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	<title>Iconic Turn</title>
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	<description>Neues aus den Bildwissenschaften</description>
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		<title>Die Rolle des „decorum“ für die Emotionserzeugung</title>
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		<pubDate>Fri, 19 Mar 2010 18:14:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sh</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>

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		<description><![CDATA[
Ein Workshop an der Schnittstelle von Kulturtheorie und Neuroforschung mit Wissenschaftlern des Epilepsiezentrums Zürich, der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe und der Hochschule der Künste in Zürich widemte sich im November 2009 der Darstellung von Zusammenhängen zwischen dem „decorum“ Effekt und dem Mediensystem der westlichen Kultur. Unter den Teilnehmern waren Hubert Burda, Heiner Mühlmann, Thomas Grunwald, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><!-- 		@page { margin: 2cm } 		P { margin-bottom: 0.21cm } --></p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Ein <a href="http://www.hubert-burda-stiftung.de/de/stiftung/kulturtheorie-undneuroforschung/">Workshop</a> an der Schnittstelle von Kulturtheorie und Neuroforschung mit Wissenschaftlern des Epilepsiezentrums Zürich, der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe und der Hochschule der Künste in Zürich widemte sich im November 2009 der Darstellung von Zusammenhängen zwischen dem „decorum“ Effekt und dem Mediensystem der westlichen Kultur. Unter den Teilnehmern waren Hubert Burda, Heiner Mühlmann, Thomas Grunwald, Martin Kurthen, Wolfgang Ulrich, Gerhard Blechinger und Christa Maar.<span id="more-541"></span></p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Wolfgang Ulrich sprach zu Konsumprodukten als Massenmedien und Massenmedien als „decorum“ Instanzen.</p>
<blockquote>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Am Beispiel des Verpackungsdesigns von Dusch-Gels wird der mediale Charakter westlicher Konsumprodukte analysiert: Durch das Zusammenspiel von „visuellen Artefakten“ (Verpackung) und Olfaktion (Geruchswahrnehmung) werden psychologische Konditionierungen möglich, die einen optimierenden Einfluss auf die subjektive Wahrnehmung von Gruppenerlebnissen haben. Der „decorum“ Effekt zielt in diesem Fall auf das Erkennen und Generieren von Zielgruppen, deren innere Organisation aus einem temporären Tribalismus besteht. Dafür werden auf rudimentäre Weise die Techniken der Enkulturierung bzw. Gedächtnisbeeinflussung benutzt, wobei die intensive Wirkung der Geruchswahrnehmung auf das Gedächtnis mit einkalkuliert wird. Die Beeinflussung des Körpergeruchs durch den Duft eines bestimmten Duschgels hat eine vorbereitende Funktion für die eigene Integration in Gruppenereignisse. Die Duftwirkung wird durch die Verpackungsform verstärkt. So können Duschgels für Frauen z. B. vegetabilische, an Blüten erinnernde, die für Männer eher phallische Formen haben. Der „decorum“ Effekt besteht darin, dass er das „Passen“ von Geruch und Verpackung zum Benutzer und zu der an dem Ereignis beteiligten Gruppe vorweg nimmt. Vom „decorum“ System gehen Schlüsseleffekte der Enkulturierung aus. Die Pass-Regel des „decorum“ bedeutet: „Alle Beteiligten müssen es cool finden.“</p>
</blockquote>
<p>Heiner Mühlmann untersuchte das „decorum“ als eine cross-media Technik.</p>
<blockquote><p>Relevanz lässt sich nicht allein vom Gehirn oder Körper aus bestimmen. Sie setzt vielmehr den Bezug des Organismus auf die physikalische, biologische und soziokulturelle Umwelt voraus. Eine Disziplin zur Relevanzerkennung ist die Rhetorik. Sie arbeitet mit einer Bewertungsskala, die aus der Skalierung zwischen „erhaben“ (high-ranking) und „niedrig“ (low-ranking) resultiert. Diese Rankingskalierung wird in der klassischen Tradition der westlichen Kultur als „decorum“ bezeichnet. Es handelt sich um eine Technik, in der Ranking-Erkennung (ranking interference) und „decorum“ Äquivalente sind.<br />
Der „decorum“ Effekt erzeugt Feldstrukturen, mit deren Hilfe mehrere gleichzeitig aktive Medien parallel geschaltet werden. Für die westliche Kultur sind seit jeher crossmediale Simultaneffekte bezeichnend. Bereits in der griechischen Antike werden Musik, Szenographie und Rhetorik parallel geschaltet; im Schauspiel wirken Inszenierung, Schauspielkunst und Bühnenbild zusammen. Wenn mehrere Medien gleichzeitig aktiv sind, stellt sich die Frage, ob es eine unterschiedliche Präsenzintensität gibt. Ein Beispiel aus der Orestie des Aischylos belegt, dass die Stärke der erzeugten Emotion nicht notwendig an die Präsenzintensität gekoppelt ist: Auf der Bühne berichtet Klytemnestra mit ausschließlich rhetorischen Mitteln über den Mord, den sie soeben an ihrem Ehemann Agamemnon begangen hat. Der Zuschauer sieht den Mord nicht, denn dieser hat im Off stattgefunden. Die Medien, die hier die stärkste Präsenz haben, sind die Szenographie und die Rhetorik. Doch sind nicht sie es, die die starke Emotion im Zuschauer bewirken. Die Tatsache, dass er die Mordschilderung hört, die Tat selbst aber nicht sieht, bewirkt eine Effizienzsteigerung der emotionalen Wirkung der Erzählung. Daraus lässt sich die Regel ableiten: Stelle die stärkste Emotion im präsenzschwächsten Medium dar. Résumé: Optimierungen von emotionaler Enkulturierung werden durch kulturelle Emotionstechniken bewirkt.</p></blockquote>
<p>Thomas Grunwald undMartin Kurthen berichteten von der Beziehung zwischen Epilepsiechirurgie und experimenteller Rhetorik.</p>
<blockquote><p>Epilepsien zählen zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen. Sie sind in der Regel gut behandelbar, doch muss die Epileptologie sich zwingend neurowissenschaftlich mit Prozessen der emotionalen und sozialen Kognition und des Gedächtnisses befassen, um mögliche neurologische und neuropsychologische Behandlungskomplikationen zu minimieren. Untersuchungen an Epilepsiepatienten haben gezeigt, dass der Hippocampus als „Tor zum Gedächtnis“ fungiert. Er unterstützt die sprachliche Erinnerung und ist an der semantischen Verarbeitung von Bildern im Gehirn beteiligt. Sowohl für das verbale wie das visuelle Gedächtnis ist es entscheidend, dass der Hippocampus auf die Neuheit wahrgenommener Stimuli reagiert. Vieles Neue ist irrelevant. Die Bedeutung von Emotionen für das Gedächtnis spricht dafür, dass die „Neuheits-Detektion“ des Hippocampus eine spezielle Variante einer „Relevanz-Detektion“ darstellt. Die kulturellen Regelsysteme des „decorum“ werden auf folgende Weise hirnrelevant: Decorum-Routinen werden in der kulturellen Umwelt erzeugt und dann in die biologischen Gedächtnisse eingespeichert (Enkulturierung). Dabei wird entsprechend der Tradition der westlichen Kultur in „wichtig“ und „unwichtig“ unterschieden (Relevanz-Detektion) und Wichtiges durch das Gebot und Unwichtiges durch das Verbot der Emotionserzeugung markiert.<br />
