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	<title>Iconic Turn &#187; Betrachter</title>
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	<description>Neues aus den Bildwissenschaften</description>
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		<title>Der Betrachter ist nicht im Bild</title>
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		<pubDate>Sat, 17 Dec 2005 12:02:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sh</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<category><![CDATA[Betrachter]]></category>

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		<description><![CDATA[Eine Entgegnung auf Hans Dieter Hubers Thesen zur systemischen Bildwissenschaft
Die Thesen Hubers können weder der \&#8221;Ausgangspunkt jeder bildwissenschaftlichen Untersuchungstätigkeit\&#8221; sein, noch erscheinen sie bei näherer Betrachtung als sonderlich schlüssig.

Dass Beobachtung nicht ohne Beobachter möglich ist: eine Tautologie, die sich von selbst versteht.
Wenn sich Bild und Betrachter schon immer im selben Milieu befinden, weiß der Betrachter [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-308" title="betrachter_nichtimbild" src="http://www.iconic-turn.de/wp-content/uploads/2009/06/betrachter_nichtimbild.jpg" alt="betrachter_nichtimbild" width="130" height="100" />Eine Entgegnung auf Hans Dieter Hubers Thesen zur systemischen Bildwissenschaft</p>
<p>Die Thesen Hubers können weder der \&#8221;Ausgangspunkt jeder bildwissenschaftlichen Untersuchungstätigkeit\&#8221; sein, noch erscheinen sie bei näherer Betrachtung als sonderlich schlüssig.</p>
<div>
<p>Dass Beobachtung nicht ohne Beobachter möglich ist: eine Tautologie, die sich von selbst versteht.</p>
<p>Wenn sich Bild und Betrachter schon immer im selben Milieu befinden, weiß der Betrachter stets, wie er mit den Bildern umzugehen hat: ein Argument, das sich offensichtlich im Kreis dreht.<span id="more-307"></span></p>
<p>Dass es ohne Bilder keine Bildwahrnehmung, ohne Beobachter keine Interpretation und ohne Milieu keinen Platz gibt, an dem Betrachter und Bild sich begegnen: selbstverständliche Gemeinplätze, ebenso nichtssagend wie irreführend.</p>
<p>Im Einzelnen:</p>
<p>Was hat der Beobachter in der Bildwissenschaft verloren? Genügt es nicht, zuerst von Bildern auszugehen? Erfahren wir mehr über die Bilder, wenn wir einen Betrachter hinzudenken? Hilft es weiter, wenn wir zusätzlich zu den Bildern noch den Betrachter der Bilder betrachten?</p>
<p>Die Rezeptionsästhetik hat mit der Figur des Betrachters eine wissenschaftliche Fiktion hervorgebracht. Sie schaltet dadurch eine weitere Instanz zwischen das Wissen und die Bilder. Aber man benötigt den Betrachter so wenig für die Bildwissenschaft wie Leser oder Hörer für die Wissenschaften der Literatur oder der Musik. Bildwissenschaft könnte ebenso gut schlicht bei den Bildern beginnen und die Fiktion eines Betrachters beiseite lassen. Damit soll nicht behauptet werden, dass es den Betrachter nicht gibt. Sondern nur, dass er nicht dazu beiträgt, Bilder besser zu verstehen, geschweige denn am Ausgangspunkt einer Bildwissenschaft zu stehen hat. Eine betrachterzentrierte Bildwissenschaft ist nur eine von vielen Möglichen, Bilder zu untersuchen.</p>
<p>Die Figur des Betrachters führt ein strategisches Moment in die Begründung der Wissenschaft ein. Sie lenkt die Aufmerksamkeit von der Produktionszusammenhängen und den Technologien der Bilder ab, um Bilder allein von der Seite ihrer Rezeption her zu untersuchen. Damit verpflichtet sie die Wissenschaft auf bestimmte Fragen und blendet andere aus. Wie und warum Bilder gemacht werden, spielt aus der betrachterzentierten Perspektive eine nur untergeordnete Rolle. Ebenso die Frage, wie Technologien bestimmte Bildwelten hervorbringen und dadurch die Position des Betrachters erst festlegen. Zugleich verspricht die Fiktion des Betrachters eine falsche Autorität. Der Wissenschaftler, der sich anmaßt, als Betrachter zu agieren, hat das Bild schon immer verstanden und muss keine andere Ansicht zulassen, da er im Namen eines scheinbar selbstgewissen Betrachters zu sprechen vorgibt.</p>
