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	<title>Iconic Turn &#187; Ästhetik</title>
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	<description>Neues aus den Bildwissenschaften</description>
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		<title>Ein Versuch in automatischer Malerei</title>
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		<pubDate>Fri, 04 Jan 2008 06:58:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sh</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<category><![CDATA[Ästhetik]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>
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		<description><![CDATA[Wenn Kunsthistoriker über Bilder sprechen, die nicht Kunst sind, kommen oft bizarre Thesen zu Stande. Wenn aber Bildwissenschaftler, denen Kunst fremd ist, sich zur Malerei äußern, kann die Sache sehr amüsant werden.
Wie müsste ein Bildmaschine für automatische Malerei konstruiert sein, damit sie in westlichen Gesellschaften so erfolgreich wird wie die digitale Fotokamera oder wie eine [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-161" title="Andreas_Schelske_nag" src="http://www.iconic-turn.de/wp-content/uploads/2009/06/Andreas_Schelske_nag.jpg" alt="Andreas_Schelske_nag" width="230" height="153" />Wenn Kunsthistoriker über Bilder sprechen, die nicht Kunst sind, kommen oft bizarre Thesen zu Stande. Wenn aber Bildwissenschaftler, denen Kunst fremd ist, sich zur Malerei äußern, kann die Sache sehr amüsant werden.</p>
<p><span style="font-style: italic;">Wie müsste ein Bildmaschine für automatische Malerei konstruiert sein, damit </span><span style="font-style: italic;">sie in westlichen Gesellschaften so erfolgreich wird wie die digitale Fotokamera oder wie eine Game-Engine für dreidimensionale, fotorealistische </span><span style="font-style: italic;">Computerspiele?<span id="more-160"></span></span></p>
<p>Andreas Schelske weiß in der <a href="http://www.bildwissenschaft.org/VIB/journal/index.php?menuItem=miArchive&amp;showIssue=30" target="_blank">Ausgabe 6</a> der Online-Zeitschrift <a href="http://www.image-online.info/" target="_blank">Image</a> eine <a href="http://www.bildwissenschaft.org/VIB/journal/content.php?function=fnArticle&amp;showArticle=110" target="_blank">Antwort.</a> Erst einmal konstatiert er, dass Computer zwar realistische Bilder berechnen können, bei der weniger realistischen Malerei aber bislang noch kaum eingesetzt werden. Es wäre kein Fehler, sich einmal die jüngeren Bilder von <a href="http://www.artnet.com/artist/12773/albert-oehlen.html" target="_blank">Albert Oehlen</a> zu betrachten.</p>
<p>Für den von Schelske geforderten Nicht-Fotorealismus genügt es nicht, Kamerabilder einfach abzuwandeln. Die Gesellschaft kommt  dazwischen. Denn messerscharf urteilt Schelske, dass Malerei keine Privatsprache im Sinn von Wittgenstein sein kann, sondern ganz offenbar im kommunikativen Austausch mit anderen Individuen erlernt wird. Damit schließt sich ein anderer Ansatz berechenbarer Bilder wie der von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Max_Bense" target="_blank">Max Bense</a> aus, den er leider nicht erwähnt. Bense glaubte noch an objektive ästhetische Urteile.</p>
<p>Die Lösung des Problems ist denkbar simpel.</p>
<p><span style="font-style: italic;">Eine nicht-fotorealistische Bildmaschine müsste demnach so konzipiert sein, </span><span style="font-style: italic;">dass sie sowohl die 1000 wichtigsten Bildstile der westlichen Bildkultur </span><span style="font-style: italic;">verwendet als auch individuelle Variationen hinsichtlich ihre Gegenstandes </span><span style="font-style: italic;">erlaubt. </span></p>
