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	<title>Iconic Turn</title>
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	<description>Neues aus den Bildwissenschaften</description>
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		<title>Die Bedeutung der Bilder</title>
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		<pubDate>Mon, 11 Apr 2011 15:27:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernd Hoelzner</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Rund 200 Gäste aus Kultur und Wissenschaft, Politik und Wirtschaft trafen sich am Sonntagabend (10. April 2011) beim Fundraising-Dinner der Freunde der Universität Mainz, um den Inhaber der 12. Johannes-Gutenberg-Stiftungsprofessur zu begrüßen: Prof. Dr. Gottfried Boehm. Die Laudatio auf den Stiftungsprofessor hielt der Medienunternehmer und promovierte Kunsthistoriker Dr. Hubert Burda. Beide verbindet die wissenschaftliche Auseinandersetzung [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Rund 200 Gäste aus Kultur und Wissenschaft, Politik und Wirtschaft trafen sich am Sonntagabend (10. April 2011) beim Fundraising-Dinner der Freunde der <a href="http://www.uni-mainz.de/index.php">Universität Mainz</a>, um den Inhaber der 12. Johannes-Gutenberg-Stiftungsprofessur zu begrüßen: <a href="http://lectures.iconic-turn.de/iconicturn/autoren/?tx_aicommhbslectures_pi1%5BshowUid%5D=14&amp;cHash=2a78a7251d">Prof. Dr. Gottfried Boehm</a>. Die Laudatio auf den Stiftungsprofessor hielt der Medienunternehmer und promovierte Kunsthistoriker <a href="http://www.hubertburda.de/2005/02/vita.html">Dr. Hubert Burda</a>. Beide verbindet die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem „Iconic Turn“.</p>
<div class="wp-caption alignnone" style="width: 490px"><img title="Beim Fundraising-Dinner in Mainz" src="http://p4.focus.de/img/gen/1/6/HB16W4XJ_Pxgen_r_1100xA.jpg" alt="Gastgeber und Gäste in Mainz: Klaus Adam, Markus Schächter, Hubert Burda, Gottfried Boehm und Georg Krausch" width="480" height="328" /><p class="wp-caption-text">Gastgeber und Gäste in Mainz: Klaus Adam, Markus Schächter, Hubert Burda, Gottfried Boehm und Georg Krausch</p></div>
<p>„Die Macht und die Bedeutung der Bilder – der Iconic Turn – dieser Begriff ist mit Gottfried Boehm zum ersten Mal in Umlauf gebracht worden“, so Dr. Burda. „Boehm hat entscheidende Impulse zur Entstehung einer neuen Bildwissenschaft gegeben. Denn die Macht der Bilder ist hochaktuell. Nach Jahrhundertlanger Prägung unserer Kultur durch Schrift und Text ist nun die visuelle Kommunikation wieder in den Vordergrund gerückt.“</p>
<p>Dr. Burda ging an diesem Abend auch auf <a href="http://www.iconicturn.de/2010/12/zehn-kapitel-zum-iconic-turn/">sein Buch zu diesem Thema</a> ein: „In Medias Res &#8211; Zehn Thesen zum Iconic Turn“. Hier spannt er den Bogen von der Erfindung des Kupferstichs bis hin zur Digitalisierung und den damit verbundenen fundamentalen Umwälzungen in der Gesellschaft und ihrer Kommunikation. „Die heutigen Wunderkammern sind nicht mehr die von Dresden, sondern das sind Google und Facebook“, so Dr. Burda.</p>
<p>Die Vorlesung von Prof. Gottfried Boehm findet ab 3. Mai 2011 immer dienstags um 18.15 Uhr im Hörsaal RW 1 der Universität Mainz statt.</p>
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		<title>Zehn Kapitel zum Iconic Turn</title>
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		<pubDate>Fri, 17 Dec 2010 15:08:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernd Hoelzner</dc:creator>
				<category><![CDATA[Reviews]]></category>
		<category><![CDATA[Bildwissenschaft]]></category>
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		<category><![CDATA[in medias res]]></category>
		<category><![CDATA[Kunstgeschichte]]></category>

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		<description><![CDATA[Hubert Burda hat in Zusammenarbeit mit namhaften Experten wie dem Philosophen Peter Sloterdijk und dem Ästhetikprofessor Bazon Brock ein weiteres Buch zum &#8220;Iconic Turn&#8221; herausgebracht. Am 9. November präsentierte der Verleger In Medias res &#8211; Zehn Kapitel zum Iconic Turn an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe.

„Herr Burda, Sie sind ein ‚embeded arthistorian&#8217; der sich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.hubertburda.de/">Hubert Burda</a> hat in Zusammenarbeit mit namhaften Experten wie dem Philosophen <a href="http://lectures.iconic-turn.de/iconicturn/autoren/?tx_aicommhbslectures_pi1%5BshowUid%5D=5&amp;cHash=7849282778">Peter Sloterdijk</a> und dem Ästhetikprofessor <a href="http://lectures.iconic-turn.de/iconicturn/autoren/?tx_aicommhbslectures_pi1%5BshowUid%5D=20&amp;cHash=d5119c9331">Bazon Brock</a> ein weiteres Buch zum &#8220;Iconic Turn&#8221; herausgebracht. Am 9. November präsentierte der Verleger <a href="http://www.fink.de/katalog/titel/978-3-7705-5125-5.html">In Medias res &#8211; Zehn Kapitel zum Iconic Turn</a> an der <a href="http://www.hfg-karlsruhe.de/">Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe</a>.</p>
<p><object classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="470" height="289" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><param name="src" value="http://www.youtube.com/v/cJzndckJ42I?fs=1&amp;hl=de_DE" /><param name="allowfullscreen" value="true" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="470" height="289" src="http://www.youtube.com/v/cJzndckJ42I?fs=1&amp;hl=de_DE" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></object></p>
<p>„Herr Burda, Sie sind ein ‚embeded arthistorian&#8217; der sich in unternehmerischen Kreisen bewegt&#8221;, führte Professor <a href="http://lectures.iconic-turn.de/iconicturn/autoren/?tx_aicommhbslectures_pi1%5BshowUid%5D=29&amp;cHash=f799bde2fa">Wolfgang Ullrich</a> in die Diskussion ein. „Ihr Buch ist die kondensierte Darstellung einer lebenslangen Beschäftigung&#8221;, ergänzte Kunsthistoriker <a href="http://lectures.iconic-turn.de/iconicturn/autoren/?tx_aicommhbslectures_pi1%5BshowUid%5D=11&amp;cHash=8e4c932d3f">Horst Bredekamp</a>. Seit Jahren geht Burda der Frage nach, wie die Digitalisierung die Bedeutung von Bildern für die Gesellschaft verändert hat. „Iconic Turn&#8221; bedeutet in diesem Zusammenhang soviel wie eine Wende bei der Wahrnehmung von Bildern.</p>
<p>„Wo immer sich Kommunikation verändert, verändern sich die Fundamente der Gesellschaft&#8221;, schreibt Burda auch in seinem Buch. Durch Gutenbergs Erfindung des Buchdrucks hatte eine Wende in der Kommunikation der Menschen stattgefunden, Bücher waren kein Statussymbol mehr, sondern der breiten Masse zugänglich.</p>
<p>Auch die Erfindung des Kupferstichs durch Martin Schongauer ließ einen Ruck durch die Welt gehen, so waren Gemälde nicht mehr nur an einen Platz gebunden, durch Replikationen konnte die ganze Welt daran Teil haben. Auch Innovationen wie die Fotographie und der Film veränderten die Kommunikation in der Welt maßgeblich. Das volle Ausmaß der Veränderungen, die die Digitalisierung mit sich bringt, wird sich erst zeigen.</p>