<p>Die Idee, Betrachter und Bild befänden sich schon immer in einem gemeinsamen Milieu, gebraucht entweder einen nichtssagenden Begriff des \&#8221;Milieus\&#8221;, oder sie widerspricht ganz offensichtlich der Erfahrung im Umgang mit Bildern. Zum Beispiel befinden sich Patient und Arzt in ein und demselben Milieu, wenn sie eine Computertomographie betrachten. Dennoch erkennt der Arzt im Bild eine Diagnose, der Patient dagegen nicht. (Harun Badakhshi hat diese Betrachterverhältnisse ausgiebig untersucht). Das Verhältnis betrifft nicht nur Bilder für Experten, sondern Bilder jeder Art. Ein Kunsthistoriker kann die Bedeutung eines Stillebens entschlüsseln, wo ein anderer Betrachter nur Gemüse sieht. Wer schon einmal in Phuket war, kann sich den Strand vorstellen, an den die Welle schlägt. Ein anderer Betrachter weiß nicht mehr als das, was die Bilder vom Tsunami gezeigt haben.</p>
<p>Ganz offensichtlich zeichnet es Bilder geradezu aus, unter sehr vielen Aspekten betrachtet werden zu können und auf verschiedene Betrachter ganz unterschiedlich zu wirken. Die These von der Einheitlichkeit des Milieu entspricht der fixen Idee, Bilder aus der Perspektive eines Betrachters sehen zu wollen. Sie setzt den Unsinn der ersten Annahme fort, indem sie versucht, eine homogene Fiktion eines Betrachters zu konstruieren, den es in Wirklichkeit nicht gibt.</p>
<p>Weder die Wahrnehmung von Bildern, noch die Betrachter von Bildern, noch das Milieu der Betrachter taugen als alleinige Ausgangspunkte einer Bildwissenschaft. Sie stellen vielmehr mögliche Ansätze weiterer Forschungen dar. Gegenstand und Ausgangspunkt der Bildwissenschaft kann jedoch nur das Bild sein.</p></div>
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		<title>Das Bild in uns &#8211; Vom Bild zur Wahrnehmung</title>
		<link>http://www.iconicturn.de/2004/11/das-bild-in-uns-vom-bild-zur-wahrnehmung/</link>
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		<pubDate>Tue, 16 Nov 2004 06:57:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sh</dc:creator>
				<category><![CDATA[Singer, Wolf]]></category>
		<category><![CDATA[Betrachter]]></category>
		<category><![CDATA[Neurowissenschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[Die neuronale Entsprechung dessen, was wir als Bild wahrnehmen, und damit auch das Substrat unserer inneren Bilder und Vorstellungen, könnte ein weit verteiltes, dynamisches raum- zeitliches Erregungsmuster sein, an dem jeweils sehr viele Neuronen teilhaben, die über viele Hirnrindenareale verteilt sind.

Das hieße dann aber auch,dass die Inhalte unseres Bewusstseins verteilte Erregungszustände sein müssen, die nicht [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-434" title="bildinuns_heckl" src="http://www.iconic-turn.de/wp-content/uploads/2009/06/bildinuns_heckl.jpg" alt="bildinuns_heckl" width="100" height="100" />Die neuronale Entsprechung dessen, was wir als Bild wahrnehmen, und damit auch das Substrat unserer inneren Bilder und Vorstellungen, könnte ein weit verteiltes, dynamisches raum- zeitliches Erregungsmuster sein, an dem jeweils sehr viele Neuronen teilhaben, die über viele Hirnrindenareale verteilt sind.<span id="more-433"></span></p>
<div>