<p>Der Mischmasch der Stile muss dann nur noch den Turing-Test bestehen, um<br />
wahrhaft Kunst zu sein. Das geht so:</p>
<p><span style="font-style: italic;">Male mir fünf Bilder von einem bestimmten Sujet, die der aktuellen Bildkultur </span><span style="font-style: italic;">der zeitgenössischen Malerei entsprechen. Kommen die maschinelle erstellten </span><span style="font-style: italic;">Bilder einem Kunstkenner als künstlerische Bildkultur vor, wäre der </span><span style="font-style: italic;">Turing-Test für Bilder der Kunst bestanden.</span></p>
<p>Dankenswerterweise hat Schelske ein mögliches Ergebnis gleich bereit gestellt,  das er mit Hilfe des <a href="http://nag.iap.de/" target="_blank">Netzkunstgenerators</a> von Cornelia Sollfrank geschaffen hat.  Doch schließlich dämmert auch ihm, dass es nicht einfach darum gehen kann, soziale Wertungen in einem Bildprogramm zu implementieren. Denn noch gibt es die Welt außerhalb der Rechner.</p>
<p>So müsste man dem Computer tunlichst beibringen, sich auf den einschlägigen Parties in Miami oder Basel gut mit potentiellen Sammlern zu unterhalten. Denn wenn schon sozialer Kontext, dann bitte richtig. Obwohl: vielleicht ließe sich eine Lösung finden, wenn man die Sammler und am besten ihre Galeristen auch noch simuliert.</p>
<p>_______</p>
<p><span style="font-style: italic;">Abbildung:</span><em>Andreas Schelske © erstellt mit Net.Art Generator</em></p>
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		<title>Bewegliche Fluchtpunkte</title>
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		<pubDate>Thu, 27 Jan 2005 14:14:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sh</dc:creator>
				<category><![CDATA[Asendorf, Christoph]]></category>
		<category><![CDATA[Lecture]]></category>
		<category><![CDATA[Ästhetik]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>

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		<description><![CDATA[Bewegliche Fluchtpunkte &#8211; Der Blick von oben und die moderne Raumanschauung
]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.iconicturn.de/iconicturn/programm/video/?tx_aicommhbslectures_pi1%5BshowUid%5D=10&amp;cHash=50724e6a5e" target="_self"><img class="alignleft size-full wp-image-381" title="asendorf_chr" src="http://www.iconic-turn.de/wp-content/uploads/2009/06/asendorf_chr.jpg" alt="asendorf_chr" width="100" height="99" />Bewegliche Fluchtpunkte &#8211; Der Blick von oben und die moderne Raumanschauung</a></p>
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		<title>Wenn Objekte zu Bildern werden</title>
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		<pubDate>Thu, 27 Jan 2005 14:12:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sh</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Sterling, Bruce]]></category>
		<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<category><![CDATA[Ästhetik]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[Unser Denken wurde schon immer von Bildern bestimmt. Doch digitale Bilder werden künftig auch unser Verhältnis zu Objekten beeinflussen. Der Science Fiction Autor Bruce Sterling in einem Interview über den Iconic Turn und die Folgen künftiger Technologie.

Viele Wissenschaftler sprechen heute vom &#8220;Iconic Turn&#8221; oder &#8220;Visual Turn&#8221;. Gibt es Ihrer Ansicht nach überhaupt einen &#8220;Iconic Turn&#8221;?