<p><a href="http://www.fink.de/katalog/titel/978-3-7705-5125-5.html" target="_blank"><img class="alignleft" title="Hubert Burda: In medias res" src="http://www.fink.de/typo3temp/pics/cd3853b6da.jpg" alt="" width="196" height="260" /></a>„Wir leben in einer Zeit des Umbruchs&#8221;, erklärte Hubert Burda bei der Buchpräsentation: „Man muss sich damit beschäftigen, wie neue Bilder entstehen.&#8221; Denn durch die Digitalisierung habe sich die Welt rasant verändert: Bilder werden schnell, gezielt und großräumig verbreitet. Die Geltung der visuellen Kommunikation nimmt merklich zu. Doch was sind Bilder eigentlich? Welche Funktion erfüllen sie in ihren jeweiligen Kontexten? Und wie hat sich die Wahrnehmung durch den „Iconic Turn&#8221; verändert?</p>
<p>Mit diesen und vielen weiteren Fragen befasst sich das jüngste Buch des Verlegers. Und diese Fragen wurden auch in Karlsruhe mit den Gastautoren <a href="http://lectures.iconic-turn.de/iconicturn/autoren/?tx_aicommhbslectures_pi1%5BshowUid%5D=2&amp;cHash=235bae6e93">Hans Belting</a>, <a href="http://lectures.iconic-turn.de/iconicturn/autoren/?tx_aicommhbslectures_pi1%5BshowUid%5D=11&amp;cHash=8e4c932d3f">Horst Bredekamp</a>, <a href="http://lectures.iconic-turn.de/iconicturn/autoren/?tx_aicommhbslectures_pi1%5BshowUid%5D=20&amp;cHash=d5119c9331">Bazon Brock</a>, <a href="http://lectures.iconic-turn.de/iconicturn/autoren/?tx_aicommhbslectures_pi1%5BshowUid%5D=19&amp;cHash=b7f6799071">Friedrich Kittler</a> und <a href="http://lectures.iconic-turn.de/iconicturn/autoren/?tx_aicommhbslectures_pi1%5BshowUid%5D=5&amp;cHash=7849282778">Peter Sloterdijk</a> diskutiert. Hubert Burda hat das Buch seinem Sohn Felix gewidmet. „Er hat mich als Erster im Herbst 1990 auf die Bedeutung der digitalen Kommunikation und der elektronischen Wissenbibliotheken hingewiesen&#8221;, schreibt er in seiner Widmung. „Mit ihm habe ich, sei es in München, New York oder Seattle, in den 90er-Jahren begonnen, Gespräche über den Iconic Turn zu führen.&#8221; Felix Burda war nach seinem Tod 2001 auch die Vortragsreihe zum „Iconic Turn&#8221; von 2002 bis 2003 an <a href="http://www.uni-muenchen.de/index.html">Ludwig-Maximilians-Universität (LMU)</a> in München gewidmet.</p>
<p>_______</p>
<p><strong>Weitere Links zur Medienberichterstattung:</strong></p>
<p><a href="http://www.faz.net/s/RubCC21B04EE95145B3AC877C874FB1B611/Doc~E003DAE8BC9784877AD711BE39B3F8884~ATpl~Ecommon~Scontent.html">&#8220;Die kleinen Dinge lösen große Medienrevolutionen aus&#8221; &#8211; Ein Gespräch zwischen Hubert Burda und Peter Sloterdijk</a> (FAZ, 8. Nov. 2010)</p>
<p><a href="http://www.welt.de/print/die_welt/kultur/article10863152/Bilder-rascheln-nicht.html">&#8220;Bilder rascheln nicht&#8221; &#8211; Hubert Burda diskutiert mit Peter Sloterdijk und Bazon Brock über den &#8220;Iconic turn&#8221;</a> (Die Welt,  11. Nov. 2010)</p>
<p>_______</p>
<p><a href="http://www.fink.de/katalog/titel/978-3-7705-5125-5.html">Hubert Burda: In medias res. Zehn Kapitel zum Iconic Turn.</a> Mit Beiträgen von Friedrich Kittler, Peter Sloterdijk, Bazon Brock, Horst Bredekamp und Hans Belting. EUR 29,80</p>
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		<title>Die Rolle des „decorum“ für die Emotionserzeugung</title>
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		<pubDate>Fri, 19 Mar 2010 18:14:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sh</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>

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		<description><![CDATA[
Ein Workshop an der Schnittstelle von Kulturtheorie und Neuroforschung mit Wissenschaftlern des Epilepsiezentrums Zürich, der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe und der Hochschule der Künste in Zürich widemte sich im November 2009 der Darstellung von Zusammenhängen zwischen dem „decorum“ Effekt und dem Mediensystem der westlichen Kultur. Unter den Teilnehmern waren Hubert Burda, Heiner Mühlmann, Thomas Grunwald, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><!-- 		@page { margin: 2cm } 		P { margin-bottom: 0.21cm } --></p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Ein <a href="http://www.hubert-burda-stiftung.de/de/stiftung/kulturtheorie-undneuroforschung/">Workshop</a> an der Schnittstelle von Kulturtheorie und Neuroforschung mit Wissenschaftlern des Epilepsiezentrums Zürich, der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe und der Hochschule der Künste in Zürich widemte sich im November 2009 der Darstellung von Zusammenhängen zwischen dem „decorum“ Effekt und dem Mediensystem der westlichen Kultur. Unter den Teilnehmern waren Hubert Burda, Heiner Mühlmann, Thomas Grunwald, Martin Kurthen, Wolfgang Ulrich, Gerhard Blechinger und Christa Maar.<span id="more-541"></span></p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Wolfgang Ulrich sprach zu Konsumprodukten als Massenmedien und Massenmedien als „decorum“ Instanzen.</p>
<blockquote>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Am Beispiel des Verpackungsdesigns von Dusch-Gels wird der mediale Charakter westlicher Konsumprodukte analysiert: Durch das Zusammenspiel von „visuellen Artefakten“ (Verpackung) und Olfaktion (Geruchswahrnehmung) werden psychologische Konditionierungen möglich, die einen optimierenden Einfluss auf die subjektive Wahrnehmung von Gruppenerlebnissen haben. Der „decorum“ Effekt zielt in diesem Fall auf das Erkennen und Generieren von Zielgruppen, deren innere Organisation aus einem temporären Tribalismus besteht. Dafür werden auf rudimentäre Weise die Techniken der Enkulturierung bzw. Gedächtnisbeeinflussung benutzt, wobei die intensive Wirkung der Geruchswahrnehmung auf das Gedächtnis mit einkalkuliert wird. Die Beeinflussung des Körpergeruchs durch den Duft eines bestimmten Duschgels hat eine vorbereitende Funktion für die eigene Integration in Gruppenereignisse. Die Duftwirkung wird durch die Verpackungsform verstärkt. So können Duschgels für Frauen z. B. vegetabilische, an Blüten erinnernde, die für Männer eher phallische Formen haben. Der „decorum“ Effekt besteht darin, dass er das „Passen“ von Geruch und Verpackung zum Benutzer und zu der an dem Ereignis beteiligten Gruppe vorweg nimmt. Vom „decorum“ System gehen Schlüsseleffekte der Enkulturierung aus. Die Pass-Regel des „decorum“ bedeutet: „Alle Beteiligten müssen es cool finden.“</p>
</blockquote>
<p>Heiner Mühlmann untersuchte das „decorum“ als eine cross-media Technik.</p>
<blockquote><p>Relevanz lässt sich nicht allein vom Gehirn oder Körper aus bestimmen. Sie setzt vielmehr den Bezug des Organismus auf die physikalische, biologische und soziokulturelle Umwelt voraus. Eine Disziplin zur Relevanzerkennung ist die Rhetorik. Sie arbeitet mit einer Bewertungsskala, die aus der Skalierung zwischen „erhaben“ (high-ranking) und „niedrig“ (low-ranking) resultiert. Diese Rankingskalierung wird in der klassischen Tradition der westlichen Kultur als „decorum“ bezeichnet. Es handelt sich um eine Technik, in der Ranking-Erkennung (ranking interference) und „decorum“ Äquivalente sind.<br />
