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	<title>Iconic Turn &#187; Geschichte</title>
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	<description>Neues aus den Bildwissenschaften</description>
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		<title>Medien und/oder Kunst</title>
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		<pubDate>Sat, 10 May 2008 08:17:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sh</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Sammelband MediaArtHistories unternimmt, den Versuch, das Genre der Medienkunst mit ihren verschiedenen Geschichten ein Stück weiter in den Kanon der Kunst einzufügen. Denn noch immer &#8211; oder vielleicht auch mehr denn je &#8211; ist sie in Galerien, Großausstellungen und Museen kaum vertreten.
Statt dessen ist Medienkunst ein Genre geblieben, das in mehr oder weniger geschlossen Kreisen, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-191" title="mediaarthistories" src="http://www.iconic-turn.de/wp-content/uploads/2009/06/mediaarthistories.png" alt="mediaarthistories" width="200" height="254" />Der Sammelband <a title="mediaarthistory" href="http://www.mediaarthistory.org/pub/mediaarthistories.html" target="_blank">MediaArtHistories</a> unternimmt, den Versuch, das Genre der Medienkunst mit ihren verschiedenen Geschichten ein Stück weiter in den Kanon der Kunst einzufügen. Denn noch immer &#8211; oder vielleicht auch mehr denn je &#8211; ist sie in Galerien, Großausstellungen und Museen kaum vertreten.</p>
<p>Statt dessen ist Medienkunst ein Genre geblieben, das in mehr oder weniger geschlossen Kreisen, an wenigen zentralen Orten und in akademischen Zirkeln zirkuliert. Bei dem Versuch, ihre Geschichte zu konstruieren, legt das Buch unfreiwillig einige der Gründe offen, warum Medienkunst eine Nischenkultur geblieben ist, die weder auf Kunst noch auf den Rest der digitale Kultur merklich ausstrahlt. Denn Kunst im allgemeinen kommt gut mit Medien, aber auch ohne ein explizites Genre namens Medienkunst zurecht. Und Medien werden längst nicht mehr von Künstlern und ihren Werken vorangebracht, sondern von Unternehmensgründern und Programmierern.<span id="more-190"></span></p>
<p>Die leitenden Begriffe des Bandes stammen noch aus der Zeit, als das Genre der Medienkunst erfunden und mit institutionelllen Anstrengungen publik gemacht wurde: Interaktivität, Immersion, Virtualität, Experiment. Eine Geschichte zu finden, einen Kanon zu bilden, Typologien zu finden und kulturelle Bedeutung zu reklamieren sind die Aufgaben, denen sich die Autoren des Bandes stellen.<br />
Dabei entwickeln viele Beiträgen einen persönlichen Zugang, der mitunter sehr aufschlussreich ist.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Peter Weibel findet Vorbilder des Interaktiven im Bereich von Fluxus und macht auf einige fast vergessene Ausstellungen aus den 50er Jahren aufmerksam. Edward Shanken überlegt als Medienkünstler, wie sich das Problem, vom &#8216;offiziellen&#8217; Kanon der Kunst ausgeschlossen zu sein, korrigieren lässt. Erkki Huhtamo schreibt eine Geschichte der Berührung, des &#8216;touchs&#8217; als Parallele zur interaktiven Kunst. Dieter Daniels unternimmt den Versuch, zwischen Marcel Duchamp und Alan Turing über deren Verhältnis zum Schachspiel und zum Sex eine Verwandtschaft zu konstruieren. Der Herausgeber Oliver Grau findet in optischen Schauspielen wie der Phantasmagorien und den Magic Lanterns Vorläufer digitaler Illusionsmedien.<br />
Der Beitrag von Gunalan Nadarajan macht auf ein arabisches Werk über Mechanik und Maschinen von 1206 aufmerksam, lesenswert obwohl &#8211; oder gerade weil &#8211; er bei der Geschichte Al-Jazaris bleibt und keine Verbindungen zur Medienkunst erzwingt.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Ryszard Kluszczynski verfolgt die Transformationen der Medienkunst vom Kino zur Interaktion und schreibt über CyberKultur, ohne populäre Videoportale wie Youtube oder Joost auch nur zu streifen.<br />