Eigentlich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-377" title="sterling_il" src="http://www.iconic-turn.de/wp-content/uploads/2009/06/sterling_il.jpg" alt="sterling_il" width="108" height="100" />Unser Denken wurde schon immer von Bildern bestimmt. Doch digitale Bilder werden künftig auch unser Verhältnis zu Objekten beeinflussen. Der Science Fiction Autor Bruce Sterling in einem Interview über den Iconic Turn und die Folgen künftiger Technologie.</p>
<div>
<p><em>Viele Wissenschaftler sprechen heute vom &#8220;Iconic Turn&#8221; oder &#8220;Visual Turn&#8221;. Gibt es Ihrer Ansicht nach überhaupt einen &#8220;Iconic Turn&#8221;?</em></p>
<p>Eigentlich nicht. Wir sind alle mit dem Fernsehen aufgewachsen, und es ist ganz sicher, dass wir heute in erster Linie in Form von verbundenen Bildern (linked images) denken. Aber ich habe den Verdacht, dass wir das schon immer getan haben: Wirklich rationales Denken findet man jedoch selten. <span id="more-376"></span>Es gibt wenig Menschen, die sich hinsetzen und ein Problem mit Hilfe von aristotelischen Syllogismen angehen. Auch Aristoteles ist ein Bild, Hegel ist ein Bild, Nietzsche und Oswald Spengler sind Bilder. Wäre ich Grafikdesigner, würde ich das alles vielleicht anders sehen. Aber ich betrachte Grafiker immer noch als Handwerker, nicht als Menschen, die mit ihrer Arbeit den Gang der Zivilisation verändern.</p>
<p><em>Allerdings gehen Kinder heute mit Bildern und Symbolen ganz anders um, als eine Generation vor ihnen…</em></p>
<p>Ich bin mit Fernsehen aufgewachsen, im Gegensatz zu meinen Eltern. Die haben damals auch solche Argumente verwandt und gedacht, dass ich mir durch das Fernsehen ganz neue Fähigkeiten aneignen würde. Aber unsere Zivilisation hat sich auch nicht geändert. Und heute erleben wir einen wahnsinnigen und immer noch wachsenden Verfall der Kulturtechnik Fernsehen. Mit anderen Worten: Selbst wenn es einen &#8220;Iconic Turn&#8221; geben sollte, heißt dies nicht, dass es nicht auch wieder einen &#8220;Post-Iconic-Turn&#8221; geben könnte.</p>
<p><em>In Ihrem Vortrag haben Sie vorgeführt, wie sehr die neuen Produktionstechniken unsere Wahrnehmung von Objekten verändern. Auch kleine Kinder können jetzt schon eine Art Ingenieur werden… </em></p>
<p>Der Schlüssel der Sache ist: Immer mehr Leute können an mehr Plätzen an einem Objekt interaktiv mitarbeiten. Mehr Brainpower kommt leichter an das Objekt heran, wenn es als Bild bzw. als Interface existiert, und an vielen Räumen zugleich sein kann.</p>
<p><em>Was ist das für ein Objekt, von dem Sie sprechen?</em></p>
<p>Das Objekt ist ein virtuelles Objekt, das sich &#8220;nur&#8221; im Computer befindet. Aber das wichtigste ist der Set von sozialen Interaktionen, der mit ihm einhergeht, die soziale Software: Da gibt es Leute mit ganz unterschiedlichen Fähigkeiten: Ingenieure, Graphiker, Verpackungsgestalter, einen Anthropologen vielleicht, Koordinatoren, Marketingleute… etc. Wer gestaltet heute Objekte? Es ist ein Team von Designern. Die 3-D-Objekte verschmelzen mit diversen anderen Aspekten. Das &#8220;reale&#8221; Objekt steht erst ganz am Ende. Zeit und Anstrengung beziehen sich auf das Objekt im Computer.</p>
<p><em>Verändern Bilder unser alltägliches Verhalten?</em></p>
<p>Ja. Vor allem wird es durch Bilderfolgen, durch den Vergleich zwischen Bildern verändert. Wenn Sie sich zum Beispiel vorstellen, dass man bald dreidimensionale Bilder von unseren persönlichen Organen machen wird. Technisch ist das schon jetzt möglich. Und in ein paar Jahren gibt uns unser Arzt statt einer Diagnose so ein Bild in die Hand, und sagt: &#8220;Sehen Sie mal, wie Ihre Leber aussieht. Und wie sie vor einem Jahr aussah.&#8221; Es wird somit eine Art dauerhaftes Archiv unserer Bilder geben eine Abbildung des individuellen Zeitablaufs. Und das wird unser Verhalten verändern. Denn ein Bild hat schon an sich sehr viel Macht, aber ein Set von Bildern über die Zeit hat noch viel mehr Macht. Ich sage das, weil ich als jemand, der sich für zukünftige Entwicklungen interessiert, wirklich vom Ablaufen und Vergehen der Zeit fasziniert bin. Aber wir haben noch kein richtiges Muster, noch keine Vision, damit umzugehen. Die christlich-jüdische Kultur hat damit offenbar Schwierigkeiten.</p>
