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	<title>Iconic Turn &#187; Autor</title>
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	<description>Neues aus den Bildwissenschaften</description>
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		<title>Charles Kenny&#8217;s verkehrte Welt: Fernsehen, nicht Facebook regiert</title>
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		<pubDate>Tue, 03 Nov 2009 14:13:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sh</dc:creator>
				<category><![CDATA[Autor]]></category>
		<category><![CDATA[Stefan Heidenreich]]></category>
		<category><![CDATA[Facebook]]></category>
		<category><![CDATA[Fernsehen]]></category>

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		<description><![CDATA[TV ist und bleibt die grösste Volksbewegung der Welt. Das behauptet Charles Kenny auf Foreign Policy, und sein Blick umfasst tatsächlich die Welt als Ganzes. Dort aus sieht einiges sehr anders aus als im heimeligen Deutschland, wo sich Beststeller-Philosoph Riachard Precht auf den Medientagen ebenso provinziell wie traditionell um die Fragmentierung der Öffentlichkeit sorgt.
Kenny nennt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-530" title="tv-katmandu- rpb1001" src="http://www.iconicturn.de/wp-content/uploads/2009/11/tv-katmandu-rpb1001.jpg" alt="tv-katmandu- rpb1001" width="220" height="205" />TV ist und bleibt die grösste Volksbewegung der Welt. Das behauptet Charles Kenny auf<a href="www.foreignpolicy.com/articles/2009/10/19/revolution_in_a_box?page=full"> Foreign Policy</a>, und sein Blick umfasst tatsächlich die Welt als Ganzes. Dort aus sieht einiges sehr anders aus als im heimeligen Deutschland, wo sich Beststeller-Philosoph Riachard Precht auf den <a href="http://www.medientage-muenchen.de/">Medientagen</a> ebenso provinziell wie traditionell um die Fragmentierung der Öffentlichkeit sorgt.</p>
<p>Kenny nennt viele Zahlen und erwähnt einige überraschende Seiteneffekte des Fernsehens. Das Fernsehen und nicht die vielgepriesenen Social Networks ist einer der großen Wachstumsmärkte weltweit. Unsere ganzanders gelagerte Wahrnehmung liegt daran, dass wir die andere Seite des digital Divide vergessen &#8211; Gebiete, in denen es weder Internet noch Strom, aber viele Menschen gibt. Dort sieht Kenny dank günstiger Stromversorgung ein Wachstums-Potenzial von 150 Millionen neuen TV-Haushalten bis 2013 &#8211; lange bevor das Netz ankommen wird.<span id="more-529"></span></p>
<blockquote><p>In the not-too-distant future, it is quite possible that the world will be watching 24 billion hours of TV a day &#8212; an average of close to four hours for each person in the world.</p></blockquote>
<p>Der Vormarsch des Fernsehen hat, so Kenny, einige nicht ganz unpolitische Seiteffekte.</p>
<blockquote><p>Simply giving a village access to cable TV, research by scholars Robert Jensen and Emily Oster has found, has the same effect on fertility rates as increasing by five years the length of time girls stay in school.</p></blockquote>
<p>So zweifelhaft der herbeigeforschte Zusammenhang von Schule, Fernsehen und Geburtenrate auch sein mag &#8211; Kenny weist darauf hin, dass Fernsehen vor allem in den Serien Rollenmodelle kinderarmer Mütter zeigt, die ihren Eindruck nicht verfehlen.<br />
Es wäre ein amüsanter absurder Gedanke, auch dieses Detail der verkehrten Welt auf Deutschland übertragen. Ließen sich doch die Probleme mit der Geburtenrate mit simpler TV-Abstinenz lösen.<br />
Auch sein Blick auf Öffentlichkeit läuft der deutschen zwangsgebühr-finanzierten Monokultur-Wunschphantasie doch sehr zuwider.</p>