In einer Passage vom Materiellen zum Interface sucht und findet Louise Poissant Parallelen zwischen Philosophie, Technologie und Kunst. Materialität wird ebenfalls zum zentralen Thema in dem Text von Christiane Paul, der fragt, wie immaterielle und prozessuale Werke der Medienkunst konservatorisch behandelt werden können.<br />
In einem sehr lesenswerten und informativen Beitrag beschreibt Machiko Kusahara die Eigentümlichkeiten japanischer Medienkunst und prägt für die Vorliebe zum Waren-Objekt und zur Unterhaltung den Begriff &#8216;Device Art&#8217;.<br />
Frei von der Beschränkung auf Medienkunst hinterfragt Ron Burnett den Begriff der Interaktivität als problematischer Wortprägung und wirft zugleich einen erhellenden Blick auf künftige kulturelle Entwicklungen.<br />
Mit der Überschrift &#8216;Abstraktion und Komplexität&#8217; wandelt Lev Manovich auf den Spuren von Wilhelm Worringer, um sich in den ästhetischen Untiefen generativer Grafik zu verlieren. Wie Geschichte konstruiert wird, nicht zuletzt durch und mit Hilfe neuer Medien, zeigt Timothy Lenoir am Beispiel von Nanotechnologie und Bioinformatik.<br />
&#8220;There are no visual media&#8221; behauptet W.J.T. Mitchell, wobei er sich einerseits auf Marschall McLuhan beruft, dem Fernsehen haptisch erschien, und andererseits auf die Tatsache, dass fast alle Bildmedien nicht exklusiv visuell sind, sondern auch Ton und Text umfassen.<br />
Als produktive künstlerische Einschränkung betrachtet Douglas Kahn den Umstand, dass am Beginn der Medienkunst Rechenkraft nur sehr eingeschränkt verfügbar war, was die Künstler der frühen Computerkunst einem Effizienzdruck aussetzte.<br />
In dem Schlussaufsatz wendet sich Barbara Stafford gegen die Dominanz des Narrativen und sieht die größte Herausforderung unserer Zeit auf den Spuren der Quantenphysik in der Abbildung von Wahrscheinlichkeiten und Unsicherheiten.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Mit der Disparatheit seiner Beiträge wird der Band dem Plural „Histories“ gerecht. Die Bemühungen, Medienkunst als Genre und akademisches Forschungsobjekt zu etablieren, führen stellenweise zur Beschränkung der Akteure auf das eigenste Interesse. Wo es dem Buch dagegen gelingt, den engen Rahmen der Medienkunst zu überschreiten, wartet es bsiweilen mit erhellenden Erkenntnissen auf.</p>
<p>Oliver Grau (Hrsg.): Mediaarthistories. The MIT Press, Cambridge (MA) 2007</p>
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		<title>Das Feste und das Flüchtige</title>
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		<pubDate>Thu, 20 Jan 2005 14:18:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sh</dc:creator>
				<category><![CDATA[Zanker_Paul]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Repräsentation]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Feste und das Flüchtige.
Wie die Bilder das Selbstverständnis der Gesellschaft im  römischen Kaiserreich modellierten
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			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.iconicturn.de/iconicturn/programm/video/?tx_aicommhbslectures_pi1%5BshowUid%5D=11&amp;cHash=8e4c932d3f" target="_self"><img class="alignleft size-full wp-image-384" title="zanker_p" src="http://www.iconic-turn.de/wp-content/uploads/2009/06/zanker_p.jpg" alt="zanker_p" width="88" height="100" />Das Feste und das Flüchtige.<br />
Wie die Bilder das Selbstverständnis der Gesellschaft im  römischen Kaiserreich modellierten</a></p>
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		<title>Was Texte leisten und Bilder können</title>
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		<pubDate>Wed, 22 Dec 2004 14:34:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sh</dc:creator>
				<category><![CDATA[Giuliani, Luca]]></category>
		<category><![CDATA[Ästhetik]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>

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		<description><![CDATA[Was können Bilder und was leisten Texte? Weil Worte nacheinander gelesen und Bilder auf einen Blick erfasst werden, gab der Dichter Gotthold Ephraim Lessing der Literatur gegenüber der bildenden Kunst den Vorrang. Der Archäologe Luca Giuliani meint, dass sich keine dieser Thesen halten lässt.