<p><em>Brauchen wir eine Bildwissenschaft und Bilderziehung?</em></p>
<p>Das klingt zunächst danach, als gehe es darum, den Jungen und Kindern etwas beizubringen, was wir selber wissen. Aber das stimmt ja nicht. Das geht gar nicht. Wir haben selber keine Lösung, wie genau wir mit Bildern umgehen sollen. Ob unsere Fähigkeiten ausreichen, Bilder wirklich zu verstehen, bezweifle ich. Grundsätzlich denke ich nicht, dass das deutsche Bildungssystem, so gut es auch sein mag, siebenjährigen Kindern irgendetwas über Bilder beibringt. Das wird nicht funktionieren. Die größte Drohung, die ich sehe, dass Bilder zum Privatbesitz werden, und der allgemeinen, öffentlichen Verfügung entzogen werden. So wie Disney sich die Exklusivrechte an Mickey Mouse gesichert hat. Es ist also im Prinzip auch Kindern verboten, Mickey Mouse zu zeichnen. Das ist ein Hornissennest.</p>
<p>(Das Interview mit Bruce Sterling führte Rüdiger Suchsland im Rahmen der Iconic Turn Veranstaltung am 20.12.2004 in München.)</p></div>
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		<title>Was Texte leisten und Bilder können</title>
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		<pubDate>Wed, 22 Dec 2004 14:34:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sh</dc:creator>
				<category><![CDATA[Giuliani, Luca]]></category>
		<category><![CDATA[Ästhetik]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>

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		<description><![CDATA[Was können Bilder und was leisten Texte? Weil Worte nacheinander gelesen und Bilder auf einen Blick erfasst werden, gab der Dichter Gotthold Ephraim Lessing der Literatur gegenüber der bildenden Kunst den Vorrang. Der Archäologe Luca Giuliani meint, dass sich keine dieser Thesen halten lässt.
Die Diskussion über Dauer und Art der ästhetischen Wahrnehmung ist uferlos: zu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-400" title="giuliani_il" src="http://www.iconic-turn.de/wp-content/uploads/2009/06/giuliani_il.jpg" alt="giuliani_il" width="100" height="113" />Was können Bilder und was leisten Texte? Weil Worte nacheinander gelesen und Bilder auf einen Blick erfasst werden, gab der Dichter Gotthold Ephraim Lessing der Literatur gegenüber der bildenden Kunst den Vorrang. Der Archäologe Luca Giuliani meint, dass sich keine dieser Thesen halten lässt.</p>
<p>Die Diskussion über Dauer und Art der ästhetischen Wahrnehmung ist uferlos: zu Anfang des 18. Jh. betonte Roger de Piles in seinem Cours de Peinture par Principes die entscheidende Bedeutung des allerersten Anblicks (&#8221;le premier coup d&#8217;oeil&#8221;); Herder machte in seiner Erwiderung auf Lessing aus diesem premier coup d&#8217;oeil den Einstieg in eine Kontemplation, die kein Ende hat: &#8220;der erste Anblick sei permanent, erschöpfend, ewig&#8221;. Das Problem ist bis heute ungelöst: man weiß, wann man anfängt, ein Bild zu betrachten; aber man weiß &#8211; anders als bei einem Text &#8211; leider nie, wann man fertig ist.<span id="more-399"></span></p>
<p>Lessings Kriterien bedürfen einer gewissen Modifikation: das Betrachten eines Bildes und das Hören oder Lesen eines Textes sind beides Vorgänge in der Zeit. Bei Texten aber unterliegt dieser Wahrnehmungsprozess einer systemimmanenten Steuerung: der Text selbst bzw. dessen Autor oder Sprecher entscheidet darüber, wann und in welcher Reihenfolge der Rezipient etwas zu hören bekommt; bei Bildern hingegen gibt es (wenn überhaupt) nur eine schwache Möglichkeit der Steuerung: Klee hat den abtastenden Blick eines Betrachters mit einem weidenden Tier verglichen und gemeint, dass in jedem Kunstwerk dafür Wege eingerichtet seien; aber schon die Formulierung ist paradox: wo eine Weide ist, wird man keine Wege erwarten, und umgekehrt; vor allem aber: man kann auf solchen Wegen ebenso vorwärts wie zurück schreiten und sie auch ohne Schwierigkeiten verlassen.</p>
