Texte von Huber, Hans-Dieter

Thesen zu einer Systemischen Bildwissenschaft

– von Huber, Hans-Dieter

betrachter_imbildWie kann eine Bildwissenschaft aussehen, die den neuen visuellen Praktiken zeitgenössischer Bildproduktion gerecht wird? Seit DJs mit VJs zusammenarbeiten, hat sich auch für Bildforscher ein neues Feld aufgetan. Der Kunstwissenschaftler Hans Dieter Huber plädiert für eine systemische Bildwissenschaft.

Systemische Bildwissenschaft geht davon aus, dass eine Beobachtung von Bildern ohne Beobachter nicht möglich ist. Beide sind bei ihrer Begegnung in ein gemeinsames soziales Milieu einbettet. Diese Bestimmung ist insofern von Bedeutung, als hier erstens das Verhältnis zwischen Bildern und ihren ästhetischen, sozialen, institutionellen, ökonomischen, politischen oder kulturellen Milieus beschrieben werden kann sowie zweitens das Verhältnis zwischen Beobachtern, ihren sozialen Milieus und den darin bevorzugten Lebensstilen und Existenzformen genauer untersucht werden kann. Es gibt keine Möglichkeit, dass sich Bild und Beobachter bei ihrer Begegnung in zwei verschiedenen Milieus befinden. Diese Tatsache ist von Bedeutung, da das Milieu voreinstellende und verhaltenskalibrierende Wirkungen auf den Beobachter hat. Es stellt ihn darauf ein, welche Arten von Bildern er in diesem Milieu höchstwahrscheinlich zu erwarten hat, wie er sich diesen Bildern gegenüber angemessen zu verhalten hat, wie er ihre ästhetische, gesellschaftliche oder historische Funktion verstehen soll, was als eine angemessene und adäquate Form des Handelns und Reagierens gegenüber diesen Bildern gilt. Diesen Beitrag weiterlesen »