Die Diskussion über Dauer und Art der ästhetischen Wahrnehmung ist uferlos: zu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-400" title="giuliani_il" src="http://www.iconic-turn.de/wp-content/uploads/2009/06/giuliani_il.jpg" alt="giuliani_il" width="100" height="113" />Was können Bilder und was leisten Texte? Weil Worte nacheinander gelesen und Bilder auf einen Blick erfasst werden, gab der Dichter Gotthold Ephraim Lessing der Literatur gegenüber der bildenden Kunst den Vorrang. Der Archäologe Luca Giuliani meint, dass sich keine dieser Thesen halten lässt.</p>
<p>Die Diskussion über Dauer und Art der ästhetischen Wahrnehmung ist uferlos: zu Anfang des 18. Jh. betonte Roger de Piles in seinem Cours de Peinture par Principes die entscheidende Bedeutung des allerersten Anblicks (&#8221;le premier coup d&#8217;oeil&#8221;); Herder machte in seiner Erwiderung auf Lessing aus diesem premier coup d&#8217;oeil den Einstieg in eine Kontemplation, die kein Ende hat: &#8220;der erste Anblick sei permanent, erschöpfend, ewig&#8221;. Das Problem ist bis heute ungelöst: man weiß, wann man anfängt, ein Bild zu betrachten; aber man weiß &#8211; anders als bei einem Text &#8211; leider nie, wann man fertig ist.<span id="more-399"></span></p>
<p>Lessings Kriterien bedürfen einer gewissen Modifikation: das Betrachten eines Bildes und das Hören oder Lesen eines Textes sind beides Vorgänge in der Zeit. Bei Texten aber unterliegt dieser Wahrnehmungsprozess einer systemimmanenten Steuerung: der Text selbst bzw. dessen Autor oder Sprecher entscheidet darüber, wann und in welcher Reihenfolge der Rezipient etwas zu hören bekommt; bei Bildern hingegen gibt es (wenn überhaupt) nur eine schwache Möglichkeit der Steuerung: Klee hat den abtastenden Blick eines Betrachters mit einem weidenden Tier verglichen und gemeint, dass in jedem Kunstwerk dafür Wege eingerichtet seien; aber schon die Formulierung ist paradox: wo eine Weide ist, wird man keine Wege erwarten, und umgekehrt; vor allem aber: man kann auf solchen Wegen ebenso vorwärts wie zurück schreiten und sie auch ohne Schwierigkeiten verlassen.</p>
<p>Weil aber Bilder den Rezeptionsvorgang nicht zu steuern vermögen, können sie auch den Betrachter nicht durch die verschiedenen Stufen einer Handlung begleiten, sie können vorher und nachher nicht deutlich unterscheiden, sie können auch keine kausalen Verhältnisse entwickeln: sie können nicht erzählen.</p>
<p>Ebenso wenig können Bilder argumentieren. Es gibt unzählige Techniken der Argumentation: aber letzten Endes beruhen alle darauf, dass aus gegebenen Prämissen bestimmte (notwendige oder auch nur wahrscheinliche) Schlussfolgerungen gezogen werden. Ein solches Verfahren ist an Voraussetzungen gebunden, die rein grammatikalischer und damit sprachlicher Natur sind. Es muss möglich sein, zwischen dem, was ist, und dem, was sich in Zukunft ereignen könnte, zu unterscheiden; es muss möglich sein, verschiedene Sachverhalte so miteinander zu verknüpfen, dass einer den anderen begründet oder mit ihm kompatibel ist oder ihn ausschließt; und es muss möglich sein, Fragen zu stellen, sie zu bejahen oder zu verneinen. All das können Bilder nicht: sie kennen kein Fragezeichen und keine Negation; sie kennen keine unterschiedlichen Tempora und Modi; sie kennen keine kausale, konsekutive, adversative oder disjunktive Konjunktionen; schließlich fehlt Bildern auch jede Möglichkeit, einen gegebenen Einzelfall zu verallgemeinern.</p>
<p>Natürlich können Bilder narrative Stoffe aufgreifen, oder einen Sachverhalt darstellen, der eine bestimmte Argumentation unterstützt. Aber die Aufgabe, die passende Geschichte zu erzählen bzw. die argumentative Schlussfolgerungen daraus zu ziehen: diese Aufgabe kommt dem Betrachter zu. Bilder können einer Geschichte bedürfen und sie können zu einer oder vielen Argumentationen Anlass geben; aber sie selber können weder erzählen noch argumentieren. Was sie leisten liegt auf einer ganz anderen Ebene: Bilder machen Dinge sichtbar, die ohne sie vielleicht nicht sichtbar gewesen wären. Nicht weniger als das, aber auch nicht mehr. Das Sprechen über das, was ein Bild vor Augen führt, ist niemals Sache des Bildes, denn das Bild ist sprachlos: es ist Sache des Betrachters.</p>