Die Schwierigkeit für die Neurowissenschaft besteht darin, dass Relevanz sich nicht allein vom Gehirn oder Körper aus bestimmen lässt sondern den Bezug des Organismus auf die physikalische, biologische und sozio-kulturelle Umwelt voraussetzt. Neurowissenschaftliche Methoden erlauben aber nur Aussagen darüber, was das Gehirn daraus macht. Man kann sich als Neurowissenschaftler aber eine kulturelle Technik wie die Rhetorik zunutze machen, die sich darum kümmert, wie man etwas relevant werden lässt bzw. wie man Relevantes angemessen kommuniziert. Erste gemeinsame Untersuchungen von Neurowissenschaft und Rhetorik haben gezeigt, dass es sich auszahlt, wenn die Neurowissenschaft der Rhetorik Fragen stellt statt sie erklären zu wollen. Umgekehrt kann die Rhetorik neurowissenschaftlich und klinisch relevant werden, wenn sie sich den Kriterien des Experiments stellt.</p></blockquote>
<p>Zusammefassend wurde festgehalten, dass die Optimierungen von Enkulturierungstechniken Schlüsselfunktionen kultureller sowohl wie politischer Strategien darstellen. Dies gilt im Mikrobereich für das Erkennen und Generieren von Zielgruppen durch die Erzeugung von temporärem Tribalismus ebenso wie im Makrobereich für den politischen Einsatz solcher Techniken. Die Lenkbarkeit von Enkulturierungsdynamiken stellt das wichtigste Gegengewicht zur „Blindheit“ ethno-kulutreller Bevölkerungsdynamik und zu den Risiken militärstrategischer Geopolitik dar. Im übrigen haben die Diskussionsbeiträge von Hubert Burda deutlich gemacht, dass den Medien großer Verlagshäuser eine wichtige Funktion zukommt, was die quantitative Akkumulierung praktischen Wissens über Kultur angeht. Daran muss sich die Kulturforschung messen.</p>
<p>______________</p>
<p>Zu den Teilnehmern:</p>
<p><strong>Prof. Dr. Dr. Thomas Grunwald</strong><br />
Leitender Arzt Neurophysiologie, Epilepsie-Zentrum Zürich</p>
<p>Studium der Phonetik, Germanistik und Anglistik in Marburg, Edinburgh und Köln. Promotion zum Dr. phil. 1982. Wissenschaftliche Tätigkeit im Bereich der Aphasiologie, dann Studium der Humanmedizin in Bonn. Promotion zum Dr. med. 1990. Seit 1990 klinische Ausbildung und Tätigkeit am Universitätsklinikum Bonn in den Arbeitsbereichen Neurologie, Psychiatrie und Epileptologie. 1995 Facharzt für Neurologie. Von 1995 bis 2002 Oberarzt der Universitätsklinik für Epileptologie, Bonn. 2001 Habilitation für das Lehrgebiet der Neurologie mit einer Arbeit über Funktionen des Hippocampus. Seit 2002 Leitender Arzt der Abteilung für klinische Neurophysiologie am Schweizerischen Epilepsie-Zentrum in Zürich. Schwerpunkte der klinischen und wissenschaftlichen Arbeit: klinische Neurophysiologie und prächirurgische Epilepsiediagnostik, kognitive Neurophysiologie.</p>
<p><strong>Prof. Dr. Martin Kurthen</strong><br />
geboren 1959, studierte Humanmedizin in Bochum und Bonn. Nach der Promotion 1985 arbeitete er zunächst in der Klinik für Neurochirurgie der Universität Bonn. Nach einigen Jahren vornehmlich diagnostischer und wissenschaftlicher Tätigkeit in der dortigen Arbeitsgruppe für Neurophysiologie und Neuropsychologie habilitierte er sich 1992 zuerst für das Lehrgebiet «Klinische Neuro psychologie». Nach weiterer klinischer Tätigkeit in den Kliniken für Epileptologie, Neuro logie und Psychia trie der Universität Bonn erwarb er Anfang 1997 die Facharztanerkennung für Neurologie. Seither war er als Oberarzt an der Klinik für Epileptologie der Universität Bonn tätig. 1997 wurde er zum ausserplanmässigen Professor für Neurologie und Klinische Neuropsychologie ernannt.<br />
Schwerpunkte seiner klinischen Arbeit waren in Bonn die prächirurgische Epilepsiediagnostik und die medikamentöse Einstellung von PatientInnen mit schwer behandelbaren Epilepsien. In seiner wissenschaftlichen Arbeit hat er sich vor allem mit modernen Verfahren der prächirurgischen pilepsiediagnostik sowie mit den kognitiven Aspekten fokaler Epilepsien und dem klinischen Langzeitverlauf nach konservativer und chirurgischer Epilepsiebehandlung befasst.</p>
<p><strong>Prof. Dr. Heiner Mühlmann</strong><br />
Kulturtheoretiker, Professor für Rhetorik, hgkz, Zürich, HfG Karlsruhe<br />
1938 geb. in Regensburg</p>
<p>Studium der Kunstgeschichte und Philosophie in Köln, Paris, Rom und München. Forschungsarbeit insbesondere auf dem Gebiet der Rechts- und Kunstphilosophie im Frankreich des 16. und 17. Jahrhunderts.<br />
Heiner Mühlmann wurde in München promoviert mit einer Arbeit über &#8220;Humanistische Rhetorik und Rechtsphilosophie bei Leon Battista Alberti&#8221;. Lohn dieser Arbeit waren nicht nur Forschungsstipendien der Deutschen Forschungsgemeinschaft, die er nicht zuletzt für naturwissenschaftliche Studien nutzte, sondern auch Lehraufträge an der Universität Paris VII. Bei Bazon Brock habilitierte er sich in Wuppertal mit Überlegungen zu &#8220;Katastrophentheorie, Graphentheorie und Architektur&#8221;, die ihm bald eine außerplanmäßige Professur an der Universität Wuppertal eintrugen. Er lehrte auch an der Universität Münster, am Pariser Collège International de Philosophie. Heiner Mühlmann ist heute ordentlicher Professor am Institut für Design und Technologie an der Zürcher Hochschule der Künste und Gastprofessor an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe. Er ist Mitgründer des neuroanthropologischen Forschungsprojekts TRACE in Zürich, in der sich eine interdisziplinäre Gruppe von Wissenschaftlern, Philosophen und Künstlern für die neurowissenschaftliche Gedächtnisforschung engagiert.</p>
<p><strong>Prof. Dr. Wolfgang Ullrich</strong><br />
Professor für Kunstwissenschaft und Medientheorie<br />
Geb. 1967 in München.<br />
1986-1994 Studium der Philosophie, Kunstgeschichte, Wissenschaftstheorie und Germanistik. Magisterarbeit über Richard Rorty. Promotion mit einer Dissertation über das Spätwerk Martin Heideggers.<br />
1992 Eike-Schmidt-Preis für Essayistik.<br />
Seit 1994 freiberuflich tätig als Autor, Dozent, Berater.<br />
Publikationen zu Geschichte und Kritik des Kunstbegriffs, modernen Bildwelten und bildsoziologischen Fragen sowie zu Wohlstandsphänomenen.<br />
Mehrere Bücher bei den Verlagen Klaus Wagenbach (Berlin) und S. Fischer (Frankfurt/Main) (siehe Bibliographie).<br />
Zahlreiche Lehraufträge (u. a. Pädagogische Hochschule Ludwigsburg, Universität Halle, Universität Hamburg, Mozarteum Salzburg, Hochschule für Gestaltung Karlsruhe, Universität St. Gallen).<br />
Beratung u. a. von Volkswagen AG, KarstadtQuelle AG, Red Bull, Swarovski.<br />
1997-2003 Assistent am Lehrstuhl für Kunstgeschichte der Akademie der Bildenden Künste München.<br />
2003f. Gastprofessor für Kunstwissenschaft an der Hochschule für bildende Künste Hamburg.<br />
2004f. Gastprofessor für Kunstwissenschaft und Medientheorie an der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe.<br />
2006f. Vertretungsprofessor für Kunstwissenschaft und Medientheorie an der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe.</p>
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		<title>Klima visualisiert</title>
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		<pubDate>Thu, 17 Dec 2009 15:31:47 +0000</pubDate>
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				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<category><![CDATA[Klima]]></category>