Der „decorum“ Effekt erzeugt Feldstrukturen, mit deren Hilfe mehrere gleichzeitig aktive Medien parallel geschaltet werden. Für die westliche Kultur sind seit jeher crossmediale Simultaneffekte bezeichnend. Bereits in der griechischen Antike werden Musik, Szenographie und Rhetorik parallel geschaltet; im Schauspiel wirken Inszenierung, Schauspielkunst und Bühnenbild zusammen. Wenn mehrere Medien gleichzeitig aktiv sind, stellt sich die Frage, ob es eine unterschiedliche Präsenzintensität gibt. Ein Beispiel aus der Orestie des Aischylos belegt, dass die Stärke der erzeugten Emotion nicht notwendig an die Präsenzintensität gekoppelt ist: Auf der Bühne berichtet Klytemnestra mit ausschließlich rhetorischen Mitteln über den Mord, den sie soeben an ihrem Ehemann Agamemnon begangen hat. Der Zuschauer sieht den Mord nicht, denn dieser hat im Off stattgefunden. Die Medien, die hier die stärkste Präsenz haben, sind die Szenographie und die Rhetorik. Doch sind nicht sie es, die die starke Emotion im Zuschauer bewirken. Die Tatsache, dass er die Mordschilderung hört, die Tat selbst aber nicht sieht, bewirkt eine Effizienzsteigerung der emotionalen Wirkung der Erzählung. Daraus lässt sich die Regel ableiten: Stelle die stärkste Emotion im präsenzschwächsten Medium dar. Résumé: Optimierungen von emotionaler Enkulturierung werden durch kulturelle Emotionstechniken bewirkt.</p></blockquote>
<p>Thomas Grunwald undMartin Kurthen berichteten von der Beziehung zwischen Epilepsiechirurgie und experimenteller Rhetorik.</p>
<blockquote><p>Epilepsien zählen zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen. Sie sind in der Regel gut behandelbar, doch muss die Epileptologie sich zwingend neurowissenschaftlich mit Prozessen der emotionalen und sozialen Kognition und des Gedächtnisses befassen, um mögliche neurologische und neuropsychologische Behandlungskomplikationen zu minimieren. Untersuchungen an Epilepsiepatienten haben gezeigt, dass der Hippocampus als „Tor zum Gedächtnis“ fungiert. Er unterstützt die sprachliche Erinnerung und ist an der semantischen Verarbeitung von Bildern im Gehirn beteiligt. Sowohl für das verbale wie das visuelle Gedächtnis ist es entscheidend, dass der Hippocampus auf die Neuheit wahrgenommener Stimuli reagiert. Vieles Neue ist irrelevant. Die Bedeutung von Emotionen für das Gedächtnis spricht dafür, dass die „Neuheits-Detektion“ des Hippocampus eine spezielle Variante einer „Relevanz-Detektion“ darstellt. Die kulturellen Regelsysteme des „decorum“ werden auf folgende Weise hirnrelevant: Decorum-Routinen werden in der kulturellen Umwelt erzeugt und dann in die biologischen Gedächtnisse eingespeichert (Enkulturierung). Dabei wird entsprechend der Tradition der westlichen Kultur in „wichtig“ und „unwichtig“ unterschieden (Relevanz-Detektion) und Wichtiges durch das Gebot und Unwichtiges durch das Verbot der Emotionserzeugung markiert.<br />
Die Schwierigkeit für die Neurowissenschaft besteht darin, dass Relevanz sich nicht allein vom Gehirn oder Körper aus bestimmen lässt sondern den Bezug des Organismus auf die physikalische, biologische und sozio-kulturelle Umwelt voraussetzt. Neurowissenschaftliche Methoden erlauben aber nur Aussagen darüber, was das Gehirn daraus macht. Man kann sich als Neurowissenschaftler aber eine kulturelle Technik wie die Rhetorik zunutze machen, die sich darum kümmert, wie man etwas relevant werden lässt bzw. wie man Relevantes angemessen kommuniziert. Erste gemeinsame Untersuchungen von Neurowissenschaft und Rhetorik haben gezeigt, dass es sich auszahlt, wenn die Neurowissenschaft der Rhetorik Fragen stellt statt sie erklären zu wollen. Umgekehrt kann die Rhetorik neurowissenschaftlich und klinisch relevant werden, wenn sie sich den Kriterien des Experiments stellt.</p></blockquote>
<p>Zusammefassend wurde festgehalten, dass die Optimierungen von Enkulturierungstechniken Schlüsselfunktionen kultureller sowohl wie politischer Strategien darstellen. Dies gilt im Mikrobereich für das Erkennen und Generieren von Zielgruppen durch die Erzeugung von temporärem Tribalismus ebenso wie im Makrobereich für den politischen Einsatz solcher Techniken. Die Lenkbarkeit von Enkulturierungsdynamiken stellt das wichtigste Gegengewicht zur „Blindheit“ ethno-kulutreller Bevölkerungsdynamik und zu den Risiken militärstrategischer Geopolitik dar. Im übrigen haben die Diskussionsbeiträge von Hubert Burda deutlich gemacht, dass den Medien großer Verlagshäuser eine wichtige Funktion zukommt, was die quantitative Akkumulierung praktischen Wissens über Kultur angeht. Daran muss sich die Kulturforschung messen.</p>
<p>______________</p>
<p>Zu den Teilnehmern:</p>
<p><strong>Prof. Dr. Dr. Thomas Grunwald</strong><br />
Leitender Arzt Neurophysiologie, Epilepsie-Zentrum Zürich</p>
<p>Studium der Phonetik, Germanistik und Anglistik in Marburg, Edinburgh und Köln. Promotion zum Dr. phil. 1982. Wissenschaftliche Tätigkeit im Bereich der Aphasiologie, dann Studium der Humanmedizin in Bonn. Promotion zum Dr. med. 1990. Seit 1990 klinische Ausbildung und Tätigkeit am Universitätsklinikum Bonn in den Arbeitsbereichen Neurologie, Psychiatrie und Epileptologie. 1995 Facharzt für Neurologie. Von 1995 bis 2002 Oberarzt der Universitätsklinik für Epileptologie, Bonn. 2001 Habilitation für das Lehrgebiet der Neurologie mit einer Arbeit über Funktionen des Hippocampus. Seit 2002 Leitender Arzt der Abteilung für klinische Neurophysiologie am Schweizerischen Epilepsie-Zentrum in Zürich. Schwerpunkte der klinischen und wissenschaftlichen Arbeit: klinische Neurophysiologie und prächirurgische Epilepsiediagnostik, kognitive Neurophysiologie.</p>
<p><strong>Prof. Dr. Martin Kurthen</strong><br />
geboren 1959, studierte Humanmedizin in Bochum und Bonn. Nach der Promotion 1985 arbeitete er zunächst in der Klinik für Neurochirurgie der Universität Bonn. Nach einigen Jahren vornehmlich diagnostischer und wissenschaftlicher Tätigkeit in der dortigen Arbeitsgruppe für Neurophysiologie und Neuropsychologie habilitierte er sich 1992 zuerst für das Lehrgebiet «Klinische Neuro psychologie». Nach weiterer klinischer Tätigkeit in den Kliniken für Epileptologie, Neuro logie und Psychia trie der Universität Bonn erwarb er Anfang 1997 die Facharztanerkennung für Neurologie. Seither war er als Oberarzt an der Klinik für Epileptologie der Universität Bonn tätig. 1997 wurde er zum ausserplanmässigen Professor für Neurologie und Klinische Neuropsychologie ernannt.<br />
Schwerpunkte seiner klinischen Arbeit waren in Bonn die prächirurgische Epilepsiediagnostik und die medikamentöse Einstellung von PatientInnen mit schwer behandelbaren Epilepsien. In seiner wissenschaftlichen Arbeit hat er sich vor allem mit modernen Verfahren der prächirurgischen pilepsiediagnostik sowie mit den kognitiven Aspekten fokaler Epilepsien und dem klinischen Langzeitverlauf nach konservativer und chirurgischer Epilepsiebehandlung befasst.</p>