<p>Weil aber Bilder den Rezeptionsvorgang nicht zu steuern vermögen, können sie auch den Betrachter nicht durch die verschiedenen Stufen einer Handlung begleiten, sie können vorher und nachher nicht deutlich unterscheiden, sie können auch keine kausalen Verhältnisse entwickeln: sie können nicht erzählen.</p>
<p>Ebenso wenig können Bilder argumentieren. Es gibt unzählige Techniken der Argumentation: aber letzten Endes beruhen alle darauf, dass aus gegebenen Prämissen bestimmte (notwendige oder auch nur wahrscheinliche) Schlussfolgerungen gezogen werden. Ein solches Verfahren ist an Voraussetzungen gebunden, die rein grammatikalischer und damit sprachlicher Natur sind. Es muss möglich sein, zwischen dem, was ist, und dem, was sich in Zukunft ereignen könnte, zu unterscheiden; es muss möglich sein, verschiedene Sachverhalte so miteinander zu verknüpfen, dass einer den anderen begründet oder mit ihm kompatibel ist oder ihn ausschließt; und es muss möglich sein, Fragen zu stellen, sie zu bejahen oder zu verneinen. All das können Bilder nicht: sie kennen kein Fragezeichen und keine Negation; sie kennen keine unterschiedlichen Tempora und Modi; sie kennen keine kausale, konsekutive, adversative oder disjunktive Konjunktionen; schließlich fehlt Bildern auch jede Möglichkeit, einen gegebenen Einzelfall zu verallgemeinern.</p>
<p>Natürlich können Bilder narrative Stoffe aufgreifen, oder einen Sachverhalt darstellen, der eine bestimmte Argumentation unterstützt. Aber die Aufgabe, die passende Geschichte zu erzählen bzw. die argumentative Schlussfolgerungen daraus zu ziehen: diese Aufgabe kommt dem Betrachter zu. Bilder können einer Geschichte bedürfen und sie können zu einer oder vielen Argumentationen Anlass geben; aber sie selber können weder erzählen noch argumentieren. Was sie leisten liegt auf einer ganz anderen Ebene: Bilder machen Dinge sichtbar, die ohne sie vielleicht nicht sichtbar gewesen wären. Nicht weniger als das, aber auch nicht mehr. Das Sprechen über das, was ein Bild vor Augen führt, ist niemals Sache des Bildes, denn das Bild ist sprachlos: es ist Sache des Betrachters.</p>
<p>(Gotthold Ephraim Lessing: Laokoon oder Über die Grenzen der Malerei und Poesie, 1766)</p>
<p>(Luca Giuliani ist Autor des Buches <a href="http://www.perlentaucher.de/buch/15390.html">Bild und Mythos. Geschichte der Bilderzählung in der griechischen Kunst</a> und Professor für Klassische Archäologie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München)</p>
<p>(Bildnachweis: <a href="http://www.forum-rom.de/Faszinierende%20Antike/Fotoausstellung/laokoon.htm">Gruppe des Laokoon</a> von den rhodischen Bildhauern Hagesandros, Athanodorosund Polydoros , ca. 50 v.Chr., Vatikanische Museen)</p>
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		<title>Esthétique et éthique: l&#8217;image brûle</title>
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		<pubDate>Thu, 16 Dec 2004 14:42:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sh</dc:creator>
				<category><![CDATA[Didi-Huberman, Georges]]></category>
		<category><![CDATA[Lecture]]></category>
		<category><![CDATA[Ästhetik]]></category>
		<category><![CDATA[Ethik]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>

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		<description><![CDATA[Esthétique et éthique: l´image brûle
Iconic Turn Lecture
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			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.iconicturn.de/iconicturn/programm/video/?tx_aicommhbslectures_pi1%5BshowUid%5D=13&amp;cHash=2415984ee6" target="_self"><img class="alignleft size-full wp-image-407" title="did_huberman" src="http://www.iconic-turn.de/wp-content/uploads/2009/06/did_huberman.jpg" alt="did_huberman" width="100" height="100" />Esthétique et éthique: l´image brûle</a></p>