		<category><![CDATA[Visualisierung]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Blog EagerEyes hat eine Reihe von Klimadaten, die das britische Meteorological Office zur Verfügung gestellt hat, in Bilder verwandelt. An den Charts, Karten und Diagrammen zeigt sich nicht nur anschaulich, was sich auf lange Sicht am Klima verändert, sondern auch, welche Zufallsfaktoren und Unregelmässigkeiten die Messreihen beeinflussen. Was auch immer in der Kälte von [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://eagereyes.org/data/a-look-at-climate-data"><img class="alignleft size-full wp-image-535" title="eagereyes-look-at-climate" src="http://www.iconicturn.de/wp-content/uploads/2009/12/eagereyes-look-at-climate.png" alt="eagereyes-look-at-climate" width="220" height="170" /></a>Der Blog <a href="http://eagereyes.org/">EagerEyes</a> hat eine Reihe von Klimadaten, die das britische <a href="http://www.metoffice.gov.uk/climatechange/science/monitoring/subsets.html">Meteorological Office</a> zur Verfügung gestellt hat, <a href="http://eagereyes.org/data/a-look-at-climate-data">in Bilder verwandelt</a>. An den Charts, Karten und Diagrammen zeigt sich nicht nur anschaulich, was sich auf lange Sicht am Klima verändert, sondern auch, welche Zufallsfaktoren und Unregelmässigkeiten die Messreihen beeinflussen. Was auch immer in der <a href="http://en.cop15.dk/">Kälte von Kopenhagen</a> beschlossen wird, die Daten und Bilder weisen in eine eindeutige Richtung.</p>
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		<title>Wende wiederkehr Turn: Doris Bachmann-Medick interviewt von Springerin</title>
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		<pubDate>Thu, 10 Dec 2009 19:54:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sh</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>

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		<description><![CDATA[Die österreichische Kunstzeitschrift Springerin widmet sich in der jüngsten Ausgabe dem Thema &#8220;Wende Wiederkehr&#8221;. Doris Bachmann-Modick, seit ihrem Buch &#8220;Cultural Turns&#8221; Fachfrau für Wenden (s. Interview auf Iconic-Turn 2006), hat per E-Mail Christian Höller auf eine Reihe von Fragen zum Thema geantwortet. Der Begriff des Turns bietet ihrer Ansicht etliche Vorteile, vor allem weil er [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-538" title="springerin_cover_2009_4_gr" src="http://www.iconicturn.de/wp-content/uploads/2009/12/springerin_cover_2009_4_gr.jpg" alt="springerin_cover_2009_4_gr" width="156" height="182" />Die österreichische Kunstzeitschrift <a href="http://www.springerin.at/de/">Springerin</a> widmet sich in der jüngsten Ausgabe dem Thema &#8220;Wende Wiederkehr&#8221;. Doris Bachmann-Modick, seit ihrem Buch &#8220;Cultural Turns&#8221; Fachfrau für Wenden (s. <a href="../2006/11/cultural-turns/">Interview auf Iconic-Turn 2006</a>), hat per E-Mail Christian Höller auf eine Reihe von Fragen zum Thema <a href="http://www.springerin.at/dyn/heft.php?id=61&amp;pos=1&amp;textid=2269&amp;lang=de">geantwortet</a>. Der Begriff des Turns bietet ihrer Ansicht etliche Vorteile, vor allem weil er beweglicher ist und nur thematisch fokussiert, ohne eine methodische Festlegung zu erzwingen.</p>
<blockquote><p>Zwingend ist die Bezeichnung Turn sicher nicht. Aber sie hat Vorteile. Denn damit lässt sich das Feld der kultur- und geisteswissenschaftlichen Forschung anders und offener als bisher strukturieren, ja geradezu »kartieren«. Es ist ein »mapping« entlang von Konzepten, die einen ausdrücklich interdisziplinären und interkulturellen Horizont eröffnen. Dagegen sind bisherige Einteilungen nach Forschungsrichtungen oder Theorieschulen wie Strukturalismus, Poststrukturalismus, Dekonstruktivismus usw. längst nicht so offen für interdisziplinäre und interkulturelle Gelenk- und Anschlussstellen.<span id="more-537"></span></p></blockquote>
<p>In älteren Ansätzen der Ethnographie und Soziologie findet sie dieses vergleichsweise untheoretische und interdisziplinäre Muster bereits vorgeprägt:</p>
<blockquote><p>Clifford Geertz hatte schon in den 1980er Jahren festgestellt, dass sich der »culture shift« in der sozialwissenschaftlichen Landschaft gerade über ein »blurring of genres« vollzieht.</p></blockquote>
<p>Dabei sieht sie den lingistic turn, mit dem der Begriff &#8220;turn&#8221; aufkam, keineswegs als Vorbild, sondern eher alsKontrapunkt für die darauffolgenden Wenden, die sich an der philosophischen Fixierung auf die Sprache abarbeiten.</p>
<blockquote><p>Eine ihrer Stärken liegt sicher darin, dass sie nach und nach die Vorherrschaft des Linguistic Turn, den ich als Megawende bezeichnen würde, aus den Angeln gehoben haben. Die weiteren Turns bringen nämlich eine Rückkehr des Verdrängten. Sie bedeuten eine Rückgewinnung von Dimensionen, die unter der Sprachfixierung des Linguistic Turn abhanden gekommen sind.</p></blockquote>
<p>Die vermeintliche Leichtigkeit des Begriffs Turn macht ihn aber auch anfällig für eine inflationäre Anwendung, die eine Wende nach dem anderen hervorgebracht hat.</p>
<blockquote><p>Was lässt sich gegen die inflationäre Inanspruchnahme des Begriffs unternehmen?<br />
<strong> </strong>In der Tat ist das Aufblähen des Diskurses gegenwärtig unübersehbar. Der Innovationsdruck im Drittmittelgeschäft macht sich darin bemerkbar, dass Forschungsfelder erst einmal besetzt und wie Copyrightwaren mit wohlklingenden Labels versehen werden – oftmals vage Forschungsversprechen.</p></blockquote>
<p>In die allzu offene Vielheit des Verwechselbaren will der Fragesteller den Begriff dann allerdings doch nicht entschwinden lassen. Seiner Ansicht nach gibt es neben bloß ergänzenden Wenden auch grundlegendere.</p>
<blockquote><p>Christian Höller: Beim Postcolonial Turn scheint dies gänzlich anders zu sein, da er dem Etablierten nicht nur etwas bislang Negiertes oder Unterdrücktes hinzufügt, sondern den ganzen konzeptuellen Apparat, auf dem die westliche Auseinandersetzung mit Kultur beruht, grundlegend in Frage stellt.</p></blockquote>
<p>Indem Doris Bachmann-Medick hier zustimmt, relativiert sie allerdings einige der Vorteile, die sie anfangs für den Begriff des Turns noch in Anspruch genommen hat:</p>
<blockquote><p>Hier haben die Postcolonial Studies grundlegender, ja erkenntniskritisch angesetzt – aber nicht nur diese, sondern auch die Gender Studies. Der ganze »konzeptuelle Apparat«, wie Sie sagen, wird hier zur Disposition gestellt. Die Perspektiven von Gender und Postkolonialismus ziehen dabei an einem Strang. Beide rücken nicht nur politisch brisante Themenfelder ins Licht. Darüber hinaus wirken sie als erkenntniskritische Analysekategorien, die traditionelle Grenzziehungen massiv infragestellen und im Ausgang von kolonialen sowie geschlechtsbezogenen und sexuellen Machtverhältnissen kulturspezifische Macht- und Hierarchiesysteme überhaupt aufdecken. Anders als andere Turns arbeiten sie an zwei Fronten: von der gesellschaftskritischen leiten sie eine erkenntniskritische ab.</p></blockquote>
<p>Später fügt sie hinzu, dass man deshalb beide Fälle eventuell nicht als Turns bezeichnen sollte:</p>
<blockquote><p>Sollte also die Genderkategorie gerade nicht zu einem Turn eingehegt werden, sondern vielmehr quer durch alle Turns hindurch die Kulturwissenschaften durchkreuzen? Und gilt dies nicht eigentlich auch für die postkoloniale Kritik? Dies wäre sicherlich ein weiterer interessanter Diskussionspunkt.</p></blockquote>
<p>Plötzlich ist man doch wieder zurück in der Welt der Schulen, die nicht ohne universellen Anspruch auskommen können. Wobei gerade der größte aller lebenden Universalisten, Alain Badiou, den übergreifenden Anspruch des Postcolonial- und des Gender-Turn vehement bestreiten würde. Badiou sieht etwa in der Zersplitterung der Theorien nach Interessengruppen nichts anderes als ihre Unterwerfung unter die Gesetze der Ökonomie, Futter &#8220;für merkantile Investitionen, wenn Frauen, Homosexuelle, Behinderte, Araber als fordernde Gemeinschaft und kulturelle Singularitäten auftreten.&#8221; (Alain Badiou, <em>Paulus. Die Begründung des Universalismus</em>, München 2002, S. 22.)</p>