<p><strong>Prof. Dr. Heiner Mühlmann</strong><br />
Kulturtheoretiker, Professor für Rhetorik, hgkz, Zürich, HfG Karlsruhe<br />
1938 geb. in Regensburg</p>
<p>Studium der Kunstgeschichte und Philosophie in Köln, Paris, Rom und München. Forschungsarbeit insbesondere auf dem Gebiet der Rechts- und Kunstphilosophie im Frankreich des 16. und 17. Jahrhunderts.<br />
Heiner Mühlmann wurde in München promoviert mit einer Arbeit über &#8220;Humanistische Rhetorik und Rechtsphilosophie bei Leon Battista Alberti&#8221;. Lohn dieser Arbeit waren nicht nur Forschungsstipendien der Deutschen Forschungsgemeinschaft, die er nicht zuletzt für naturwissenschaftliche Studien nutzte, sondern auch Lehraufträge an der Universität Paris VII. Bei Bazon Brock habilitierte er sich in Wuppertal mit Überlegungen zu &#8220;Katastrophentheorie, Graphentheorie und Architektur&#8221;, die ihm bald eine außerplanmäßige Professur an der Universität Wuppertal eintrugen. Er lehrte auch an der Universität Münster, am Pariser Collège International de Philosophie. Heiner Mühlmann ist heute ordentlicher Professor am Institut für Design und Technologie an der Zürcher Hochschule der Künste und Gastprofessor an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe. Er ist Mitgründer des neuroanthropologischen Forschungsprojekts TRACE in Zürich, in der sich eine interdisziplinäre Gruppe von Wissenschaftlern, Philosophen und Künstlern für die neurowissenschaftliche Gedächtnisforschung engagiert.</p>
<p><strong>Prof. Dr. Wolfgang Ullrich</strong><br />
Professor für Kunstwissenschaft und Medientheorie<br />
Geb. 1967 in München.<br />
1986-1994 Studium der Philosophie, Kunstgeschichte, Wissenschaftstheorie und Germanistik. Magisterarbeit über Richard Rorty. Promotion mit einer Dissertation über das Spätwerk Martin Heideggers.<br />
1992 Eike-Schmidt-Preis für Essayistik.<br />
Seit 1994 freiberuflich tätig als Autor, Dozent, Berater.<br />
Publikationen zu Geschichte und Kritik des Kunstbegriffs, modernen Bildwelten und bildsoziologischen Fragen sowie zu Wohlstandsphänomenen.<br />
Mehrere Bücher bei den Verlagen Klaus Wagenbach (Berlin) und S. Fischer (Frankfurt/Main) (siehe Bibliographie).<br />
Zahlreiche Lehraufträge (u. a. Pädagogische Hochschule Ludwigsburg, Universität Halle, Universität Hamburg, Mozarteum Salzburg, Hochschule für Gestaltung Karlsruhe, Universität St. Gallen).<br />
Beratung u. a. von Volkswagen AG, KarstadtQuelle AG, Red Bull, Swarovski.<br />
1997-2003 Assistent am Lehrstuhl für Kunstgeschichte der Akademie der Bildenden Künste München.<br />
2003f. Gastprofessor für Kunstwissenschaft an der Hochschule für bildende Künste Hamburg.<br />
2004f. Gastprofessor für Kunstwissenschaft und Medientheorie an der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe.<br />
2006f. Vertretungsprofessor für Kunstwissenschaft und Medientheorie an der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe.</p>
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		<title>Klima visualisiert</title>
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		<pubDate>Thu, 17 Dec 2009 15:31:47 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Klima]]></category>
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		<description><![CDATA[Der Blog EagerEyes hat eine Reihe von Klimadaten, die das britische Meteorological Office zur Verfügung gestellt hat, in Bilder verwandelt. An den Charts, Karten und Diagrammen zeigt sich nicht nur anschaulich, was sich auf lange Sicht am Klima verändert, sondern auch, welche Zufallsfaktoren und Unregelmässigkeiten die Messreihen beeinflussen. Was auch immer in der Kälte von [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://eagereyes.org/data/a-look-at-climate-data"><img class="alignleft size-full wp-image-535" title="eagereyes-look-at-climate" src="http://www.iconicturn.de/wp-content/uploads/2009/12/eagereyes-look-at-climate.png" alt="eagereyes-look-at-climate" width="220" height="170" /></a>Der Blog <a href="http://eagereyes.org/">EagerEyes</a> hat eine Reihe von Klimadaten, die das britische <a href="http://www.metoffice.gov.uk/climatechange/science/monitoring/subsets.html">Meteorological Office</a> zur Verfügung gestellt hat, <a href="http://eagereyes.org/data/a-look-at-climate-data">in Bilder verwandelt</a>. An den Charts, Karten und Diagrammen zeigt sich nicht nur anschaulich, was sich auf lange Sicht am Klima verändert, sondern auch, welche Zufallsfaktoren und Unregelmässigkeiten die Messreihen beeinflussen. Was auch immer in der <a href="http://en.cop15.dk/">Kälte von Kopenhagen</a> beschlossen wird, die Daten und Bilder weisen in eine eindeutige Richtung.</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Wende wiederkehr Turn: Doris Bachmann-Medick interviewt von Springerin</title>
		<link>http://www.iconicturn.de/2009/12/wende-wiederkehr-turn-doris-bachmann-medick-interview/</link>
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		<pubDate>Thu, 10 Dec 2009 19:54:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sh</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>

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		<description><![CDATA[Die österreichische Kunstzeitschrift Springerin widmet sich in der jüngsten Ausgabe dem Thema &#8220;Wende Wiederkehr&#8221;. Doris Bachmann-Modick, seit ihrem Buch &#8220;Cultural Turns&#8221; Fachfrau für Wenden (s. Interview auf Iconic-Turn 2006), hat per E-Mail Christian Höller auf eine Reihe von Fragen zum Thema geantwortet. Der Begriff des Turns bietet ihrer Ansicht etliche Vorteile, vor allem weil er [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-538" title="springerin_cover_2009_4_gr" src="http://www.iconicturn.de/wp-content/uploads/2009/12/springerin_cover_2009_4_gr.jpg" alt="springerin_cover_2009_4_gr" width="156" height="182" />Die österreichische Kunstzeitschrift <a href="http://www.springerin.at/de/">Springerin</a> widmet sich in der jüngsten Ausgabe dem Thema &#8220;Wende Wiederkehr&#8221;. Doris Bachmann-Modick, seit ihrem Buch &#8220;Cultural Turns&#8221; Fachfrau für Wenden (s. <a href="../2006/11/cultural-turns/">Interview auf Iconic-Turn 2006</a>), hat per E-Mail Christian Höller auf eine Reihe von Fragen zum Thema <a href="http://www.springerin.at/dyn/heft.php?id=61&amp;pos=1&amp;textid=2269&amp;lang=de">geantwortet</a>. Der Begriff des Turns bietet ihrer Ansicht etliche Vorteile, vor allem weil er beweglicher ist und nur thematisch fokussiert, ohne eine methodische Festlegung zu erzwingen.</p>
