn&#8221; geben könnte.</p>
<p><em>In Ihrem Vortrag haben Sie vorgeführt, wie sehr die neuen Produktionstechniken unsere Wahrnehmung von Objekten verändern. Auch kleine Kinder können jetzt schon eine Art Ingenieur werden… </em></p>
<p>Der Schlüssel der Sache ist: Immer mehr Leute können an mehr Plätzen an einem Objekt interaktiv mitarbeiten. Mehr Brainpower kommt leichter an das Objekt heran, wenn es als Bild bzw. als Interface existiert, und an vielen Räumen zugleich sein kann.</p>
<p><em>Was ist das für ein Objekt, von dem Sie sprechen?</em></p>
<p>Das Objekt ist ein virtuelles Objekt, das sich &#8220;nur&#8221; im Computer befindet. Aber das wichtigste ist der Set von sozialen Interaktionen, der mit ihm einhergeht, die soziale Software: Da gibt es Leute mit ganz unterschiedlichen Fähigkeiten: Ingenieure, Graphiker, Verpackungsgestalter, einen Anthropologen vielleicht, Koordinatoren, Marketingleute… etc. Wer gestaltet heute Objekte? Es ist ein Team von Designern. Die 3-D-Objekte verschmelzen mit diversen anderen Aspekten. Das &#8220;reale&#8221; Objekt steht erst ganz am Ende. Zeit und Anstrengung beziehen sich auf das Objekt im Computer.</p>
<p><em>Verändern Bilder unser alltägliches Verhalten?</em></p>
<p>Ja. Vor allem wird es durch Bilderfolgen, durch den Vergleich zwischen Bildern verändert. Wenn Sie sich zum Beispiel vorstellen, dass man bald dreidimensionale Bilder von unseren persönlichen Organen machen wird. Technisch ist das schon jetzt möglich. Und in ein paar Jahren gibt uns unser Arzt statt einer Diagnose so ein Bild in die Hand, und sagt: &#8220;Sehen Sie mal, wie Ihre Leber aussieht. Und wie sie vor einem Jahr aussah.&#8221; Es wird somit eine Art dauerhaftes Archiv unserer Bilder geben eine Abbildung des individuellen Zeitablaufs. Und das wird unser Verhalten verändern. Denn ein Bild hat schon an sich sehr viel Macht, aber ein Set von Bildern über die Zeit hat noch viel mehr Macht. Ich sage das, weil ich als jemand, der sich für zukünftige Entwicklungen interessiert, wirklich vom Ablaufen und Vergehen der Zeit fasziniert bin. Aber wir haben noch kein richtiges Muster, noch keine Vision, damit umzugehen. Die christlich-jüdische Kultur hat damit offenbar Schwierigkeiten.</p>
<p><em>Brauchen wir eine Bildwissenschaft und Bilderziehung?</em></p>
<p>Das klingt zunächst danach, als gehe es darum, den Jungen und Kindern etwas beizubringen, was wir selber wissen. Aber das stimmt ja nicht. Das geht gar nicht. Wir haben selber keine Lösung, wie genau wir mit Bildern umgehen sollen. Ob unsere Fähigkeiten ausreichen, Bilder wirklich zu verstehen, bezweifle ich. Grundsätzlich denke ich nicht, dass das deutsche Bildungssystem, so gut es auch sein mag, siebenjährigen Kindern irgendetwas über Bilder beibringt. Das wird nicht funktionieren. Die größte Drohung, die ich sehe, dass Bilder zum Privatbesitz werden, und der allgemeinen, öffentlichen Verfügung entzogen werden. So wie Disney sich die Exklusivrechte an Mickey Mouse gesichert hat. Es ist also im Prinzip auch Kindern verboten, Mickey Mouse zu zeichnen. Das ist ein Hornissennest.</p>
<p>(Das Interview mit Bruce Sterling führte Rüdiger Suchsland im Rahmen der Iconic Turn Veranstaltung am 20.12.2004 in München.)</p></div>
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