<p>Am Ende scheint auch im Interview die methodische Strenge gegen die lose Kopplung der Turns zu obsiegen. Aber immerhin gelingt es Bachmann-Medick einen Weg aufzuzeichnen, der von den Metaphern der Wenden nicht etwa zurück zur Starrheit der Methode führt, sondern darüber hinaus zu kulturellem Handeln.</p>
<blockquote><p>Die Turns wären in ihrer Janusköpfigkeit von Konzepten und Methoden erst noch stärker auf ihr methodisches Vermögen hin auszuarbeiten. Wie kommt man von bloßen Konzepten (die leicht in theoretischer Unverbindlichkeit verbleiben) zu Methoden? Mit dieser entscheidenden Frage könnten die Turns wiederum Anschluss an die konkrete Arbeit in den Disziplinen oder an künstlerische Praktiken gewinnen – was mir entscheidend zu sein scheint. Denn die Kulturwissenschaften haben die Wirklichkeit lange genug interpretiert – es kommt nun darauf an, sich noch stärker als bisher in Wirklichkeitsbezüge hineinzuübersetzen.</p></blockquote>
<p>_________________________</p>
<p><a href="http://www.springerin.at/dyn/heft.php?id=61&amp;pos=1&amp;textid=2269&amp;lang=de">Turn Turn Turn</a>: Doris Bachmann-Medick im Email Interview mit Christian Höller. Springerin 04/2009, S. 18-24</p>
<p>Bild: Springerin Cover unter Verwendung des Bildes Kremlin Doppelgänger (2008)  von Anna Jermolaeva</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Charles Kenny&#8217;s verkehrte Welt: Fernsehen, nicht Facebook regiert</title>
		<link>http://www.iconicturn.de/2009/11/charles-kennys-verkehrte-welt-fernsehen-nicht-facebook-regiert/</link>
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		<pubDate>Tue, 03 Nov 2009 14:13:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sh</dc:creator>
				<category><![CDATA[Autor]]></category>
		<category><![CDATA[Stefan Heidenreich]]></category>
		<category><![CDATA[Facebook]]></category>
		<category><![CDATA[Fernsehen]]></category>

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		<description><![CDATA[TV ist und bleibt die grösste Volksbewegung der Welt. Das behauptet Charles Kenny auf Foreign Policy, und sein Blick umfasst tatsächlich die Welt als Ganzes. Dort aus sieht einiges sehr anders aus als im heimeligen Deutschland, wo sich Beststeller-Philosoph Riachard Precht auf den Medientagen ebenso provinziell wie traditionell um die Fragmentierung der Öffentlichkeit sorgt.
Kenny nennt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-530" title="tv-katmandu- rpb1001" src="http://www.iconicturn.de/wp-content/uploads/2009/11/tv-katmandu-rpb1001.jpg" alt="tv-katmandu- rpb1001" width="220" height="205" />TV ist und bleibt die grösste Volksbewegung der Welt. Das behauptet Charles Kenny auf<a href="www.foreignpolicy.com/articles/2009/10/19/revolution_in_a_box?page=full"> Foreign Policy</a>, und sein Blick umfasst tatsächlich die Welt als Ganzes. Dort aus sieht einiges sehr anders aus als im heimeligen Deutschland, wo sich Beststeller-Philosoph Riachard Precht auf den <a href="http://www.medientage-muenchen.de/">Medientagen</a> ebenso provinziell wie traditionell um die Fragmentierung der Öffentlichkeit sorgt.</p>
<p>Kenny nennt viele Zahlen und erwähnt einige überraschende Seiteneffekte des Fernsehens. Das Fernsehen und nicht die vielgepriesenen Social Networks ist einer der großen Wachstumsmärkte weltweit. Unsere ganzanders gelagerte Wahrnehmung liegt daran, dass wir die andere Seite des digital Divide vergessen &#8211; Gebiete, in denen es weder Internet noch Strom, aber viele Menschen gibt. Dort sieht Kenny dank günstiger Stromversorgung ein Wachstums-Potenzial von 150 Millionen neuen TV-Haushalten bis 2013 &#8211; lange bevor das Netz ankommen wird.<span id="more-529"></span></p>
<blockquote><p>In the not-too-distant future, it is quite possible that the world will be watching 24 billion hours of TV a day &#8212; an average of close to four hours for each person in the world.</p></blockquote>
<p>Der Vormarsch des Fernsehen hat, so Kenny, einige nicht ganz unpolitische Seiteffekte.</p>
<blockquote><p>Simply giving a village access to cable TV, research by scholars Robert Jensen and Emily Oster has found, has the same effect on fertility rates as increasing by five years the length of time girls stay in school.</p></blockquote>
<p>So zweifelhaft der herbeigeforschte Zusammenhang von Schule, Fernsehen und Geburtenrate auch sein mag &#8211; Kenny weist darauf hin, dass Fernsehen vor allem in den Serien Rollenmodelle kinderarmer Mütter zeigt, die ihren Eindruck nicht verfehlen.<br />
Es wäre ein amüsanter absurder Gedanke, auch dieses Detail der verkehrten Welt auf Deutschland übertragen. Ließen sich doch die Probleme mit der Geburtenrate mit simpler TV-Abstinenz lösen.<br />
Auch sein Blick auf Öffentlichkeit läuft der deutschen zwangsgebühr-finanzierten Monokultur-Wunschphantasie doch sehr zuwider.</p>
<blockquote><p>The explosion of choice is loosening the grip of bureaucrats the world over, who in many countries have either run or controlled programming directly, or heavily regulated the few stations available.</p></blockquote>
<p>Für Kenny keine Frage. Eine wirkliche Öffentlichkeit entsteht gerade mit der Fragmentierung der Programme, die neue Gemeinschaften hervorbringt, nicht in ihrer staatlich geförderten Konzentration. Daher sein Ratschlag:</p>
<blockquote><p>But for the most part, politicians ought to be paying less attention to TV, not more. They shouldn&#8217;t be limiting the number of channels or interfering in the news. A vibrant, competitive television market playing Days of Our Lives or<br />
Días de Nuestras Vidas on loop might have a bigger impact even than well-meaning educational programs. And competition is critical to ensuring that television helps inform voters, not just indoctrinate them.</p></blockquote>
<p>Ob Soaps wirklich das Erziehungsmittel der Wahl sind, sei dahin gestellt. Hier schiesst Kenny wohl übers Ziel hinaus, wenn auch einer Ebene höher als Precht, der noch quasi staatmonopolistisch argumentiert, wenn er behauptet:</p>
<blockquote><p>dass eben außer den Öffentlich-Rechtlichen niemand die gewährte Chance hat, Öffentlichkeit herzustellen.</p></blockquote>
<p>Mangels öffentlich-rechtlicher Quelle zitiert nach Stefan Münkers <a href="http://www.perlentaucher.de/artikel/5824.html">Entgegnung</a>, der sich gegen solchen Unsinn wehrt. Die Erkenntnis, dass Fragmentierung gerade die Voraussetzung einer freien öffentlichen Meinung ist, war bei den Münchner Medientagen offenbar nicht gefragt. Kein Wunder angesichts der Lage, aber auch kein Lichtblick.<br />
_______________<br />
Foto rpb1001</p>
<p>http://www.flickr.com/photos/rpb1001/497368390/</p>
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		<title>Datamosh Vertov</title>
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		<pubDate>Mon, 28 Sep 2009 15:12:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sh</dc:creator>
				<category><![CDATA[Reviews]]></category>
		<category><![CDATA[Film]]></category>

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		<description><![CDATA[Leider nicht ins Netz gesetzt hat das Magazin Cargo einen Aufsatz von Ute Holl, in dem sich die Medienwissenschaftlerin über das Verhältnis vom Kino zum Netz ihre Gedanken macht.