<blockquote><p>Zwingend ist die Bezeichnung Turn sicher nicht. Aber sie hat Vorteile. Denn damit lässt sich das Feld der kultur- und geisteswissenschaftlichen Forschung anders und offener als bisher strukturieren, ja geradezu »kartieren«. Es ist ein »mapping« entlang von Konzepten, die einen ausdrücklich interdisziplinären und interkulturellen Horizont eröffnen. Dagegen sind bisherige Einteilungen nach Forschungsrichtungen oder Theorieschulen wie Strukturalismus, Poststrukturalismus, Dekonstruktivismus usw. längst nicht so offen für interdisziplinäre und interkulturelle Gelenk- und Anschlussstellen.<span id="more-537"></span></p></blockquote>
<p>In älteren Ansätzen der Ethnographie und Soziologie findet sie dieses vergleichsweise untheoretische und interdisziplinäre Muster bereits vorgeprägt:</p>
<blockquote><p>Clifford Geertz hatte schon in den 1980er Jahren festgestellt, dass sich der »culture shift« in der sozialwissenschaftlichen Landschaft gerade über ein »blurring of genres« vollzieht.</p></blockquote>
<p>Dabei sieht sie den lingistic turn, mit dem der Begriff &#8220;turn&#8221; aufkam, keineswegs als Vorbild, sondern eher alsKontrapunkt für die darauffolgenden Wenden, die sich an der philosophischen Fixierung auf die Sprache abarbeiten.</p>
<blockquote><p>Eine ihrer Stärken liegt sicher darin, dass sie nach und nach die Vorherrschaft des Linguistic Turn, den ich als Megawende bezeichnen würde, aus den Angeln gehoben haben. Die weiteren Turns bringen nämlich eine Rückkehr des Verdrängten. Sie bedeuten eine Rückgewinnung von Dimensionen, die unter der Sprachfixierung des Linguistic Turn abhanden gekommen sind.</p></blockquote>
<p>Die vermeintliche Leichtigkeit des Begriffs Turn macht ihn aber auch anfällig für eine inflationäre Anwendung, die eine Wende nach dem anderen hervorgebracht hat.</p>
<blockquote><p>Was lässt sich gegen die inflationäre Inanspruchnahme des Begriffs unternehmen?<br />
<strong> </strong>In der Tat ist das Aufblähen des Diskurses gegenwärtig unübersehbar. Der Innovationsdruck im Drittmittelgeschäft macht sich darin bemerkbar, dass Forschungsfelder erst einmal besetzt und wie Copyrightwaren mit wohlklingenden Labels versehen werden – oftmals vage Forschungsversprechen.</p></blockquote>
<p>In die allzu offene Vielheit des Verwechselbaren will der Fragesteller den Begriff dann allerdings doch nicht entschwinden lassen. Seiner Ansicht nach gibt es neben bloß ergänzenden Wenden auch grundlegendere.</p>
<blockquote><p>Christian Höller: Beim Postcolonial Turn scheint dies gänzlich anders zu sein, da er dem Etablierten nicht nur etwas bislang Negiertes oder Unterdrücktes hinzufügt, sondern den ganzen konzeptuellen Apparat, auf dem die westliche Auseinandersetzung mit Kultur beruht, grundlegend in Frage stellt.</p></blockquote>
<p>Indem Doris Bachmann-Medick hier zustimmt, relativiert sie allerdings einige der Vorteile, die sie anfangs für den Begriff des Turns noch in Anspruch genommen hat:</p>
<blockquote><p>Hier haben die Postcolonial Studies grundlegender, ja erkenntniskritisch angesetzt – aber nicht nur diese, sondern auch die Gender Studies. Der ganze »konzeptuelle Apparat«, wie Sie sagen, wird hier zur Disposition gestellt. Die Perspektiven von Gender und Postkolonialismus ziehen dabei an einem Strang. Beide rücken nicht nur politisch brisante Themenfelder ins Licht. Darüber hinaus wirken sie als erkenntniskritische Analysekategorien, die traditionelle Grenzziehungen massiv infragestellen und im Ausgang von kolonialen sowie geschlechtsbezogenen und sexuellen Machtverhältnissen kulturspezifische Macht- und Hierarchiesysteme überhaupt aufdecken. Anders als andere Turns arbeiten sie an zwei Fronten: von der gesellschaftskritischen leiten sie eine erkenntniskritische ab.</p></blockquote>
<p>Später fügt sie hinzu, dass man deshalb beide Fälle eventuell nicht als Turns bezeichnen sollte:</p>
<blockquote><p>Sollte also die Genderkategorie gerade nicht zu einem Turn eingehegt werden, sondern vielmehr quer durch alle Turns hindurch die Kulturwissenschaften durchkreuzen? Und gilt dies nicht eigentlich auch für die postkoloniale Kritik? Dies wäre sicherlich ein weiterer interessanter Diskussionspunkt.</p></blockquote>
<p>Plötzlich ist man doch wieder zurück in der Welt der Schulen, die nicht ohne universellen Anspruch auskommen können. Wobei gerade der größte aller lebenden Universalisten, Alain Badiou, den übergreifenden Anspruch des Postcolonial- und des Gender-Turn vehement bestreiten würde. Badiou sieht etwa in der Zersplitterung der Theorien nach Interessengruppen nichts anderes als ihre Unterwerfung unter die Gesetze der Ökonomie, Futter &#8220;für merkantile Investitionen, wenn Frauen, Homosexuelle, Behinderte, Araber als fordernde Gemeinschaft und kulturelle Singularitäten auftreten.&#8221; (Alain Badiou, <em>Paulus. Die Begründung des Universalismus</em>, München 2002, S. 22.)</p>
<p>Am Ende scheint auch im Interview die methodische Strenge gegen die lose Kopplung der Turns zu obsiegen. Aber immerhin gelingt es Bachmann-Medick einen Weg aufzuzeichnen, der von den Metaphern der Wenden nicht etwa zurück zur Starrheit der Methode führt, sondern darüber hinaus zu kulturellem Handeln.</p>
<blockquote><p>Die Turns wären in ihrer Janusköpfigkeit von Konzepten und Methoden erst noch stärker auf ihr methodisches Vermögen hin auszuarbeiten. Wie kommt man von bloßen Konzepten (die leicht in theoretischer Unverbindlichkeit verbleiben) zu Methoden? Mit dieser entscheidenden Frage könnten die Turns wiederum Anschluss an die konkrete Arbeit in den Disziplinen oder an künstlerische Praktiken gewinnen – was mir entscheidend zu sein scheint. Denn die Kulturwissenschaften haben die Wirklichkeit lange genug interpretiert – es kommt nun darauf an, sich noch stärker als bisher in Wirklichkeitsbezüge hineinzuübersetzen.</p></blockquote>
<p>_________________________</p>
<p><a href="http://www.springerin.at/dyn/heft.php?id=61&amp;pos=1&amp;textid=2269&amp;lang=de">Turn Turn Turn</a>: Doris Bachmann-Medick im Email Interview mit Christian Höller. Springerin 04/2009, S. 18-24</p>
<p>Bild: Springerin Cover unter Verwendung des Bildes Kremlin Doppelgänger (2008)  von Anna Jermolaeva</p>
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		<title>Charles Kenny&#8217;s verkehrte Welt: Fernsehen, nicht Facebook regiert</title>
		<link>http://www.iconicturn.de/2009/11/charles-kennys-verkehrte-welt-fernsehen-nicht-facebook-regiert/</link>
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		<pubDate>Tue, 03 Nov 2009 14:13:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sh</dc:creator>
				<category><![CDATA[Autor]]></category>
		<category><![CDATA[Stefan Heidenreich]]></category>
		<category><![CDATA[Facebook]]></category>
		<category><![CDATA[Fernsehen]]></category>

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		<description><![CDATA[TV ist und bleibt die grösste Volksbewegung der Welt. Das behauptet Charles Kenny auf Foreign Policy, und sein Blick umfasst tatsächlich die Welt als Ganzes. Dort aus sieht einiges sehr anders aus als im heimeligen Deutschland, wo sich Beststeller-Philosoph Riachard Precht auf den Medientagen ebenso provinziell wie traditionell um die Fragmentierung der Öffentlichkeit sorgt.