<p>Iconic Turn Lecture</p>
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		<title>Shaping Things to Come</title>
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		<pubDate>Mon, 13 Dec 2004 14:57:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sh</dc:creator>
				<category><![CDATA[Lecture]]></category>
		<category><![CDATA[Sterling, Bruce]]></category>
		<category><![CDATA[Ästhetik]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>

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		<description><![CDATA[Shaping Things to Come
Iconic Turn Lecture
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			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.iconicturn.de/iconicturn/programm/video/?tx_aicommhbslectures_pi1%5BshowUid%5D=14&amp;cHash=2a78a7251d" target="_self">Shaping Things to Come</a></p>
<p>Iconic Turn Lecture</p>
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		<title>Die Einheit der Kunst und die Vielfalt der Bilder</title>
		<link>http://www.iconicturn.de/2004/11/die-einheit-der-kunst-und-die-vielfalt-der-bilder/</link>
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		<pubDate>Wed, 10 Nov 2004 15:04:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sh</dc:creator>
				<category><![CDATA[Reitinger, Franz]]></category>
		<category><![CDATA[Ästhetik]]></category>
		<category><![CDATA[Bildwissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>

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		<description><![CDATA[Bildwissenschaft nimmt sich heute als ein heterogenes Feld an intellektuellen Aktivitäten aus, die über die Disziplinen verstreut an verschiedenen Institutionen stattfinden. Wenn es gelänge, die Architektur aus dem System der bildenden Künste auszugliedern, würde sich die Kunstgeschichte von selbst als Bildwissenschaft konstituieren.

Nicht minder gilt dies für die historische Bildforschung mit der Folge, dass wir heute [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-418" title="reitinger_il" src="http://www.iconic-turn.de/wp-content/uploads/2009/06/reitinger_il.jpg" alt="reitinger_il" width="100" height="100" />Bildwissenschaft nimmt sich heute als ein heterogenes Feld an intellektuellen Aktivitäten aus, die über die Disziplinen verstreut an verschiedenen Institutionen stattfinden. Wenn es gelänge, die Architektur aus dem System der bildenden Künste auszugliedern, würde sich die Kunstgeschichte von selbst als Bildwissenschaft konstituieren.<span id="more-417"></span></p>
<div>
<p>Nicht minder gilt dies für die historische Bildforschung mit der Folge, dass wir heute kaum noch in der Lage sind, das neuzeitliche Bildaufkommen in seiner Gesamtheit zu überblicken und uns theoretisch wie praktisch davon eine adäquate Vorstellung zu machen. Während ein begrenzter Kanon von Kunstwerken über lange Zeit die ungeteilte Aufmerksamkeit von Professoren und Studenten erhielt, waren es immer nur einige wenige Spezialisten, die sich über alle Fachbereiche der Geisteswissenschaften verstreut jener Mehrheit von Bildern zuwandten, die durch den Rost der Kunstgeschichte fielen. Ein praktisches Handbuch zur historischen Bildforschung, in dem über den historischen Verlauf und die räumliche Verbreitung der geläufigsten Bildtypen und -funktionen, über ihre charakteristischen Merkmale und spezifischen Ausprägungen, ihre Leitthemen und Motive sowie ihre wichtigsten Vertreter, nachzuschlagen wäre, gibt es nicht.</p>