Was Kino war und gewesen sein wird, zeigt sich in seiner Netzform deutlicher. Ein Medium verrät immer die Tricks eines anderen &#8211; und apropriiert sie, maskiert, als [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-527" title="datamoshing_kanyewest" src="http://www.iconic-turn.de/wp-content/uploads/2009/10/datamoshing_kanyewest.jpg" alt="datamoshing_kanyewest" width="230" height="162" />Leider nicht ins Netz gesetzt hat das Magazin <a href="http://www.cargo-film.de/">Cargo</a> einen Aufsatz von Ute Holl, in dem sich die Medienwissenschaftlerin über das Verhältnis vom Kino zum Netz ihre Gedanken macht.</p>
<blockquote><p>Was Kino war und gewesen sein wird, zeigt sich in seiner Netzform deutlicher. Ein Medium verrät immer die Tricks eines anderen &#8211; und apropriiert sie, maskiert, als seine eigenen.</p></blockquote>
<p>Das erinnert von fern an die Weisheit des Medienwissenschaftler Marshall McLuhan, dass neue Medien stets ihre alten Medien zum Inhalt haben.<br />
Dass Holl die Tricks des Kinos nun ausgerechnet an einem technizistischen kleinen Gimmick wie dem Datamoshing wiederfindet, ist mehr als erstaunlich.</p>
<blockquote><p>Das Datamoshing ist wohl die erste Technologie digitaler Filmbilder, die in die Struktur des Algorithmus als in die Struktur eines Materiellen der Bilder selbst eingreift.<span id="more-526"></span></p></blockquote>
<p>Von diesem Zuerst kann kaum die Rede sein, wird doch im digitalen Postprocessing seit langem grundsätzlich nichts anderes als eben das gemacht. Auch hört sich Struktur des Materiellen arg verschwurbelt an, den es handelt sich nun um nichts weiter als den Gebrauch jener Artefakte, die bei Videokomprimierung gleichsam standardmäßig entstehen. So erklärt es kein geringerer als David Oreilly, einer der Regisseure, die die Technik 2005 zum ersten Mal eingesetzt haben. Und er erklärt auch gleich kategorisch: <a href="http://www.davidoreilly.com/2009/02/datamoshing-is-so-over">Datamoshing is so over! </a></p>
<p>Interessanter wird es, wo Holl zu grundlegenderen Effekten des Internets kommt. Als eines seiner Prinzipien macht sie die Tatsache aus,</p>
<blockquote><p>dass Bilder sich von ihren Urheber/innen/n verabschieden, zu streunen anfangen, namenlos werden, promisk. Filme im Netz sind kopiert, zerteilt, zerrissen, gemischt, prinzipiell, ohne Vor- und Abspänne.</p></blockquote>
<p>Das ist alles nur richtig und wäre interessant, weiter zu bedenken – im Hinblick auf den Tod des Autoren, Formate, Sehgewohnheiten etc. &#8211; aber anstatt den Gedanken weiter zu verfolgen, kehrt sie mit einem Salto Rückwärts zu den ewig gleichen Avantgardisten zurück, die immer und immer wieder bemüht werden, wenn sich im Kino etwas Neues ankündigt &#8211; Eisenstein und Vertov. Als hätten ihre Experimente schon immer vorweg genommen, was sich außerhalb des Kinos je ergeben könnte. So wird, was  im Netz über das Kino und auch das Kino-Auge hinausgehen könnte, gedanklich zurückbugsiert in den heimeligen filmphilologischen Raum, dessen gedankliche und visuelle Grenzen die Avantgarde des Kinos einst abgesteckt hat.</p>
<p>Bild: www.boardsmag.com/articles/magazine/20090401/datamoshing.html</p>
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		<title>Tom Holert über Visual Culture</title>
		<link>http://www.iconicturn.de/2009/09/tom-holert-uber-visual-culture/</link>
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		<pubDate>Fri, 18 Sep 2009 13:09:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sh</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>

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		<description><![CDATA[Tom Holert hat einen lesenswerten Artikel über die im Disziplin Visual Cultures geschrieben.
Während man in Deutschland noch etwas provinziell um den Aufbau der hiesigen Bildwissenschaften ringt,  gibt es das Fach Visual Cultures in Amerika und England schon seit Jahrzehnten – mit Themen und Theorien, die von dem, was hierzulande diskutiert wird, wenig zu tun haben. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.akbild.ac.at/Portal/studium/institute/kunst-und-kulturwissenschaften/lehrende/akbild_group.2009-07-16.8134339770/displayCard?DBID=C5010BA37EBFDCF6&amp;backurl=http://www.akbild.ac.at/Portal/studium/institute/kunst-und-kulturwissenschaften/lehrende/akbild_group.2009-07-16.8134339770/group_display"><img class="alignleft size-full wp-image-522" title="nbc_westwing" src="http://www.iconic-turn.de/wp-content/uploads/2009/10/nbc_westwing.jpg" alt="nbc_westwing" width="240" height="140" />Tom Holert</a> hat einen lesenswerten Artikel über die im Disziplin Visual Cultures geschrieben.<br />
Während man in Deutschland noch etwas provinziell um den Aufbau der hiesigen Bildwissenschaften ringt,  gibt es das Fach Visual Cultures in Amerika und England schon seit Jahrzehnten – mit Themen und Theorien, die von dem, was hierzulande diskutiert wird, wenig zu tun haben. In Deutschland regiert noch das Modell der althergebrachten Geisteswissenschaften, ob als Wasserkopf an Methodenreflexion oder Werkinterpretation im Geist der Kunstgeschichte.<br />
Holert holt lang aus, um deutlich zu machen, wie wichtig die Reflexion auf den eigenen Standpunkt ist, als beteiligter und nicht als distanzierter Beobachter. Das macht er mit einer amüsanten Wendung. Er outet sich als Fan der amerikanischen Serie <a href="http://www.nbc.com/The_West_Wing/">The West Wing</a>.</p>
<blockquote><p>Die multiplen Verstrickungen in die Textualitäten und Performativitäten der globalen visuellen Kultur sind unausweichlich. Dies zu erkennen und theoretisch zu bearbeiten ist &#8211; das wäre eine erste These &#8211; eine der zentralen Voraussetzungen dafür, eine politische, also kritisch-transformatives Verhältnis zu den Phänomenen und Prozessen der visuellen Kultur entwickeln zu können. <span id="more-521"></span></p></blockquote>
<p>Nicht schön zu lesen, aber gleichwohl im Argument verständlich fährt er fort:</p>
<blockquote><p>Um die inhärente Politizität dieser immer wieder neu zu begründenden Relationalität zu untersuchen, kann man beispielsweise von expliziten audiovisuellen Inszenierungen des Politischen ausgehen.</p></blockquote>
<p>Will heißen: wenn man verstehen will, wie Bilder ihre politische Bedeutung beim Beitrachten entfalten, bieten sich als Beispiel politische Nachrichten und deren Inszenierung an. Manchmal ist es wirklich grausam, wenn gute Denker ihre Leser und sich selbst mit einem schwer erträglichen Sprachwust quälen.</p>
<p>Aber weiter, denn Holerts Aufsatz ist gut und wird lesbarer, wo er sich den Visual Studies zuwendet.</p>
<blockquote><p>Visual Culture, so wie ich die produktivste Konzeption von Bildkulturwissenschaften begreife, ist eine Erweiterung und Vertiefung der Cultural Studies. Womöglich sehr viel mehr als die Kritik der Kunstgeschichte und anderer traditioneller Wissenschaften vom Bild ist es der visual turn, den die Cultural Studies schon in ihren Anfängen auf unterschiedliche Weise vollzogen haben, indem sie sich auf subjektivierende Praktiken des Sehens und des Zu-sehen-Gebens konzentrierten.</p></blockquote>
<p>Methodisch scheint ihm die Position des Forschenden ein Kernproblem zu sein.</p>
<blockquote><p>Das forschende Selbst wird methodisch einbezogen in den Prozess der kritischen Untersuchung, der <em>&#8217;studies</em>&#8216;. Es spielt mit, schreibt mit, eignet an.</p></blockquote>
<p>Methode mag man diese Haltung gerade eben noch nennen, aber Wissenschaft, die doch immer noch an einen Begriff der Wahrheit und also einer objektiven Haltung gekoppelt war, wohl kaum. Aber das würde auch im angelsächsischen Raum, wo Geisteswissenschaften nicht als Sciences gelten, niemand beanspruchen.</p>
<p>Holert zeichnet ausgehend von einer Ausgabe des Magazins October aus dem Jahr 1996 die Entstehung der Visual Studies nach, und hebt einige der Debatten hervor. So etwa den Angriff von James Elkins, der der Visual Culture vorwarf, zu sehr im allein Gegenwärtigen zu verhaftet zu sein, oder Mieke Bal&#8217;s Angriff, man würde dem Visuellen willkürlich und unbegründet einen Vorrang einzuräumen.<br />
Am Ende kommt Holert noch einmal auf die Position des Kulturwissenschaftlers zurück, indem er ihn mit der des <em>embedded journalist </em>beim Irak-Feldzug begreift. Ein besseres Argument gegen diese Position hätte er freilich nicht finden können, denn es stellte sich nur allzu deutlich heraus, dass die eingebetteten Beobachter weder ein Gesamtbild des Krieges und seiner Ursachen entwerfen, noch zwischen wirklichen und inszenierten Ereignissen unterscheiden konnten. Aber das sieht der Forscher im Sinn der Cultural Sstudies, der sich fast ethnographisch als teilnehmender Beobachter begreift, auch nicht als seine Aufgabe an.</p>
<p>Tom Holert: Regimewechsel. Visual Studies, Politik, Kritik. In: <a href="http://www.suhrkamp.de/buecher/bildtheorien-_29488.html">Klaus-Sachs Hombach: Bildtheorien.</a> 2009, 328-353</p>
<p>Bild: West Wing Quelle: http://www.nbc.com/The_West_Wing/</p>
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		<title>Ist Kunstgeschichte historische Bildwissenschaft &#8211; oder umgekehrt?</title>
		<link>http://www.iconicturn.de/2009/08/ist-kunstgeschichte-historische-bildwissenschaft-oder-umgekehrt/</link>
		<comments>http://www.iconicturn.de/2009/08/ist-kunstgeschichte-historische-bildwissenschaft-oder-umgekehrt/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 31 Aug 2009 13:06:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sh</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>

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		<description><![CDATA[Einmal mehr ging es beim diesjährigen Kunsthistorikertag um die Frage, wie sich die Kunstgeschichte zur Bildwissenschaft verhält. Und einmal mehr vertrat Bredekamp seine Position, dass Kunstgeschichte schon immer historische Bildwissenschaft gewesen sei. Astrit Schmidt-Burkhardt, Dozentin im Fach Kunstgeschichte an der Freien Universität in Berlin,  hat diese These kritisch kommentiert.
