Zwei Bücher zur Moral der Bilder

leifert_bildethikStefan Leifert hat in einem Band zwei Bücher über die Ethik des Visuellen geschrieben. Er versucht, den ganzen Weg von den philosophischen Bildtheorien bis zum alltäglichen Gebrauch der Bilder im Journalismus zurückzulegen. Zwischen Theorie und Praxis kommt es zu einem Bruch, der zugegebenermaßen schwer zu vermeiden ist. Von der Höhe der Bildtheorien  Husserls, Sartres und Heidegger unternimmt Leifert einen waghalsigen Sprung in die Tiefe der publizistischen Selbstkontrolle im Bereich des Printjournalismus durch den Deutschen Presserat.

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Stimmung strömt: Moodstream

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barbariangroup_msDass Stimmungen sich in Bildern und Musik wiederfinden, will Gettyimages mit der Plattform Moodstream nutzen. Wozu genau der Service dienen soll, der Anfang Juni beim Webby Award vorgestellt wurde, lässt sich nicht leicht sagen.
Die Agentur Barbariangroup, die die Idee entwickelt hat, gibt vorsichtshalber gleich mehr als einen Zweck an:

It’s a concepting tool. The modern version of the fireplace. An interactive art piece. TV for the future. It’s a website we created for and with Getty Images to showcase all of their offerings – still, video and sound – and inspire interactive creatives. And it’s really, really fun to use.
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Hans Beltings östwestlicher Blickwechsel

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belting_2008Seiner Geschichte vom Betrachter und vom Blick hat der Kunsthistoriker Hans Belting ein aufregendes neues Kapitel hinzugefügt. Die Perspektive – der Durch-Blick – galt bislang als eine genuin westliche Erfindung. Belting fordert uns auf, ihre Wurzeln im Orient zu suchen. Und er zeigt, auf welchem Weg das Wissen der Perspektive in den Westen gelangt ist, warum es sich nur hier erfüllen konnte, und wie es kam, dass im Orient andere Lösungen den Sieg davon trugen.
Erst in unserer Gegenwart dringt das perspektivische Abbild dank technischer Medien auch in den ehemals abbild-feindlichen islamischen Orient vor.

Aber bild-feindlich war der Islam nie. Belting gibt genügend Beispiele für die reiche Bildkultur in Bagdad. Verboten war vielmehr, körperliches Leben mit Stimme und Atem auf leblose Bilder zu übertragen. Der Weg zum Blick, und damit also auch der Weg zur perspektivischen Darstellung waren damit versperrt. Diesen Beitrag weiterlesen »

Medien und/oder Kunst

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mediaarthistoriesDer Sammelband MediaArtHistories unternimmt, den Versuch, das Genre der Medienkunst mit ihren verschiedenen Geschichten ein Stück weiter in den Kanon der Kunst einzufügen. Denn noch immer – oder vielleicht auch mehr denn je – ist sie in Galerien, Großausstellungen und Museen kaum vertreten.

Statt dessen ist Medienkunst ein Genre geblieben, das in mehr oder weniger geschlossen Kreisen, an wenigen zentralen Orten und in akademischen Zirkeln zirkuliert. Bei dem Versuch, ihre Geschichte zu konstruieren, legt das Buch unfreiwillig einige der Gründe offen, warum Medienkunst eine Nischenkultur geblieben ist, die weder auf Kunst noch auf den Rest der digitale Kultur merklich ausstrahlt. Denn Kunst im allgemeinen kommt gut mit Medien, aber auch ohne ein explizites Genre namens Medienkunst zurecht. Und Medien werden längst nicht mehr von Künstlern und ihren Werken vorangebracht, sondern von Unternehmensgründern und Programmierern. Diesen Beitrag weiterlesen »

Bessere Bildsuche mit Google

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Seit mehr als einem Jahrzehnt versucht man, Bilder nicht nur nach Begriffen, sondern nach ihrem Inhalt zu ordnen. Content-based Image Retrieval heisst die Technik unter Forschern. Zum Leidwesen der Beteiligten haben sich die grundlegende Probleme bislang nicht lösen lassen. Denn Maschinen können die meisten Dinge, die Menschen in Sekunden erfassen, bisher nicht erkennen. Diesen Beitrag weiterlesen »

TimeTube: Zeit Sehen

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TimeTube_iconDass Bilder laufen lernten, ist eine Weile her. Im Netz lernen sie nun langsam zu springen. Zeit war seit Anfang an ein Problem im Internet. Google hat es ganz einfach umgangen, indem es die Dimension der Zeit ignoriert.

Doch Zeit und ihre Abläufe kommen wieder, und das um so dringender, je mehr zeitbasierte Information wir im Internet finden. Nun gibt es einen ganz grundsätzlichen Widerspruch zwischen dem Zugriff auf Zeit und dem Bild. Wann immer wir in der Zeit springen wollen, benötigen wir im Bild Platz, um die Dimension Zeit darzustellen. Etwa mit einem Diagramm oder einem Chart.