<p>(Gotthold Ephraim Lessing: Laokoon oder Über die Grenzen der Malerei und Poesie, 1766)</p>
<p>(Luca Giuliani ist Autor des Buches <a href="http://www.perlentaucher.de/buch/15390.html">Bild und Mythos. Geschichte der Bilderzählung in der griechischen Kunst</a> und Professor für Klassische Archäologie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München)</p>
<p>(Bildnachweis: <a href="http://www.forum-rom.de/Faszinierende%20Antike/Fotoausstellung/laokoon.htm">Gruppe des Laokoon</a> von den rhodischen Bildhauern Hagesandros, Athanodorosund Polydoros , ca. 50 v.Chr., Vatikanische Museen)</p>
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		<title>Sokrates und der Bildbegriff</title>
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		<pubDate>Sat, 11 Dec 2004 15:00:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sh</dc:creator>
				<category><![CDATA[Primavesi, Oliver]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>

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		<description><![CDATA[Bilder sind Medien in dem Sinne, dass sie, wie andere Medien auch, etwas wiedergeben, was sie nicht selbst sind. Was etwas wiedergeben will, kann aber nicht selbst das sein, was es wiedergibt. Ein Plädoyer für eine Medientheorie.

In platonischen Dialogen kommt es häufig zu folgender Situation. Sokrates bittet seinen Gesprächspartner, den Begriff x, um den es [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-415" title="primavesi_il" src="http://www.iconic-turn.de/wp-content/uploads/2009/06/primavesi_il.jpg" alt="primavesi_il" width="100" height="100" />Bilder sind Medien in dem Sinne, dass sie, wie andere Medien auch, etwas wiedergeben, was sie nicht selbst sind. Was etwas wiedergeben will, kann aber nicht selbst das sein, was es wiedergibt. Ein Plädoyer für eine Medientheorie.</p>
<div>
<p>In platonischen Dialogen kommt es häufig zu folgender Situation. Sokrates bittet seinen Gesprächspartner, den Begriff x, um den es gerade geht, erst einmal zu definieren, er fragt ihn also: Was ist x? Der Partner antwortet, indem er eine Reihe von Beispielen angibt, also etwa: x ist z.B. a, b, und c, aber auch d, nicht zu vergessen e; damit ist Sokrates dann aber ganz und gar nicht zufrieden: Beispiele sind eben keine Definition.<span id="more-414"></span>So kann man sich auch leicht ausmalen, was passieren würde, wenn Sokrates hier und jetzt die Frage stellen würde: Was ist denn überhaupt ein Bild? Ich würde ihm nämlich, als angehender Bildwissenschaftler, nicht ohne Stolz antworten: Ja mein lieber Sokrates, da gibt es Bilder in Museen, darunter die falschen, besonders mächtigen, Bilder im Gehirn, Bildnisse in Melanesien, Bilder von Elementarteilchen, Wunsch- und Zerrbilder vom Menschen, insbesondere Bilder aus Abu Ghraïb, aber auch langsame Bilder, reale Bilder, fiktive Bilder, und last but not least Bilder in der Indianer-Mission. Sokrates würde sich dann zwar aufrichtig bemühen, seine tiefe Enttäuschung über meine Antwort zu verbergen. Aber irgendwann käme es doch heraus: Von mir als angehendem Bildwissenschaftler hatte er sich mehr versprochen als eine Reihe von Beispielen; er wollte eine Definition.</p>
<p>Eine Definition bestimmt einen Begriff in der Weise, dass sie zunächst die Gattung angibt, d.h. den Oberbegriff, unter den der Begriff zu subsumieren ist, und dann die spezifischen Differenzen, durch die sich der zu definierende Begriff von den übrigen Mitgliedern seiner Gattung unterscheidet. So jedenfalls bei Aristoteles.</p>