<blockquote><p>The explosion of choice is loosening the grip of bureaucrats the world over, who in many countries have either run or controlled programming directly, or heavily regulated the few stations available.</p></blockquote>
<p>Für Kenny keine Frage. Eine wirkliche Öffentlichkeit entsteht gerade mit der Fragmentierung der Programme, die neue Gemeinschaften hervorbringt, nicht in ihrer staatlich geförderten Konzentration. Daher sein Ratschlag:</p>
<blockquote><p>But for the most part, politicians ought to be paying less attention to TV, not more. They shouldn&#8217;t be limiting the number of channels or interfering in the news. A vibrant, competitive television market playing Days of Our Lives or<br />
Días de Nuestras Vidas on loop might have a bigger impact even than well-meaning educational programs. And competition is critical to ensuring that television helps inform voters, not just indoctrinate them.</p></blockquote>
<p>Ob Soaps wirklich das Erziehungsmittel der Wahl sind, sei dahin gestellt. Hier schiesst Kenny wohl übers Ziel hinaus, wenn auch einer Ebene höher als Precht, der noch quasi staatmonopolistisch argumentiert, wenn er behauptet:</p>
<blockquote><p>dass eben außer den Öffentlich-Rechtlichen niemand die gewährte Chance hat, Öffentlichkeit herzustellen.</p></blockquote>
<p>Mangels öffentlich-rechtlicher Quelle zitiert nach Stefan Münkers <a href="http://www.perlentaucher.de/artikel/5824.html">Entgegnung</a>, der sich gegen solchen Unsinn wehrt. Die Erkenntnis, dass Fragmentierung gerade die Voraussetzung einer freien öffentlichen Meinung ist, war bei den Münchner Medientagen offenbar nicht gefragt. Kein Wunder angesichts der Lage, aber auch kein Lichtblick.<br />
_______________<br />
Foto rpb1001</p>
<p>http://www.flickr.com/photos/rpb1001/497368390/</p>
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		<title>Das Bild in mir</title>
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		<pubDate>Thu, 16 Nov 2006 07:10:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sh</dc:creator>
				<category><![CDATA[Viola, Bill]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Video]]></category>

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		<description><![CDATA[Mein kreatives Werkzeug ist die Kamera. Sie ermöglicht uns eine physische Verbindung mit der Welt der Dinge. In der antiken Philosophie galt Sehen gemeinhin als eine Ausdrucksform des Tastsinns. Das Licht entspringt an einem weit entfernten Punkt, der viele Kilometer oder &#8211; wie das Licht der Himmelskörper &#8211; Millionen von Lichtjahren entfernt sein kann, und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-446" title="billviola_t" src="http://www.iconic-turn.de/wp-content/uploads/2009/06/billviola_t.jpg" alt="billviola_t" width="100" height="100" />Mein kreatives Werkzeug ist die Kamera. Sie ermöglicht uns eine physische Verbindung mit der Welt der Dinge. In der antiken Philosophie galt Sehen gemeinhin als eine Ausdrucksform des Tastsinns. Das Licht entspringt an einem weit entfernten Punkt, der viele Kilometer oder &#8211; wie das Licht der Himmelskörper &#8211; Millionen von Lichtjahren entfernt sein kann, und trifft auf die lichtempfindliche Oberfläche der Kameralinse, auf den Kontaktpunkt. Die Arbeit mit der Videokamera beinhaltet daher auch immer das Reisen, den Schritt hinausin die physische Welt, um mit dem Bild in Kontakt zu treten, sein Licht festzuhalten. Aber jedes Mal, wenn ich eine Kamera in die Hand nahm, war da eine unausgesprochene Spannung, ein Gefühl, dass ich ein Bild »aufnehme« oder »einfange« &#8211; vertraute Wörter, die wir benutzen, um den entscheidenden Akt der fotografischen Kunst zu beschreiben. Es kam mir vor, als müsste ich das Bild fassen, bevor es mir entkam, als müsste ich es »schießen«, wie bei der Jagd. Die Kamera gab mir das Gefühl, dass sich da draußen in der Welt Bilder befanden, die man pflücken konnte wie reife Früchte, und dass es meine Aufgabe war, das vollkommene Bild, den vollkommenen Augenblick aufzuspüren.<span id="more-445"></span></p>