Time Tube bietet eine einfache Lösung an, Bilder auf einem Zeitpfeil anzuordnen. Es handelt sich bei dem Service um ein Mashup der Plattform Dipity, die Zeitreihen erstellt. Timetube kombiniert die Zeitreihe mit einer Suche auf dem Videokanal Youtube. Diesen Beitrag weiterlesen »

Gesichter erkennen im Netz

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Mit der Einführung der biometrische Ausweise ist uns das Lachen auf das Passbilder erst einmal vergangen. Nun kommt es im Netz zurück, will man der Ankündigug der chinesischen Website tuyuan glauben. Sie bietet den Service der Gesichtserkennung an. Michel Arrington äußert auf Techcrunch berechtigte Zweifel. Or it may just put boxes around people’s heads. Denn eigentlich ist die Gesichtserkennung noch lang nicht so weit, in jeder Lage und jedem Licht Name und Antlitz einander zuordnen zu können. Diesen Beitrag weiterlesen »

Bilderpolitik in Zeiten von Krieg und Terror

Ist das Betrachten von Grausamkeiten selbst eine Grausamkeit? fragt Linda Hentschel in der Einleitung des von ihr herausgegebenen Bandes. Der Kunsthistoriker Horst Bredekamp rief einst zum Bild-Boykott auf. Wenn das Töten eines Menschen den Zweck hat, seinen Tod zum Bild werden zu lassen, dann ist das Betrachten dieses Bildes unabdingbarer Akt der Beteiligung. Dann würde der Betrachter zum Täter, aber das Bilderverbot erscheint beim Grad, mit dem Nachrichten von Visuellem durchtränkt sind, illusorisch.

Der Band zur Bilderpolitik ist alles andere als ein Handbuch zur Herrschaft durch Bilder, eher ein Gegen-Buch. Doch manchmal gleicht das Dagegen dem Dafür. Und so erfahren wir ausführlich, wie es gemacht wird, das Regieren mit Bildern. Diesen Beitrag weiterlesen »

Habermas, die Intellektuellen und der Iconic Turn

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habermas_intelMit seinen Überlegungen zur Rolle des Intellektuellen in einer von Iconic Turn veränderten Medienwelt kehrt Habermas zu seinen Anfängen zurück: zum Strukturwandel der Öffentlichkeit, über den sich der Philosoph 1962 habilitierte. Die Kritik am Fernsehen äußerte er breits damals anlässlich der im Fernsehen übertragenen Parlamentsdebatten: Vor der erweiterten Öffentlichkeit werden die Verhandlungen zur Show stilisiert (S.245).

Neu ist die Rolle, die er dem Internet zuspricht. Im Gegensatz zum Fernsehen sieht Habermas dort das Problem nicht in den Bildern. (Eine Ansicht, die sich mit dem Ausweiten der visuellen Informationen bald ändern dürfte.) Vielmehr vermisst er in den egalitären Netzen die konzentrierte Öffentlichkeit.  In diesem Medium verlieren die Beiträge von Intellektuellen die Kraft, einen Fokus zu bilden. Neue Wege der Fokussierung, wie sie etwa bei Technorati oder delicious sichtbar werden, zieht er in nicht Betracht. Dass die Intellektuelle im herkömmlichen Sinn dort nicht präsent sind, zeigt die Cicero- Liste der 500 Intellektuellen, die das Internet als eigenständigen Reflektionsraum vollständig ausblendet. Diesen Beitrag weiterlesen »

Kunstgeschichte und Bildwissenschaft

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zitrone_heda.jpgIn der Süddeutschen Zeitung (leider nicht online) macht sich heute Jutta Göricke Gedanken zum Verhältnis von Kunst- und Bildwissenschaften.

Die Veränderungen der Kunstgeschichte illustriert sie mit einem gelungenen Bild. Lang ist es her, dass man Stilleben nur als Zeichen der Vanitas gelesen hat, der Eitelkeit und Vergänglichkeit. Heute zählt auch dort eher Curiositas, die Neugier, und die abgeschälte Zitronenschale zieht gedanklich in die Anatomischen Theater ein.
Vielleicht ginge es auch noch etwas gegenwärtiger, war doch die Zitrone Handelsgut in Amsterdam, dem Zentrum nicht nur der Stillebenmalerei, sondern auch des globalen Handels , wo die ersten Börsen ihre Höhenflüge und Kursstürzen erlebten.

Die Kunstgeschichte, so Göricke, droht
in drei Lager zu zerbrechen: das der Traditionalisten, die sich um Stil und Provenienzen kümmern, das der historischen Avantgardisten, die den Interpretationsrahmen von Kunstwerken um Naturwissenschaften in die Technikgeschichte erweitern, und das der ahistorischen Bildwissenchaften, die keinen Unterschied mehr machen zwischen der Venus von Botticelli und der Ultraschallaufnahme eines Oberbauchs. Diesen Beitrag weiterlesen »