Kenny nennt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-530" title="tv-katmandu- rpb1001" src="http://www.iconicturn.de/wp-content/uploads/2009/11/tv-katmandu-rpb1001.jpg" alt="tv-katmandu- rpb1001" width="220" height="205" />TV ist und bleibt die grösste Volksbewegung der Welt. Das behauptet Charles Kenny auf<a href="www.foreignpolicy.com/articles/2009/10/19/revolution_in_a_box?page=full"> Foreign Policy</a>, und sein Blick umfasst tatsächlich die Welt als Ganzes. Dort aus sieht einiges sehr anders aus als im heimeligen Deutschland, wo sich Beststeller-Philosoph Riachard Precht auf den <a href="http://www.medientage-muenchen.de/">Medientagen</a> ebenso provinziell wie traditionell um die Fragmentierung der Öffentlichkeit sorgt.</p>
<p>Kenny nennt viele Zahlen und erwähnt einige überraschende Seiteneffekte des Fernsehens. Das Fernsehen und nicht die vielgepriesenen Social Networks ist einer der großen Wachstumsmärkte weltweit. Unsere ganzanders gelagerte Wahrnehmung liegt daran, dass wir die andere Seite des digital Divide vergessen &#8211; Gebiete, in denen es weder Internet noch Strom, aber viele Menschen gibt. Dort sieht Kenny dank günstiger Stromversorgung ein Wachstums-Potenzial von 150 Millionen neuen TV-Haushalten bis 2013 &#8211; lange bevor das Netz ankommen wird.<span id="more-529"></span></p>
<blockquote><p>In the not-too-distant future, it is quite possible that the world will be watching 24 billion hours of TV a day &#8212; an average of close to four hours for each person in the world.</p></blockquote>
<p>Der Vormarsch des Fernsehen hat, so Kenny, einige nicht ganz unpolitische Seiteffekte.</p>
<blockquote><p>Simply giving a village access to cable TV, research by scholars Robert Jensen and Emily Oster has found, has the same effect on fertility rates as increasing by five years the length of time girls stay in school.</p></blockquote>
<p>So zweifelhaft der herbeigeforschte Zusammenhang von Schule, Fernsehen und Geburtenrate auch sein mag &#8211; Kenny weist darauf hin, dass Fernsehen vor allem in den Serien Rollenmodelle kinderarmer Mütter zeigt, die ihren Eindruck nicht verfehlen.<br />
Es wäre ein amüsanter absurder Gedanke, auch dieses Detail der verkehrten Welt auf Deutschland übertragen. Ließen sich doch die Probleme mit der Geburtenrate mit simpler TV-Abstinenz lösen.<br />
Auch sein Blick auf Öffentlichkeit läuft der deutschen zwangsgebühr-finanzierten Monokultur-Wunschphantasie doch sehr zuwider.</p>
<blockquote><p>The explosion of choice is loosening the grip of bureaucrats the world over, who in many countries have either run or controlled programming directly, or heavily regulated the few stations available.</p></blockquote>
<p>Für Kenny keine Frage. Eine wirkliche Öffentlichkeit entsteht gerade mit der Fragmentierung der Programme, die neue Gemeinschaften hervorbringt, nicht in ihrer staatlich geförderten Konzentration. Daher sein Ratschlag:</p>
<blockquote><p>But for the most part, politicians ought to be paying less attention to TV, not more. They shouldn&#8217;t be limiting the number of channels or interfering in the news. A vibrant, competitive television market playing Days of Our Lives or<br />
Días de Nuestras Vidas on loop might have a bigger impact even than well-meaning educational programs. And competition is critical to ensuring that television helps inform voters, not just indoctrinate them.</p></blockquote>
<p>Ob Soaps wirklich das Erziehungsmittel der Wahl sind, sei dahin gestellt. Hier schiesst Kenny wohl übers Ziel hinaus, wenn auch einer Ebene höher als Precht, der noch quasi staatmonopolistisch argumentiert, wenn er behauptet:</p>
<blockquote><p>dass eben außer den Öffentlich-Rechtlichen niemand die gewährte Chance hat, Öffentlichkeit herzustellen.</p></blockquote>
<p>Mangels öffentlich-rechtlicher Quelle zitiert nach Stefan Münkers <a href="http://www.perlentaucher.de/artikel/5824.html">Entgegnung</a>, der sich gegen solchen Unsinn wehrt. Die Erkenntnis, dass Fragmentierung gerade die Voraussetzung einer freien öffentlichen Meinung ist, war bei den Münchner Medientagen offenbar nicht gefragt. Kein Wunder angesichts der Lage, aber auch kein Lichtblick.<br />
_______________<br />
Foto rpb1001</p>
<p>http://www.flickr.com/photos/rpb1001/497368390/</p>
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		<title>Datamosh Vertov</title>
		<link>http://www.iconicturn.de/2009/09/datamosh-vertov/</link>
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		<pubDate>Mon, 28 Sep 2009 15:12:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sh</dc:creator>
				<category><![CDATA[Reviews]]></category>
		<category><![CDATA[Film]]></category>

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		<description><![CDATA[Leider nicht ins Netz gesetzt hat das Magazin Cargo einen Aufsatz von Ute Holl, in dem sich die Medienwissenschaftlerin über das Verhältnis vom Kino zum Netz ihre Gedanken macht.
Was Kino war und gewesen sein wird, zeigt sich in seiner Netzform deutlicher. Ein Medium verrät immer die Tricks eines anderen &#8211; und apropriiert sie, maskiert, als [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-527" title="datamoshing_kanyewest" src="http://www.iconic-turn.de/wp-content/uploads/2009/10/datamoshing_kanyewest.jpg" alt="datamoshing_kanyewest" width="230" height="162" />Leider nicht ins Netz gesetzt hat das Magazin <a href="http://www.cargo-film.de/">Cargo</a> einen Aufsatz von Ute Holl, in dem sich die Medienwissenschaftlerin über das Verhältnis vom Kino zum Netz ihre Gedanken macht.</p>
<blockquote><p>Was Kino war und gewesen sein wird, zeigt sich in seiner Netzform deutlicher. Ein Medium verrät immer die Tricks eines anderen &#8211; und apropriiert sie, maskiert, als seine eigenen.</p></blockquote>
<p>Das erinnert von fern an die Weisheit des Medienwissenschaftler Marshall McLuhan, dass neue Medien stets ihre alten Medien zum Inhalt haben.<br />
Dass Holl die Tricks des Kinos nun ausgerechnet an einem technizistischen kleinen Gimmick wie dem Datamoshing wiederfindet, ist mehr als erstaunlich.</p>
<blockquote><p>Das Datamoshing ist wohl die erste Technologie digitaler Filmbilder, die in die Struktur des Algorithmus als in die Struktur eines Materiellen der Bilder selbst eingreift.<span id="more-526"></span></p></blockquote>
<p>Von diesem Zuerst kann kaum die Rede sein, wird doch im digitalen Postprocessing seit langem grundsätzlich nichts anderes als eben das gemacht. Auch hört sich Struktur des Materiellen arg verschwurbelt an, den es handelt sich nun um nichts weiter als den Gebrauch jener Artefakte, die bei Videokomprimierung gleichsam standardmäßig entstehen. So erklärt es kein geringerer als David Oreilly, einer der Regisseure, die die Technik 2005 zum ersten Mal eingesetzt haben. Und er erklärt auch gleich kategorisch: <a href="http://www.davidoreilly.com/2009/02/datamoshing-is-so-over">Datamoshing is so over! </a></p>
<p>Interessanter wird es, wo Holl zu grundlegenderen Effekten des Internets kommt. Als eines seiner Prinzipien macht sie die Tatsache aus,</p>
<blockquote><p>dass Bilder sich von ihren Urheber/innen/n verabschieden, zu streunen anfangen, namenlos werden, promisk. Filme im Netz sind kopiert, zerteilt, zerrissen, gemischt, prinzipiell, ohne Vor- und Abspänne.</p></blockquote>
<p>Das ist alles nur richtig und wäre interessant, weiter zu bedenken – im Hinblick auf den Tod des Autoren, Formate, Sehgewohnheiten etc. &#8211; aber anstatt den Gedanken weiter zu verfolgen, kehrt sie mit einem Salto Rückwärts zu den ewig gleichen Avantgardisten zurück, die immer und immer wieder bemüht werden, wenn sich im Kino etwas Neues ankündigt &#8211; Eisenstein und Vertov. Als hätten ihre Experimente schon immer vorweg genommen, was sich außerhalb des Kinos je ergeben könnte. So wird, was  im Netz über das Kino und auch das Kino-Auge hinausgehen könnte, gedanklich zurückbugsiert in den heimeligen filmphilologischen Raum, dessen gedankliche und visuelle Grenzen die Avantgarde des Kinos einst abgesteckt hat.</p>
<p>Bild: www.boardsmag.com/articles/magazine/20090401/datamoshing.html</p>
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		<title>Tom Holert über Visual Culture</title>
		<link>http://www.iconicturn.de/2009/09/tom-holert-uber-visual-culture/</link>
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		<pubDate>Fri, 18 Sep 2009 13:09:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sh</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>

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		<description><![CDATA[Tom Holert hat einen lesenswerten Artikel über die im Disziplin Visual Cultures geschrieben.
