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Zehn Kapitel zum Iconic Turn

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Hubert Burda hat in Zusammenarbeit mit namhaften Experten wie dem Philosophen Peter Sloterdijk und dem Ästhetikprofessor Bazon Brock ein weiteres Buch zum “Iconic Turn” herausgebracht. Am 9. November präsentierte der Verleger In Medias res – Zehn Kapitel zum Iconic Turn an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe.

„Herr Burda, Sie sind ein ‚embeded arthistorian’ der sich in unternehmerischen Kreisen bewegt”, führte Professor Wolfgang Ullrich in die Diskussion ein. „Ihr Buch ist die kondensierte Darstellung einer lebenslangen Beschäftigung”, ergänzte Kunsthistoriker Horst Bredekamp. Seit Jahren geht Burda der Frage nach, wie die Digitalisierung die Bedeutung von Bildern für die Gesellschaft verändert hat. „Iconic Turn” bedeutet in diesem Zusammenhang soviel wie eine Wende bei der Wahrnehmung von Bildern.

„Wo immer sich Kommunikation verändert, verändern sich die Fundamente der Gesellschaft”, schreibt Burda auch in seinem Buch. Durch Gutenbergs Erfindung des Buchdrucks hatte eine Wende in der Kommunikation der Menschen stattgefunden, Bücher waren kein Statussymbol mehr, sondern der breiten Masse zugänglich.

Auch die Erfindung des Kupferstichs durch Martin Schongauer ließ einen Ruck durch die Welt gehen, so waren Gemälde nicht mehr nur an einen Platz gebunden, durch Replikationen konnte die ganze Welt daran Teil haben. Auch Innovationen wie die Fotographie und der Film veränderten die Kommunikation in der Welt maßgeblich. Das volle Ausmaß der Veränderungen, die die Digitalisierung mit sich bringt, wird sich erst zeigen.

„Wir leben in einer Zeit des Umbruchs”, erklärte Hubert Burda bei der Buchpräsentation: „Man muss sich damit beschäftigen, wie neue Bilder entstehen.” Denn durch die Digitalisierung habe sich die Welt rasant verändert: Bilder werden schnell, gezielt und großräumig verbreitet. Die Geltung der visuellen Kommunikation nimmt merklich zu. Doch was sind Bilder eigentlich? Welche Funktion erfüllen sie in ihren jeweiligen Kontexten? Und wie hat sich die Wahrnehmung durch den „Iconic Turn” verändert?

Mit diesen und vielen weiteren Fragen befasst sich das jüngste Buch des Verlegers. Und diese Fragen wurden auch in Karlsruhe mit den Gastautoren Hans Belting, Horst Bredekamp, Bazon Brock, Friedrich Kittler und Peter Sloterdijk diskutiert. Hubert Burda hat das Buch seinem Sohn Felix gewidmet. „Er hat mich als Erster im Herbst 1990 auf die Bedeutung der digitalen Kommunikation und der elektronischen Wissenbibliotheken hingewiesen”, schreibt er in seiner Widmung. „Mit ihm habe ich, sei es in München, New York oder Seattle, in den 90er-Jahren begonnen, Gespräche über den Iconic Turn zu führen.” Felix Burda war nach seinem Tod 2001 auch die Vortragsreihe zum „Iconic Turn” von 2002 bis 2003 an Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München gewidmet.

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Weitere Links zur Medienberichterstattung:

“Die kleinen Dinge lösen große Medienrevolutionen aus” – Ein Gespräch zwischen Hubert Burda und Peter Sloterdijk (FAZ, 8. Nov. 2010)

“Bilder rascheln nicht” – Hubert Burda diskutiert mit Peter Sloterdijk und Bazon Brock über den “Iconic turn” (Die Welt,  11. Nov. 2010)

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Hubert Burda: In medias res. Zehn Kapitel zum Iconic Turn. Mit Beiträgen von Friedrich Kittler, Peter Sloterdijk, Bazon Brock, Horst Bredekamp und Hans Belting. EUR 29,80

Kunstgeschichte und Bildwissenschaft

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zitrone_heda.jpgIn der Süddeutschen Zeitung (leider nicht online) macht sich heute Jutta Göricke Gedanken zum Verhältnis von Kunst- und Bildwissenschaften.

Die Veränderungen der Kunstgeschichte illustriert sie mit einem gelungenen Bild. Lang ist es her, dass man Stilleben nur als Zeichen der Vanitas gelesen hat, der Eitelkeit und Vergänglichkeit. Heute zählt auch dort eher Curiositas, die Neugier, und die abgeschälte Zitronenschale zieht gedanklich in die Anatomischen Theater ein.
Vielleicht ginge es auch noch etwas gegenwärtiger, war doch die Zitrone Handelsgut in Amsterdam, dem Zentrum nicht nur der Stillebenmalerei, sondern auch des globalen Handels , wo die ersten Börsen ihre Höhenflüge und Kursstürzen erlebten.

Die Kunstgeschichte, so Göricke, droht
in drei Lager zu zerbrechen: das der Traditionalisten, die sich um Stil und Provenienzen kümmern, das der historischen Avantgardisten, die den Interpretationsrahmen von Kunstwerken um Naturwissenschaften in die Technikgeschichte erweitern, und das der ahistorischen Bildwissenchaften, die keinen Unterschied mehr machen zwischen der Venus von Botticelli und der Ultraschallaufnahme eines Oberbauchs. Diesen Beitrag weiterlesen »

Der Anteil der Öffentlichkeit an dem neuzeitlichen Herrscherbild

, – von Warnke, Martin

warnke_martinDer Anteil der Öffentlichkeit an dem neuzeitlichen Herrscherbild

Der Anteil der Öffentlichkeit an dem neuzeitlichen Herrscherbild

Iconic Turn Lecture, 03.02.2005

Kunstgeschichte, Bildwissenschaft

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kohle_ilEin Interview mit Hubertus Kohle

Ist eine eigene Disziplin, die sich allgemein dem Forschungsgegenstand “Bild” widmet, sinnvoll? Wie sollte sich Kunstgeschichte dazu verhalten?

Das Bild ist ja ein Querschnittphänomen, das praktisch in allen Wissenschaften eine Rolle spielt, insbesondere auch in den Naturwissenschaften. Diesen Beitrag weiterlesen »

Iconic Turn?

, – von Sauerländer, Willibald

sauerländer_bushAngesichts des Massenkonsums von Bildern drohen wir in die ästhetische Unmündigkeit, in die Idolatrie zurückzufallen, und das dürfen wir nicht zulassen. Wir brauchen daher nicht nur aus kunstgeschichtlichen und ästhetischen, sondern mehr noch aus zivilen und öffentlichen Gründen einen kritischen Ikonoklasmus der visuellen Wahrnehmung. Diesen Beitrag weiterlesen »

Iconic Turn weitergedreht

, – von Burda, Hubert

burda_muenzeIn den vergangenen Jahren hat sich in dem traditionsreichen Fach Kunstgeschichte viel verändert. Ein Blick in die Vorlesungs- verzeichnisse deutschsprachiger Universitäten zeigt, dass man die splendid isolation, in der sich die Kunstgeschichte einmal ausschließlich mit der Kunst befasst hat, verlassen hat.  Diesen Beitrag weiterlesen »