Was aber, wenn man diesen Satz paradigmatisch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-513" title="Allegorie-der-Malerei" src="http://www.iconic-turn.de/wp-content/uploads/2009/09/Allegorie-der-Malerei.JPG" alt="Allegorie-der-Malerei" width="200" height="368" />Einmal mehr ging es beim<a href="http://www.kunsthistoriker.org/kunsthistorikertag.html"> diesjährigen Kunsthistorikertag</a> um die Frage, wie sich die Kunstgeschichte zur Bildwissenschaft verhält. Und einmal mehr vertrat Bredekamp seine Position, dass Kunstgeschichte schon immer historische Bildwissenschaft gewesen sei. <a href="http://www.geschkult.fu-berlin.de/e/khi/mitarbeiter-gaeste/privatdoz/schmidt-burkhardt1/index.html">Astrit Schmidt-Burkhardt,</a> Dozentin im Fach Kunstgeschichte an der Freien Universität in Berlin,  hat diese These <a href="http://www.kunstgeschichte-ejournal.net/discussion/2009/schmidt-burkhardt/">kritisch kommentiert</a>.</p>
<blockquote><p><em>Was aber, wenn man diesen Satz paradigmatisch umdreht? Kippt mit der Behauptung ›Historische Bildwissenschaft war immer schon Kunstgeschichte‹ nicht vielleicht eine konsensfähige Doktrin?</em></p></blockquote>
<p>Tatsächlich befindet sich die Kunstgeschichte nach wie vor in einer Zwickmühle. Denn einerseits wurde eine große Anzahl von Bildern immer wieder aus dem Bereich der Kunst verbannt. Und andererseits beschränkt sich die Kunst unserer Gegenwart keineswegs mehr auf die Herstellung von Bildern. Die Begriffe <em>Kunst</em> und <em>Bild</em> meinen also keineswegs dasselbe. <span id="more-512"></span>Und daher ist die von Peter Geimer in Marburg geäußerte Ansicht, die jeweiligen Fächer würden sich ohnehin decken, nicht leicht nachzuvollziehen. Tatsächlich war es lange genug ein Desiderat, jene Bilder zu untersuchen, die dezidiert weder Kunst sein wollen, noch im allgemeinen dazu gerechnet wurden. Warum das aufzuholen nun ausgerechnet die alleinige Aufgabe jener Wissenschaft sein soll, die es lange genug versäumt hat, bleibt allerdings fragwürdig.  Die Anhänger Warburgs, zu denen Bredekamp zweifellos zu zählen ist, zeigen jedoch durchaus, wie die Kunstgeschichte in der Lage ist, zu Bildern jenseits der Grenzen der Kunst zu forschen.</p>
<p>Aber am Ende geht es bei dem Streit der allzu nahe liegenden Disziplinen auch einmal mehr um dasselbe, in den Worten von Astrid Schmidt-Burkhardt :</p>
<blockquote><p><em>es geht um Fachkompetenzen und um Wissenschaftspolitik und damit auch um den ungeteilten Zugriff auf Fördermittel, die schon immer knapp waren. Dies gilt umso mehr in Zeiten der Weltwirtschaftskrise.</em></p></blockquote>
<p>Der Konflikt wäre ganz einfach zu lösen, würde man das Fach in &#8220;Kunst- und Bildwissenschaft&#8221; umbenennen. Dazu wäre es freilich hilfreich, die Vertreter der Kunstgeschichte würden einsehen, das sie zwar die ersten Bildwissenschaftler waren, aber heute keineswegs allein stehen und kaum methodischen Vorrang beanspruchen können, was Forschung zum Gegenstand des Bildes betrifft.</p>
<p>___________</p>
<p>Bild: <a href="http://commons.wikimedia.org/wiki/File:2002.Allegorie_der_Malerei(Phantasie)-Auf_dem_Bild_dargestellt_die_Geschichte_der_Nymphe_Arethusa_durch_den_Flu%C3%9Fgott_Alpheios-Benckert-Steffen_Heilfort.JPG">Allegorie der Malerei</a> , Sanssouci &#8211; Foto Steffen Heilfort</p>
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		<title>Vom Kerbholz zu x &#8211; Ulrike Kregel: Bild und Gedächtnis</title>
		<link>http://www.iconicturn.de/2009/08/kregel-bild-und-gedachtnis/</link>
		<comments>http://www.iconicturn.de/2009/08/kregel-bild-und-gedachtnis/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 20 Aug 2009 11:55:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sh</dc:creator>
				<category><![CDATA[Reviews]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophie]]></category>

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		<description><![CDATA[Dass das Erinnern und das bildliche Vorstellen etwas miteinander zu tun haben, muss man nicht lange erklären. Wie genau Gedächtnis und Bilder zusammenhängen, ist aber alles andere als geklärt. Die Medienwissenschaftlerin Ulrike Kregel hat zu dem Thema ein Buch geschrieben. In dem Band unternimmt sie allerdings einiges mehr als nur eine Theorie des Bildgedächtnisses. Denn [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-508" title="kerbholz" src="http://www.iconic-turn.de/wp-content/uploads/2009/09/kerbholz.jpg" alt="kerbholz" width="241" height="162" />Dass das Erinnern und das bildliche Vorstellen etwas miteinander zu tun haben, muss man nicht lange erklären. Wie genau Gedächtnis und Bilder zusammenhängen, ist aber alles andere als geklärt. Die Medienwissenschaftlerin Ulrike Kregel hat zu dem Thema <a href="http://ssl.einsnull.com/paymate/search.php?vid=5&amp;aid=2420">ein Buch</a> geschrieben. In dem Band unternimmt sie allerdings einiges mehr als nur eine Theorie des Bildgedächtnisses. Denn tatsächlich kommt sie zum Thema des Gedächtnisses erst auf Seite 155 von 270. <span id="more-507"></span>Der Rest, und das heißt der etwas größere Teil des Buches, geht ums ganz allgemeine, vom Begriff des Bildes über den des Mediums zu den damit verbundenen Theorien, die in ihren diversen und bekannten Verzweigungen über 70 Seiten vorgestellt werden. Von dort zurück zur Philosophie der Bilder von Platon bis zur deutschen Gegenwart bei Belting und Böhm. Das ganze ist nicht schlecht geschrieben und als Einführung in die Geschichte und den Stand der Bilddebatte recht brauchbar. Es wirft allerdings ein etwas seltsames Licht auf den Stand der Wissenschaft, wenn die Behandlung eines Detailthemas erst einen Vorlauf von150 Seiten Klärung über die theoretischen Grundlagen erfordert.<br />
Im Abschnitt zur Theorie des Gedächtnisses startet die Autorin das gleiche Spiel noch einmal von vorne, indem sie verschiedene Begriffe des Gedächtnisses durchdekliniert &#8211; natürliches vs. artifizielles, individuelles, kollektives, kommunikatives, kulturelles und soziales. Das macht das eigentlich zu einer Art von Lexikon, das einige Begriffe wie Geädchtnis, Medium und Bild klärt.</p>
<p>Der Schnittmenge von Bild und Gedächtnis, die man dem Titel zufolge als eigentlichen Inhalt des Buches erwartet hätte, sind gerade einmal 52 Seiten vorbehalten. Und auch dort finden wir das Fazit letztlich in der Redewendung vom x zum y, in Gestalt der Kapitelüberschrift &#8220;Vom Kerbholz zum digitalen Bild &#8211; das Bild als Gedächtnismedium &#8211; ein Kontinuum unserer Kultur&#8221;. Zum Glück sieht die Autorin nicht etwas eine ungebrochene Kontinuität am Werk, sondern sehr wohl eine Geschichte mit Sprüngen und Entwicklungen. Am Ende weiß man wahrscheinlich etwas mehr als zuvor, aber eine These jenseits der lexikalischen Zusammenfassung sucht der Leser in dem Band vergeblich.</p>