Während man in Deutschland noch etwas provinziell um den Aufbau der hiesigen Bildwissenschaften ringt,  gibt es das Fach Visual Cultures in Amerika und England schon seit Jahrzehnten – mit Themen und Theorien, die von dem, was hierzulande diskutiert wird, wenig zu tun haben. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.akbild.ac.at/Portal/studium/institute/kunst-und-kulturwissenschaften/lehrende/akbild_group.2009-07-16.8134339770/displayCard?DBID=C5010BA37EBFDCF6&amp;backurl=http://www.akbild.ac.at/Portal/studium/institute/kunst-und-kulturwissenschaften/lehrende/akbild_group.2009-07-16.8134339770/group_display"><img class="alignleft size-full wp-image-522" title="nbc_westwing" src="http://www.iconic-turn.de/wp-content/uploads/2009/10/nbc_westwing.jpg" alt="nbc_westwing" width="240" height="140" />Tom Holert</a> hat einen lesenswerten Artikel über die im Disziplin Visual Cultures geschrieben.<br />
Während man in Deutschland noch etwas provinziell um den Aufbau der hiesigen Bildwissenschaften ringt,  gibt es das Fach Visual Cultures in Amerika und England schon seit Jahrzehnten – mit Themen und Theorien, die von dem, was hierzulande diskutiert wird, wenig zu tun haben. In Deutschland regiert noch das Modell der althergebrachten Geisteswissenschaften, ob als Wasserkopf an Methodenreflexion oder Werkinterpretation im Geist der Kunstgeschichte.<br />
Holert holt lang aus, um deutlich zu machen, wie wichtig die Reflexion auf den eigenen Standpunkt ist, als beteiligter und nicht als distanzierter Beobachter. Das macht er mit einer amüsanten Wendung. Er outet sich als Fan der amerikanischen Serie <a href="http://www.nbc.com/The_West_Wing/">The West Wing</a>.</p>
<blockquote><p>Die multiplen Verstrickungen in die Textualitäten und Performativitäten der globalen visuellen Kultur sind unausweichlich. Dies zu erkennen und theoretisch zu bearbeiten ist &#8211; das wäre eine erste These &#8211; eine der zentralen Voraussetzungen dafür, eine politische, also kritisch-transformatives Verhältnis zu den Phänomenen und Prozessen der visuellen Kultur entwickeln zu können. <span id="more-521"></span></p></blockquote>
<p>Nicht schön zu lesen, aber gleichwohl im Argument verständlich fährt er fort:</p>
<blockquote><p>Um die inhärente Politizität dieser immer wieder neu zu begründenden Relationalität zu untersuchen, kann man beispielsweise von expliziten audiovisuellen Inszenierungen des Politischen ausgehen.</p></blockquote>
<p>Will heißen: wenn man verstehen will, wie Bilder ihre politische Bedeutung beim Beitrachten entfalten, bieten sich als Beispiel politische Nachrichten und deren Inszenierung an. Manchmal ist es wirklich grausam, wenn gute Denker ihre Leser und sich selbst mit einem schwer erträglichen Sprachwust quälen.</p>
<p>Aber weiter, denn Holerts Aufsatz ist gut und wird lesbarer, wo er sich den Visual Studies zuwendet.</p>
<blockquote><p>Visual Culture, so wie ich die produktivste Konzeption von Bildkulturwissenschaften begreife, ist eine Erweiterung und Vertiefung der Cultural Studies. Womöglich sehr viel mehr als die Kritik der Kunstgeschichte und anderer traditioneller Wissenschaften vom Bild ist es der visual turn, den die Cultural Studies schon in ihren Anfängen auf unterschiedliche Weise vollzogen haben, indem sie sich auf subjektivierende Praktiken des Sehens und des Zu-sehen-Gebens konzentrierten.</p></blockquote>
<p>Methodisch scheint ihm die Position des Forschenden ein Kernproblem zu sein.</p>
<blockquote><p>Das forschende Selbst wird methodisch einbezogen in den Prozess der kritischen Untersuchung, der <em>&#8217;studies</em>&#8216;. Es spielt mit, schreibt mit, eignet an.</p></blockquote>
<p>Methode mag man diese Haltung gerade eben noch nennen, aber Wissenschaft, die doch immer noch an einen Begriff der Wahrheit und also einer objektiven Haltung gekoppelt war, wohl kaum. Aber das würde auch im angelsächsischen Raum, wo Geisteswissenschaften nicht als Sciences gelten, niemand beanspruchen.</p>
<p>Holert zeichnet ausgehend von einer Ausgabe des Magazins October aus dem Jahr 1996 die Entstehung der Visual Studies nach, und hebt einige der Debatten hervor. So etwa den Angriff von James Elkins, der der Visual Culture vorwarf, zu sehr im allein Gegenwärtigen zu verhaftet zu sein, oder Mieke Bal&#8217;s Angriff, man würde dem Visuellen willkürlich und unbegründet einen Vorrang einzuräumen.<br />
Am Ende kommt Holert noch einmal auf die Position des Kulturwissenschaftlers zurück, indem er ihn mit der des <em>embedded journalist </em>beim Irak-Feldzug begreift. Ein besseres Argument gegen diese Position hätte er freilich nicht finden können, denn es stellte sich nur allzu deutlich heraus, dass die eingebetteten Beobachter weder ein Gesamtbild des Krieges und seiner Ursachen entwerfen, noch zwischen wirklichen und inszenierten Ereignissen unterscheiden konnten. Aber das sieht der Forscher im Sinn der Cultural Sstudies, der sich fast ethnographisch als teilnehmender Beobachter begreift, auch nicht als seine Aufgabe an.</p>
<p>Tom Holert: Regimewechsel. Visual Studies, Politik, Kritik. In: <a href="http://www.suhrkamp.de/buecher/bildtheorien-_29488.html">Klaus-Sachs Hombach: Bildtheorien.</a> 2009, 328-353</p>
<p>Bild: West Wing Quelle: http://www.nbc.com/The_West_Wing/</p>
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		</item>
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		<title>Ist Kunstgeschichte historische Bildwissenschaft &#8211; oder umgekehrt?</title>
		<link>http://www.iconicturn.de/2009/08/ist-kunstgeschichte-historische-bildwissenschaft-oder-umgekehrt/</link>
		<comments>http://www.iconicturn.de/2009/08/ist-kunstgeschichte-historische-bildwissenschaft-oder-umgekehrt/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 31 Aug 2009 13:06:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sh</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.iconic-turn.de/?p=512</guid>
		<description><![CDATA[Einmal mehr ging es beim diesjährigen Kunsthistorikertag um die Frage, wie sich die Kunstgeschichte zur Bildwissenschaft verhält. Und einmal mehr vertrat Bredekamp seine Position, dass Kunstgeschichte schon immer historische Bildwissenschaft gewesen sei. Astrit Schmidt-Burkhardt, Dozentin im Fach Kunstgeschichte an der Freien Universität in Berlin,  hat diese These kritisch kommentiert.