<p>In diesem Sinne möchte ich vorschlagen, als Gattungsbegriff für das Bild den Begriff des Mediums anzunehmen. Bilder sind Medien in dem Sinne, dass sie, wie andere Medien auch, etwas wiedergeben, was sie nicht selbst sind, selbstverständlich ohne dass in dieser Bestimmung irgendeine Vorentscheidung über den ontologischen Status des Wiedergegebenen impliziert. Allgemein gilt ja: Was etwas wiedergeben will, kann nicht selbst das sein, was es wiedergibt. Also sind Medien von dem, was sie wiedergeben, verschieden; und sobald Medien wahrgenommen werden, stehen sie gleichsam in der Mitte zwischen dem Wiedergegebenen und dem Wahrnehmenden: Auf eben diese Mittelstellung verweist ja, nebenbei, auch der Begriff des Mediums (medium = das Mittlere).</p>
<p>In dieser Mittelstellung des Mediums liegt, dass es notwendigerweise eine ihm eigene Beschaffenheit aufweist, durch die es sich von dem unterscheidet, was es wiedergibt. Das wiederum hat zur Folge, dass Medien niemals vollkommen transparent auf das Wiedergegebene sein können, dass sie sich vielmehr an irgendeiner Stelle selbst, d.h. in ihrer eigenen Beschaffenheit, ins Spiel bringen.</p>
<p>Dazu wäre noch viel zu sagen. Insbesondere wäre es interessant, die allgemeine Medientheorie Platons näher zu betrachten. Vor allem in einem Punkt möchte sich Platon von den nach seiner Meinung medientheoretisch naiven vorsokratischen Philosophen abheben: Er insistiert darauf, dass nicht etwa nur Sprache, Bild usw. medial verfasst sind, sondern genauso auch die mentalen Prozesse selbst: Auch sie sind nicht einfach die Sache, die sich in ihnen darstellt, sondern Medien der Sache, auch sie haben eine eigene Beschaffenheit, durch die sie sich notwendig von dem unterscheiden, was sie als die Sache darstellen.</p>
<p>Ich habe ja die sokratische Hausaufgabe erst zur Hälfte gelöst, indem ich für den Bildbegriff zwar einen Gattungsbegriff vorgeschlagen habe, den des Mediums, aber noch keine spezifische Differenz. Wenn denn Bilder Medien sind, wodurch unterscheiden sie sich dann von anderen Medien? Eine Bildwissenschaft kann die von ihr zu ihr zu fordernde Definition des Bildes nur dann vollständig liefern, wenn sie sich als vergleichende Medientheorie versteht, die die mediale Eigenart des Bildes in Abhebung von der medialen Eigenart anderer Medien bestimmt.</p>
<p>Wenigstens die Richtung, in der wir die Antwort zu suchen haben, ergibt sich zwanglos aus dem, was wir allgemein zu unserem Oberbegriff Medium bereits festgestellt haben: Medien, so sahen wir, weisen notwendig einen ihnen eigene Beschaffenheit auf, durch die sie sich von dem unterscheiden, was sie wiedergeben. Wir müssen nun nur noch den Schritt tun, festzustellen, dass sich die Medien eben kraft dieser ihrer eigenen Beschaffenheit auch voneinander unterscheiden: Jedes Medium stellt sich in spezifischer Weise zwischen das Wiedergegebene und den Wahrnehmenden.</p>
<p>(<a href="http://www.klassphil.uni-muenchen.de/personen/primavesi.html">Oliver Primavesi </a>ist Professor für griechische Philologie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München, <a href="http://presse.verwaltung.uni-muenchen.de/einsichten_buch/geistes_kulturwissenschaften/geheimnis.htm">Einsichten 2004</a>)</div>
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		<title>Der altägyptische iconic turn</title>
		<link>http://www.iconicturn.de/2004/11/der-altagyptische-iconic-turn/</link>
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		<pubDate>Tue, 16 Nov 2004 07:17:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sh</dc:creator>
				<category><![CDATA[Assmann, Jan]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>

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		<description><![CDATA[Die griechischen Theorien über die ägyptische Schriftkultur waren keine bloßen Missverständnisse und Gedankenspiele. Die ägyptische Schriftkultur hat in der Tat in der Zeit, zu der die Griechen ihr begegneten, einen iconic turn vollzogen, der in einen Bereich jenseits der Sprache vorstößt.  