<p>______________</p>
<p><a href="http://ssl.einsnull.com/paymate/search.php?vid=5&amp;aid=2420">Ulrike Kregel: Bild und Gedächtnis. Kadmos-Verlag Berlin 2009. 24,90€</a></p>
<p>Bild:<a href="http://www.eml-r.org/GDR/punkt2.html"> eml-research</a></p>
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		</item>
		<item>
		<title>Erklärungsansprüche</title>
		<link>http://www.iconicturn.de/2009/07/erklarungsanspruche/</link>
		<comments>http://www.iconicturn.de/2009/07/erklarungsanspruche/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 25 Jul 2009 15:19:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sh</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>

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		<description><![CDATA[Bildtheorien heisst der neueste Sammelband des Chemnitzer Bildwissenschaftlers Klaus Sachs-Hombach. In der Einleitung äussert der Herausgeber einige skeptische Überlegungen zum Begriff des iconic turn.
Die in allen gesellschaftlichen Bereichen gestiegene Relevanz und vor allem die zunehmend intensivere wisssenschaftliche Beschäftigung mit Bildern hat dazu geführt, in mehreren Varianten von einem turn zu sprechen. &#8230; Ob es aber [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-502" title="bildtheorien" src="http://www.iconic-turn.de/wp-content/uploads/2009/08/bildtheorien.jpg" alt="bildtheorien" width="306" height="61" /><a href="http://www.suhrkamp.de/buecher/bildtheorien-_29488.html">Bildtheorien</a> heisst der neueste Sammelband des Chemnitzer Bildwissenschaftlers Klaus Sachs-Hombach. In der Einleitung äussert der Herausgeber einige skeptische Überlegungen zum Begriff des iconic turn.</p>
<blockquote><p>Die in allen gesellschaftlichen Bereichen gestiegene Relevanz und vor allem die zunehmend intensivere wisssenschaftliche Beschäftigung mit Bildern hat dazu geführt, in mehreren Varianten von einem <em>turn</em> zu sprechen. &#8230; Ob es aber berechtigt ist, diese Rede vom <em>turn</em> mit einem dem <em>linguistic turn</em> vergleichbaren Erklärungsanspruch zu vebrinden, ist bisher unklar geblieben.</p></blockquote>
<p>Erklärungsanspruch lautet das Wörtchen, das uns hier aufhorchen lässt.<span id="more-500"></span></p>
<p>Denn wenn es eine Berufskrankheit der Philosophen gibt, dann handelt es sich um die des Erklärungsanspruchs. Letzbegründungen, Begriffsklärung und ähnliche Arbeiten an der Basis des Wissens beanspruchen sie als ihr ur-eigenes Geschäft. Würde also plötzlich jemand fachfremdes mit dem gleichen Vorhaben daherkommen, wäre das nichts anderes als Wilderei in ihrem Revier. Das betrifft auch denphilsophisch unautorisierten Gebrauch des Begriff <em>iconicturn</em>.</p>
<blockquote><p>Im Unterschied zur Einschätzung des <em>linguistic turn</em> ist entsprechend die Ansicht vertreten worden, daß die gesellschaftliche Relevanz der Bilder zwar ihre verstärkte Erforschung und damit die Ausbildung einer Bildwissenschaft verlange, daß dies aber keineswegs rechtfertige, hierin einen fundamentalen Wandel des grundsätzlichen wissenschaftlichen Paradigmas zu sehen. Trifft diese Ansicht zu, dann wäre die (in den letzten Dekaden in vielen Bereichen doch recht inflationär verwendete) Rede vom <em>turn </em>eine bloße <em>façon de parler</em> und entsprechend bestenfalls als Werbemaßnahme um das knappe Gut der Aufmerksamkeit zu bewerten.(S.7)</p></blockquote>
<p>Der iconicturn wäre demzufolge nichts weiter als eine Redeweise, die allein erfolgreich Aufmerksamkeit erregt hat, ohne dafür einen gültigen Berechtigungsschein vorweisen zu können.  Das im Gegensatz zu den Bildwissenschaften, die sich nicht nur vereinsmässig organisiert, sondern auch noch reichlich Forschungsgelder empfangen haben. Was sind die Kriterien, die die Philosophen anlegen, um die Erklärungsansprüche der anderen turns im Gegensatz zum dem des linguistic turns zu bezweifeln? Ein <strong>methodisches Programm</strong>, <strong>methodisches Paradigma von Forschungen</strong> ganz allgemein und schließlich <strong>fachübergreifende Relevanz</strong>, so Sachs-Hombach. Da nun der Begriff des <em>turn </em>auf diese Weise auf ein ganz bestimmtes Vorbild des<em> linguistic turn</em> festgezurrt wurde, kann der Philosoph als Begriffpolizist zu Werk schreiten, allerdings nicht ohne vorab noch einmal seine Eignung nachzuweisen:</p>
<blockquote><p>Den Intentionen der sprachanalytischen Philosophie scheint mir nur die erste Lesart zu entsprechen. Die epistemologisch-wissenschaftstheoretischen Forderungen, die damit verbunden sind und die in der Philosophiegeschichtesschreibung nach Antike und Neuzeit zum Sprachparadigma der Moderne geführt haben, halte ich zudem für weitgehend berechtigt. In diesem Sinne ist meines Erachtens ein vergleichbarer turn zum Bild nicht gegeben und vermutlich auch nicht möglich.(S.9)</p></blockquote>
<p>Nun wird dieses ganze Argument vom Boden einer sprachanalytischen Schule aus geführt, die den lingistic turn als ihren Gründungsakt begreift.  Doch gerade damit hat es seinen Haken.</p>
<blockquote><p>In der Philosophie, die den lingistic turn bekanntlich hervorgebracht hat, bedeutete dies, daß zumindest viele der traditionellen philosophischen Aporien als Sprachprobleme formuliert und entsprechend über eine Sprachanalyse lös- beziehungsweise auflösbar sein sollen.(S.8)</p></blockquote>
<p>Tatsächlich kan man die übergreifende Bedeutung des lingtistic turn in Frage stellen. Und zwar nicht nur von methodischer Seite sondern auch in seiner fachübergreifenden Relevanz. Niemand geringerer als der Erfinder des Ausdrucks Richard Rorty, hat diese Zweifel denn auch formuliert, und zwar als Bedenken gegen die gesamte analytische Denkschule, die sich den Begriff auf die Fahnen geschrieben hat:</p>
<blockquote><p>In saying that &#8220;analytic philosophy&#8221; now has only a stylistic and sociological unity, I am not suggesting that analytic philosophy is a bad thing, or is in bad shape. The analytic style is, I think, a <em>good</em> style. The <em>esprit de corps</em> among analytic philosophers is healthy and useful. (<a href="http://books.google.com/books?id=6L2Wkls7UnwC&amp;lpg=PA217&amp;ots=rudMa_G1GZ&amp;dq=I%20am%20not%20suggesting%20that%20analytic%20philosophy%20is%20a%20bad%20thing%2C%20or%20is%20in%20bad%20shape.%20The%20analytic%20style%20is%2C%20I%20think%2C%20a%20good%20style.&amp;pg=PA217#v=onepage&amp;q=&amp;f=false">Consequences of Pragmatism, 1982, p.217</a>)</p></blockquote>