Was aber, wenn man diesen Satz paradigmatisch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-513" title="Allegorie-der-Malerei" src="http://www.iconic-turn.de/wp-content/uploads/2009/09/Allegorie-der-Malerei.JPG" alt="Allegorie-der-Malerei" width="200" height="368" />Einmal mehr ging es beim<a href="http://www.kunsthistoriker.org/kunsthistorikertag.html"> diesjährigen Kunsthistorikertag</a> um die Frage, wie sich die Kunstgeschichte zur Bildwissenschaft verhält. Und einmal mehr vertrat Bredekamp seine Position, dass Kunstgeschichte schon immer historische Bildwissenschaft gewesen sei. <a href="http://www.geschkult.fu-berlin.de/e/khi/mitarbeiter-gaeste/privatdoz/schmidt-burkhardt1/index.html">Astrit Schmidt-Burkhardt,</a> Dozentin im Fach Kunstgeschichte an der Freien Universität in Berlin,  hat diese These <a href="http://www.kunstgeschichte-ejournal.net/discussion/2009/schmidt-burkhardt/">kritisch kommentiert</a>.</p>
<blockquote><p><em>Was aber, wenn man diesen Satz paradigmatisch umdreht? Kippt mit der Behauptung ›Historische Bildwissenschaft war immer schon Kunstgeschichte‹ nicht vielleicht eine konsensfähige Doktrin?</em></p></blockquote>
<p>Tatsächlich befindet sich die Kunstgeschichte nach wie vor in einer Zwickmühle. Denn einerseits wurde eine große Anzahl von Bildern immer wieder aus dem Bereich der Kunst verbannt. Und andererseits beschränkt sich die Kunst unserer Gegenwart keineswegs mehr auf die Herstellung von Bildern. Die Begriffe <em>Kunst</em> und <em>Bild</em> meinen also keineswegs dasselbe. <span id="more-512"></span>Und daher ist die von Peter Geimer in Marburg geäußerte Ansicht, die jeweiligen Fächer würden sich ohnehin decken, nicht leicht nachzuvollziehen. Tatsächlich war es lange genug ein Desiderat, jene Bilder zu untersuchen, die dezidiert weder Kunst sein wollen, noch im allgemeinen dazu gerechnet wurden. Warum das aufzuholen nun ausgerechnet die alleinige Aufgabe jener Wissenschaft sein soll, die es lange genug versäumt hat, bleibt allerdings fragwürdig.  Die Anhänger Warburgs, zu denen Bredekamp zweifellos zu zählen ist, zeigen jedoch durchaus, wie die Kunstgeschichte in der Lage ist, zu Bildern jenseits der Grenzen der Kunst zu forschen.</p>
<p>Aber am Ende geht es bei dem Streit der allzu nahe liegenden Disziplinen auch einmal mehr um dasselbe, in den Worten von Astrid Schmidt-Burkhardt :</p>
<blockquote><p><em>es geht um Fachkompetenzen und um Wissenschaftspolitik und damit auch um den ungeteilten Zugriff auf Fördermittel, die schon immer knapp waren. Dies gilt umso mehr in Zeiten der Weltwirtschaftskrise.</em></p></blockquote>
<p>Der Konflikt wäre ganz einfach zu lösen, würde man das Fach in &#8220;Kunst- und Bildwissenschaft&#8221; umbenennen. Dazu wäre es freilich hilfreich, die Vertreter der Kunstgeschichte würden einsehen, das sie zwar die ersten Bildwissenschaftler waren, aber heute keineswegs allein stehen und kaum methodischen Vorrang beanspruchen können, was Forschung zum Gegenstand des Bildes betrifft.</p>
<p>___________</p>
<p>Bild: <a href="http://commons.wikimedia.org/wiki/File:2002.Allegorie_der_Malerei(Phantasie)-Auf_dem_Bild_dargestellt_die_Geschichte_der_Nymphe_Arethusa_durch_den_Flu%C3%9Fgott_Alpheios-Benckert-Steffen_Heilfort.JPG">Allegorie der Malerei</a> , Sanssouci &#8211; Foto Steffen Heilfort</p>
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		<title>Vom Kerbholz zu x &#8211; Ulrike Kregel: Bild und Gedächtnis</title>
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		<pubDate>Thu, 20 Aug 2009 11:55:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sh</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Philosophie]]></category>

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		<description><![CDATA[Dass das Erinnern und das bildliche Vorstellen etwas miteinander zu tun haben, muss man nicht lange erklären. Wie genau Gedächtnis und Bilder zusammenhängen, ist aber alles andere als geklärt. Die Medienwissenschaftlerin Ulrike Kregel hat zu dem Thema ein Buch geschrieben. In dem Band unternimmt sie allerdings einiges mehr als nur eine Theorie des Bildgedächtnisses. Denn [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-508" title="kerbholz" src="http://www.iconic-turn.de/wp-content/uploads/2009/09/kerbholz.jpg" alt="kerbholz" width="241" height="162" />Dass das Erinnern und das bildliche Vorstellen etwas miteinander zu tun haben, muss man nicht lange erklären. Wie genau Gedächtnis und Bilder zusammenhängen, ist aber alles andere als geklärt. Die Medienwissenschaftlerin Ulrike Kregel hat zu dem Thema <a href="http://ssl.einsnull.com/paymate/search.php?vid=5&amp;aid=2420">ein Buch</a> geschrieben. In dem Band unternimmt sie allerdings einiges mehr als nur eine Theorie des Bildgedächtnisses. Denn tatsächlich kommt sie zum Thema des Gedächtnisses erst auf Seite 155 von 270. <span id="more-507"></span>Der Rest, und das heißt der etwas größere Teil des Buches, geht ums ganz allgemeine, vom Begriff des Bildes über den des Mediums zu den damit verbundenen Theorien, die in ihren diversen und bekannten Verzweigungen über 70 Seiten vorgestellt werden. Von dort zurück zur Philosophie der Bilder von Platon bis zur deutschen Gegenwart bei Belting und Böhm. Das ganze ist nicht schlecht geschrieben und als Einführung in die Geschichte und den Stand der Bilddebatte recht brauchbar. Es wirft allerdings ein etwas seltsames Licht auf den Stand der Wissenschaft, wenn die Behandlung eines Detailthemas erst einen Vorlauf von150 Seiten Klärung über die theoretischen Grundlagen erfordert.<br />
Im Abschnitt zur Theorie des Gedächtnisses startet die Autorin das gleiche Spiel noch einmal von vorne, indem sie verschiedene Begriffe des Gedächtnisses durchdekliniert &#8211; natürliches vs. artifizielles, individuelles, kollektives, kommunikatives, kulturelles und soziales. Das macht das eigentlich zu einer Art von Lexikon, das einige Begriffe wie Geädchtnis, Medium und Bild klärt.</p>
<p>Der Schnittmenge von Bild und Gedächtnis, die man dem Titel zufolge als eigentlichen Inhalt des Buches erwartet hätte, sind gerade einmal 52 Seiten vorbehalten. Und auch dort finden wir das Fazit letztlich in der Redewendung vom x zum y, in Gestalt der Kapitelüberschrift &#8220;Vom Kerbholz zum digitalen Bild &#8211; das Bild als Gedächtnismedium &#8211; ein Kontinuum unserer Kultur&#8221;. Zum Glück sieht die Autorin nicht etwas eine ungebrochene Kontinuität am Werk, sondern sehr wohl eine Geschichte mit Sprüngen und Entwicklungen. Am Ende weiß man wahrscheinlich etwas mehr als zuvor, aber eine These jenseits der lexikalischen Zusammenfassung sucht der Leser in dem Band vergeblich.</p>
<p>______________</p>
<p><a href="http://ssl.einsnull.com/paymate/search.php?vid=5&amp;aid=2420">Ulrike Kregel: Bild und Gedächtnis. Kadmos-Verlag Berlin 2009. 24,90€</a></p>
<p>Bild:<a href="http://www.eml-r.org/GDR/punkt2.html"> eml-research</a></p>
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