Sie entwickelt sich von einem relativ geschlossenen zu einem offenen System. Die traditionelle Hieroglyphenschrift [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-453" title="assmann_t" src="http://www.iconic-turn.de/wp-content/uploads/2009/06/assmann_t.gif" alt="assmann_t" width="100" height="100" />Die griechischen Theorien über die ägyptische Schriftkultur waren keine bloßen Missverständnisse und Gedankenspiele. Die ägyptische Schriftkultur hat in der Tat in der Zeit, zu der die Griechen ihr begegneten, einen iconic turn vollzogen, der in einen Bereich jenseits der Sprache vorstößt.  <span id="more-452"></span></p>
<div>
<p>Sie entwickelt sich von einem relativ geschlossenen zu einem offenen System. Die traditionelle Hieroglyphenschrift basiert wie die aus ihr entwickelte Kursivschrift auf einem Grundbestand von zirka 700 Hieroglyphen. Im Gegensatz zur Kursivschrift aber ist die Hieroglyphenschrift grundsätzlich ein offenes System, das heißt es können ständig, wenn auch natürlich innerhalb vernünftiger Grenzen, neue Zeichen eingeführt werden. So kann man zum Beispiel ab dem Neuen Reich den Laut n statt mit der Wasserlinie (von n.t, Flut) auch mit der unterägyptischen Krone (mit dem gleichen Lautwert n.t) schreiben (Abb.), und es gibt sogar Rätselinschriften, die mit möglichst vielen ungewöhnlichen Zeichen operieren. Das funktioniert in der Kursivschrift nicht, denn die neuen Zeichen sind nur aufgrund ihrer Bildlichkeit, über die Dinge, die sie darstellen, lesbar. Diese in der Hieroglyphenschrift nur als Möglichkeit angelegte Offenheit des Systems wird nun in der Spätzeit systematisch genutzt. Jetzt treten das Zeichenrepertoire der Kursivschrift und das der Hieroglyphenschrift drastisch auseinander, in einem Verhältnis von 1:10. In dieser Zeit schrieb man demotisch, eine Kursive, die jede Bildlichkeit abgestreift hat, und umso intensiver kultiviert man die Bildlichkeit in der Hieroglyphenschrift.</p>
<p>Kraft ihrer Bildlichkeit bezieht sich die Hieroglyphenschrift nicht nur auf Gedanken und Begriffe, sondern auf konkrete Dinge dieser Welt. Sie bezieht sich also auf Laute, Begriffe und auf die Welt. Die Kursivschrift hat den Weltbezug dann abgestreift. Und die spätägyptische Hieroglyphenschrift hat ihn umso mehr wieder kultiviert. Bei letzterer kam es offenbar darauf an, den Zeichenbestand so weit zu vermehren, dass er praktisch mit dem Bestand der Dinge, der sichtbaren Formenwelt übereinstimmte. So wie die Gesamtheit der Schriftzeichen einen orbis pictus, ein Formenrepertoire der Dinge dieser Welt bildete, so bildete umgekehrt die Welt mit ihren Dingen ein Vorlagenrepertoire der Hieroglyphen. Genau diese Vorstellung von einer natürlichen Schrift oder Dingschrift war es, die man in der Renaissance mit der ägyptischen Hieroglyphenschrift verband.</p>
<p>Tatsächlich gibt es aus der ägyptischen Spätzeit Texte, die diese Einschätzung der Schrift zum Ausdruck bringen. Dazu gehört in erster Linie das Denkmal memphitischer Theologie. In diesem Text geht es um die Konzeption einer Schöpfung durch das Wort, die sich aber bei genauerem Hinsehen als Schöpfung durch die Schrift erweist. Dreimal ist in diesem Schöpfungsbericht von Hieroglyphen die Rede:</p>
<p>Es entstanden aber alle Hieroglyphen durch das, was vom Herzen erdacht und von der Zunge befohlen wurde (&#8230;)</p>
<p>Und so war Ptah zufrieden, nachdem er alle Dinge erschaffen hatte und alle Hieroglyphen. (&#8230;)</p>
<p>Es entstanden aber alle Hieroglyphen durch das, was vom Herzen erdacht und von der Zunge befohlen wurde.</p>