<p>So wäre denn am Ende die erfolgreiche Einführung des lnguistic turn ebenfalls nicht mit einem methodischen Programm verbunden, sondern lediglich ein Sprechstil oder eine Redewendung, die einen begrifflich unscharfen, wohl aber gesellschaftlich relevanten Umschwung meint. Selbst dann wenn er, wie der lingtistic turn, letztlich nur für eine bestimmte philosophische Schule von Bedeutung war. Was die gesellschaftliche Relevanz betrifft, scheint der <em>iconic turn</em> sich weit allgemeiner und breiten auszuwirken als sein philosophischer Vorfahr, denn er beschränkt sich nicht allein auf eine fachspezifischen  Bewegung, sondern tritt uns als Phänomen allgegenwärtig vor Augen. So hat denn auch Sachs-Hombach am Ende sein Einsehen und erteilt dem iconic turn wenigstens eine partielle Absolution.</p>
<blockquote><p>Wenn es nun berechtigt sein sollte, in der dritten Lesart für den Bildbereich eine dem linguistic turn vergleichbare Wende auszurufen, dann wäre damit der Anspruch erhoben, daß es vor allem (oder zumindest in demselben Maße) die Bildkompetenz (und nicht nur die Sprachkompetenz) ist, die uns als Menschen auszeichnet.(S.10f.)</p></blockquote>
<p>Nur gut, dass wir beim Sprechen und Denken nicht auf die Berechtigungs-Papiere der Anhänger des linguistic turn angeweisen sind. Es genügt schon Wittgenstein, um die Machtansprüche seiner verbohrten Nachfolger zu erledigen: <em>Die Bedeutung eines Wortes ist sein Gebrauch in der Sprache.</em> Also sprechen wir weiter vom iconic turn, in der Gewissheit, dass er selbst als fa<em>ç</em>on de parler genügend Aufmerksamkeit auf sich zieht.</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Movens Bild: Bewegende Beweger</title>
		<link>http://www.iconicturn.de/2009/06/movens-bild-bewegende-beweger/</link>
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		<pubDate>Fri, 05 Jun 2009 10:18:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sh</dc:creator>
				<category><![CDATA[Reviews]]></category>
		<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<category><![CDATA[Bildwissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Iconicturn]]></category>

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		<description><![CDATA[
Bildausschnitte sind gefährlich. Das sollten Bildwissenschaftler wissen. Der Forschungs-Schwerpunkt Eikones, eines der prominentesten derartigen Zentren im Bereich der deutschsprachigen Bildwissenschaften, hat unter dem Titel Movens Bild einen umfangreichen Tagungsband vorgelegt. Online sucht man nach den Aufsätzen leider vergeblich.
Wer das Cover des Buches erkennt, ahnt ein wenig, was es mit dem Inhalt auf sich hat. Die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-32" title="movens_bild_cover_01" src="http://www.iconic-turn.de/wp-content/uploads/2009/06/movens_bild_cover_011.jpg" alt="movens_bild_cover_01" width="200" height="189" />Bildausschnitte sind gefährlich. Das sollten Bildwissenschaftler wissen. Der Forschungs-Schwerpunkt <a href="http://www.eikones.ch/">Eikones</a>, eines der prominentesten derartigen Zentren im Bereich der deutschsprachigen Bildwissenschaften, hat unter dem Titel <strong>Movens Bild</strong> einen umfangreichen Tagungsband vorgelegt. Online sucht man nach den Aufsätzen leider vergeblich.</p>
<p>Wer das Cover des Buches erkennt, ahnt ein wenig, was es mit dem Inhalt auf sich hat. <em>Die Fotos aus Thomas Struths Audience Serie können dem Band ein Bild geben</em>, wird lapidar im Vorwort vermerkt. Wie genau das zu verstehen ist, bleibt offen.<span id="more-15"></span></p>
<p>Was sehen wir auf dem Buchcover? Da stehen drei junge Menschen. Der eine schaut mit einem erwartungsvollen Lächeln nach oben. Seine Nachbarin stiert in dieselbe Richtung, wobei sie mit beiden Händen den Schulterträger ihrer Tasche hält. Eine Dritte blickt in die Kamera, ein wenig misstrauisch, als hätte sie die Regieanweisungen nicht richtig verstanden. Im Hintergrund sehen wir einen älteren Herren in einem roten Hemd. Er hält einen Hut und scheint einer Unterhaltung zuzuhören, die sich jenseits des Frontcovers abspielt.</p>
<p>Was die jungen Menschen so in seinen Bann zieht, wird uns vorenthalten. Wer sich auskennt oder das Bild im Internet sucht, wird unter den <a href="http://www.nrw-museum.de/output/controller.aspx?cid=101&amp;detail=2&amp;detail2=230">Stichworten Thomas Struth und Audience </a>rasch fündig. Die Betrachter stehen vor Michelangelos Skulptur David, gesehen in der Galleria dell&#8217;Accademia in Florenz. Damit nimmt das Bild vorweg, was das Buch erfüllt. Die Betrachter befinden sich in einem Museum und das Buch handelt von Kunst, vor allem jedenfalls.</p>
<p>Die große Mehrzahl der Beiträge widmen sich recht konventionellen kunsthistorischen Themen. Das wirkt ein wenig seltsam. Den nicht nur hat sich die Kunst von den Bildern entfernt, sondern auch die meisten Bilder, von denen wir umgeben sind, entstammen keinesfalls dem Bereich der Kunst. Abseits der Kunst sind gerade einmal 6 von 16 Beiträgen angesiedelt. Andreas Cremonini widmet sich dem Glanz und Glamour in der Werbung und erprobt sich daran mit phänomenologischen Methoden. Hermann Kappelhoff untersucht einmal mehr Eisensteins Theorie des Bewegungsbildes, ein beliebter Gegenstand der Geisteswissenschaften. Heike Behrend beschäftigt sich mit dem etwas abgelegenen, aber nichtsdestoweniger spannenden Thema des islamischen Bilderverbots an der Ostküste Kenias. Der Theologe Christoph Markschies macht sich Gedanken über Kosmologie und Weltbilder des frühen Christentums. Schließlich sucht Sybille Peter nach Evidenz in PowerPoint-Präsentationen.</p>
<p>Den vielen Kunsthistorikern, die ansonsten in dem Band schreiben, hätte freilich das Unglück auffallen können, das sie mit der Wahl ihres Titelbildes anrichten. Es wird der Absicht des Künstlers Thomas Struth alles andere als gerecht. Er arbeitet mit Analogaufnahmen, die so gut wie nie nachträglich bearbeitet oder gar beschnitten werden. Soweit wie möglich versucht er den Eindruck eines Ortes und eines Moments zu erhalten. Dazu trägt auch die Größe seiner Bilder bei. Das Format von mehr als drei Meter Breite und fast zwei Meter Höhe sorgt dafür, das man den Figuren beinahe in Lebensgröße gegenüber tritt. In der <a>Ausstellung in der Galerie Marian Goodman 2004</a> hat Struth die ganze Serie der 16 Fotos gezeigt. Sie sind fast alle vom selben Standpunkt vor Michelangelo&#8217;s Skulptur David aufgenommen. Der Umschlag des Buches verkleinert die Bilder nicht nur auf 12 cm, sondern schneidet den Figuren auch noch durchweg die Beine ab. Wer sich die lebensgroßen Tableaus als Serie vorstellt, dem wird sofort klar, wie weit das Buchcover die Intentionen des Künstlers verdreht und aus einer tatsächlich bewegenden Evidenz ein läppische Glotzen macht.</p>
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<p>Movens Bild. Zwischen Eivdenz und Affekt von Gottfried Boehm, Birgit Mersmann, und Christian Spies. EUR 39,90</p></div>
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