<p>Das hieße dann aber auch,dass die Inhalte unseres Bewusstseins verteilte Erregungszustände sein müssen, die nicht an einem bestimmten Punkt oder in einem Konvergenzzentrum lokalisierbar sind. Dies impliziert nicht, dass Funktionen nicht lokalisiert sein können. Wenn bestimmte Areale zerstört werden, dann fallen Teilaspekte unserer bewussten Wahrnehmung aus (&#8230;) doch das Bewusstsein bleibt erhalten. Dies weist darauf hin, dass Verarbeitungsergebnisse, die in den einzelnen Gehirnrindenregionen erbracht werden, in vielfältigen Kombinationen zu einem Ganzen zusammen gebunden und bewusst werden können. Vermutlich erfolgt dies dadurch, dass die verschiedenen Gehirnrindenregionen und damit die in ihnen residierenden Zellen ihre Aktivitäten zeitlich koordinieren und auf diese Weise hochkomplexe, rasch wechselnde dynamische Muster erzeugen, welche das nicht weiter reduzierbare Substrat kognitiver Zustände und Inhalte sind.</p>
<p>Ziel dieses kurzen Ausflugs in die Neurobiologie war, das Gehirn als ein in hohem Maße aktives, auf sein eigenes Wissen zurückgreifendes, selbstreferentielles System vorzustellen, das auf der Basis der gespeicherten Information &#8211; genetischer ebenso wie im Laufe der biologischen Entwicklung erworbener &#8211; aus dem wenigen, was die Sinnessysteme zur Verfügung stellen, ein kohärentes Bild der Welt zusammensetzt. Das Gehirn entwirft Modelle der Welt, vergleicht dann die einlaufenden Signale mit diesen Modellen und</p>
<p>sucht nach den wahrscheinlichsten Lösungen. Diese müssen nicht unbedingt mit der physikalischen Realität übereinstimmen &#8211; und tun dies in vielen Fällen auch nicht -, denn es kommt vorwiegend darauf an, die Variablen zu bewerten, die für das Verhalten relevant und für das Überleben dienlich sind. Es ist wichtig, dabei so schnell wie möglich zu sein. Unsere Kognition fußt also auf Wahrscheinlichkeitsberechnungen und Inferenzen. Das Faszinierende dabei ist, dass wir das Ergebnis dieses interpretativen Aktes für die Wirklichkeit nehmen. Wir merken nicht, dass wir konstruieren, sondern wir glauben, dass wir abbilden. Es ist dies eine der vielen Illusionen, denen wir erliegen.</p>
<p>Eine weitere betrifft die Vorstellung, dass wir im Gehirn ein Kommandozentrum haben, in dem das Ich residiert und wertet, entscheidet und befiehlt. Stattdessen müssen wir uns das Ich als einen räumlich verteilten, sich selbst organisierenden Zustand denken &#8211; was weder attraktiv erscheint noch leicht fällt. Hinzu kommt unser zunehmendes Unbehagen angesichts der Inkompatibilität zwischen unserer Selbsterfahrung und dem naturwissenschaftlichen Bild von uns. Subjektiv erfahren wir uns als autonome, mentale, mit einem freien Willen ausgestattete Handelnde, die selbst entscheiden, was sie tun wollen, und diese Entscheidung dann in neuronale Aktivität umsetzen, damit dann auch das geschieht, was sie tun wollen. Diese Sicht ist immer weniger vereinbar mit den Ergebnissen neurobiologischer Forschung.</p>
<p>Wir leben also parallel in zwei Welten. In der einen, der subjektiv erfahrenen, nehmen wir unsere Wahrnehmungen für die Realität und merken nicht, dass wir konstruieren &#8211; vermuten unser Ich an einem singulären Ort und trauen ihm zu, frei schalten und walten zu können. Aus neurobiologischer Perspektive hingegen müssen wir erkennen, dass diese Annahmen und Vorstellungen in hohem Maße unplausibel sind. Die Zukunft wird zeigen, wie sich diese Einsichten auf unser Selbstbild auswirken werden. Vielleicht werden wir uns einfach an die Widersprüche gewöhnen, so wie wir uns an die Inkompatibilität gewöhnt haben, dass uns die Sonne im Osten aufgeht, während wir wissen, dass sich die Erde unter ihr hindurch dreht. Diese Dissoziation macht uns anscheinend keine Probleme. Die beiden Beschreibungen erfüllen komplementäre Funktionen. Das eine nutzt der Literatur, das andere den Raketenbauern. Nicht hinnehmen aber werden wir die Erfahrung, dass wir auch mit Bildern getäuscht werden können. Dies wird unser Zutrauen zu Bildern nachhaltiger erschüttern, als es Zweifel an unserer eigenen Wahrnehmung je vermögen.</p>
<p>(aus: Hubert Burda, Christa Maar (Hg.): Iconic Turn. Die neue Macht der Bilder, Köln: DuMont 2004, S.56-76)</p></div>
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