<p>Alle Dinge und alle Hieroglyphen &#8211; das soll doch soviel heißen wie die Formen der Natur und ihre Wiedergabe als Schriftzeichen, also res et signa. Das Herz ersinnt die Formen (signa), die Zunge vokalisiert sie als verba und kraft der göttlichen Schöpferkraft realisieren sich die Worte in der entstehenden Erscheinungswelt als Dinge (res). Die signa der Hieroglyphenschrift stehen vermittelnd zwischen res und verba. Nach Lesart dieser Schöpfungslehre aber steht die signa am Anfang: signa im Herzen des Schöpfers, verba durch seine Zunge, res in der äußeren Welt.</p>
<p>Der Gott, um den es hier geht, ist der Gott der Künstler und Handwerker, also jenes Ressorts, zu dem zwar nicht die Schrift als solche, aber die Hieroglyphenschrift gehört. Zur Entstehung des Weltalls trägt er durch das Ersinnen der Formen bei. Diese Formen konstituieren sich als eine innere Schrift im Herzen, die dann durch die sprechende Zunge vokalisiert und in die sichtbare Erscheinungswelt überführt wird. Die Schöpfung ist ein Akt der Artikulation: gedanklich, ikonisch und phonetisch.</p>
<p>Die Hieroglyphen sind die Urbilder der Dinge, welche die Gesamtheit der Wirklichkeit ausmachen. Indem Ptah die Urbilder der Dinge konzipierte, erfand er zugleich mit ihnen auch die Schrift, die Thot nur aufzuzeichnen braucht, so wie er als Zunge die Gedanken des Herzens nur aussprechen muss. Ein Onomastikon, das heißt eine nach Sachgruppen geordnete Wortliste, ist daher überschrieben als Auflistung »aller Dinge, die Ptah geschaffen und Thoth niedergeschrieben hat«.</p>
<p>Die Kursivschrift dagegen, die auf die Ikonizität, die Wiedererkennbarkeit abgebildeter Gegenstände verzichtet und nur auf Grund der Verwendung eines geschlossenen Bestandes abgegrenzter Zeichen funktioniert, kann weder neue Zeichen einführen noch bestehende Zeichen spielerisch variieren. Bildlichkeit und Systemoffenheit gehören zusammen. In den klassischen Schriftperioden ist diese Offenheit zwar immer noch latent als Möglichkeit vorhanden, doch wird sie erst in der Endphase der ägyptischen Schriftgeschichte in großem Stil aktualisiert. Der griechische und, darauf aufbauend, der gesamte abendländische Hieroglyphendiskurs knüpfen genau an diese Spätphase an.</p>
<p>In dieser Zeit verwischt sich in der Hieroglyphenschrift der Unterschied zwischen Schrift und Ikonographie. Gleichzeitig verschärft sich der Unterschied zwischen Hieroglyphen und Kursiver, ikonischer und anikonischer Schrift.</p>
<p>In dieser Zeit, als sich Hieroglyphen und Kursivschrift weit auseinander entwickelten und zur hieratischen Kursive noch das Demotische hinzutrat, muss die Idee einer Symbolschrift und mit ihr der Hieroglyphendiskurs entstanden sein. Also nicht erst in Griechenland, in Ägypten selbst schlägt meines Erachtens die Geburtsstunde des abendländischen Hieroglyphendiskurses, der ja,wie wir sahen, auf genau diesem Unterschied zwischen Bilderschrift und abstrakter Schrift beruht. Gerade die Mehrschriftigkeit und der Unterschied zwischen den verschiedenen Schriftsystemen waren es, die die Griechen an der ägyptischen Schriftkultur besonders faszinierten. Daher sind wir, wenn wir über die Fragen der Bildlichkeit und der Schriftlichkeit, der aus sich selbst heraus verständlichen und der beliebigen Zeichen, der unmittelbaren und der mittelbaren Bezeichnung nachdenken, die Erben der Ägypter. Die Ägypter haben diese Unterschiede und Unterscheidungen in ihren erst zwei, dann drei verschiedenen Schriftsystemen praktiziert, die Griechen haben sie theoretisiert, und das Abendland hat sie diskutiert, bis heute, wo wir über die Wende oder Rückwende von der Sprachlichkeit zur Bildlichkeit nachdenken.</p>
<p>(aus: Hubert Burda, Christa Maar (Hg.): Iconic Turn. Die neue Macht der Bilder, Köln: DuMont 2004, S.318-322)</p></div>
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