<p>Wir würden uns einer Illusion hingeben, wenn wir glaubten, wir könnten Kunstgeschichte wie bisher lehren und zusätzlich Bildforschung betreiben. Anstatt einer fortwährenden Einverleibung neuer Materien auf Kosten des bestehenden Wissens, sei für eine konzeptionelle Neuorientierung der Kunstgeschichte im Sinne eines neuen Systems der Bildwissenschaft plädiert. Durch die Herabstufung der Architekturgeschichte zu einem stilkundlichen Propädeutikum würde die Skulptur ihre bisherige Bindegliedfunktion einbüßen und zu einem Eckpfeiler des neuen Systems werden, wie es ihrer Nähe zur dreidimensionalen Welt der Dinge einschließlich der Realien einer neuen Objektkunst entspräche. Die Malerei, genauer das zweidimensionale Bild, würde in die Mitte nachrücken und so in den Rang einer Kerndisziplin der neuen bildorientierten Geschichtswissenschaft gehoben. An Stelle der bisherigen Hegemonie des Tafelbildes träte eine breit gefächerte Typologie des Bildes, wie wir sie in Ansätzen etwa von Dagobert Frey, Wolfgang Brückner, Hans Belting und neuerdings Klaus Sachs-Hombach her kennen.</p>
<p>Nach der anderen Seite hin könnte sich das neue System jenen Bildformen gegenüber öffnen, die bislang aus dem System der Künste ausgeschlossen waren. Den freigewordenen Platz würden mithin jene Bereiche belegen, die in einem Nahverhältnis zur Sphäre des Buches bzw. der angewandten Kunst stehen, darunter vermehrt funktionale und bewegliche Bildträger. Der Hauptakzent einer solchen Bildwissenschaft sollte nicht etwa auf einer reinen Typenlehre, sondern mehr noch auf dem Austausch und die Verschiebungen zwischen den verschiedenen Bildgattungen und -funktionen liegen. Nicht auf das angebliche Wesen des Bildes käme es dabei an, sondern auf seine Fähigkeit zur Expansion und Transgression.</p>
<p>Bilder wären kein intelligentes Medium, wenn sie auf dem beharren würden, was sie angeblich sind. Besteht doch deren raison d&#8217;être gerade im Gegenteil darin, dass sie mögliche Grenzen ausloten, in andere Wissensfelder eindringen und so letztlich über sich hinaus verweisen. Aufgabe einer künftigen Bildwissenschaft kann es demnach nicht sein, ängstlich an irgendwelchen selbst gesetzten terminologischen Grenzen zu verharren.Ihr obläge es im Gegenteil, den Ausprägungen von Bildlichkeit auch bis in die entferntesten Winkel nachzuspüren.</p>
<p>Schon 1995 vertrat James Elkins die Auffassung, dass es gute Gründe gebe, die Kunstgeschichte als Teildisziplin einer allgemeinen Geschichte des Bildes zu betrachten, umso mehr als &#8220;nonart images&#8221; oftmals komplexere Probleme der Repräsentation und Rezeption aufwerfen, als dies bei herkömmlichen Kunstwerken der Fall sei. Tatsächlich entspricht das von uns anskizzierte Modell einer historischen Bildwissenschaft bereits jetzt in hohem Maße den gegebenen Verhältnissen und damit auch den vorhandenen Möglichkeiten. Gibt es doch in den meisten Städten seit langem zwei, drei, ja bisweilen sogar vier Lehrstühle für Kunstgeschichte: einen an der Universität, einen anderen an der Kunstakademie und einen dritten an der jeweiligen technischen Universität oder Fachhochschule. Was zunächst als sinnlose Mehrfachbesetzung erscheint, ist de facto der Beleg dafür, dass die Trennung der Bereiche Bild, Architektur und Kunst praktisch längst vollzogen ist. Während bereits jetzt Architekturgeschichte zu einem hohen Grad von den technischen Hochschulen betreut und an den Kunstakademien eine sich am Begriff des Ready-Made und der Optik der Wunderkammern orientierende ästhetische Realienkunde unterrichtet wird, wäre es eigentlich nur ein folgerichtiger Schritt, wenn die Kunstgeschichte an den Universitäten daraus die Konsequenzen zöge und die Herausforderung annähme, als Dachdisziplin einer neuen historischen Bildwissenschaft zu fungieren. Wenn es gelänge, die Architektur aus dem System der bildenden Künste auszugliedern, würde sich die Kunstgeschichte von selbst als Bildwissenschaft konstituieren.</p>
<p>(Franz Reitinger ist Historiker mit dem Spezialgebiet Bildforschung, <a href="http://www.ritterbooks.com/index.cfm?master=0&amp;category=1&amp;template=book.cfm&amp;book=402">zuletzt erschienen</a>)</div>
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