<div>
<p>Aber nach und nach begriff ich, dass diese Bilder in mir waren, nicht in der Kamera, und meine Beziehung zur Landschaft, zum Motiv, wurde mehr zu einer Art Tanz, einem schwierigen Balanceakt, in dem Wahrnehmung und Erinnerung zusammenfielen.</p>
<p>Die Videokamera ist ein ganz besonderes technisches Gerät. Sie verkörpert die Verbindung von Wahrnehmung und Erinnerung. Sie hält die spontane Abfolge der Ereignisse fest, die Flut von Bildern, die sich innerhalb des Lebensfeldes ununterbrochen entfalten und verändern, und fügt die eingefangene Wahrnehmung dann im Playbackverfahren an einem späteren Punkt wieder in den Zeitstrom ein. Im Kino passiert natürlich etwas Ähnliches, aber das Bild entsteht erst später,wenn der Film entwickelt ist. In der Videoaufzeichnung wird das Bild direkt übertragen. Es existiert parallel zum Fluss der Zeit. Die Entwicklungslinie der Technologie lässt sich von der Fotografie zum Kino und dann weiter bis hin zur Videotechnik und den digitalen Medien verfolgen. Dass lebendige, dynamische Bilder und eine universale Bildsprache Bestandteil menschlicher Bildproduktion werden und private und öffentliche Bereiche miteinander verbinden, ist in der Geschichte der Menschheit ein beispielloses Ereignis.</p>
<p>Doch die Kamera hat noch eine weitere entscheidende Funktion: Sie grenzt Information ein. Sie ist keineswegs, wie oft behauptet wird, das offene Fenster zur Welt, sondern engt vielmehr das Blickfeld ein, beschränkt die schiere Masse der visuellen Information, die auf uns einstürzt. Wenn wir die Kamera auf eine Stelle richten, sehen wir nicht mehr, was an anderer Stelle vor sich geht. Darin liegt die sehr reale politische Sprengkraft dieses Mediums.</p>
<p>Gleichzeitig aber erweitert die Kamera, und vor allem die Videokamera, das Erlebnis. Sie kreiert leuchtende, strahlende elektronische Bilder in dem Moment, in dem sie geschehen. Vom künstlerischen Prozess her betrachtet, nimmt sie dem Künstler damit ab, die Bilder von Hand herzustellen &#8211; ein zeitaufwändiger Vorgang, der den Beobachter außerdem von der Erfahrung trennt.</p>
<p>Mit der Kamera kann der Bildmacher gleichzeitig beobachten und teilnehmen und sich innerhalb und außerhalb einer Erfahrung befinden. Es ist kein Zufall, dass dies exakt auch als Beschreibung auf den Ort zutrifft, den das Individuum in unserer heutigen Mediengesellschaft einnimmt.</p>
<p>(aus: Hubert Burda, Christa Maar (Hg.): Iconic Turn. Die neue Macht der Bilder, Köln: DuMont 2004, S.201)</p></div>
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		<title>„Heiliger Grobianus“ – Historisches zum Karikaturenstreit</title>
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		<pubDate>Mon, 20 Feb 2006 10:47:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sh</dc:creator>
				<category><![CDATA[Autor]]></category>
		<category><![CDATA[Reitinger, Franz]]></category>

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		<description><![CDATA[
Im Zuge der Vorbereitungsarbeiten zur Berliner Festwochen-Ausstellung Europa und der Orient des Jahres 1989 zogen die Ausstellungsorganisatoren eine Miniaturmalerei aus dem 15. Jahrhundert aus Furcht vor muslimischen Übergriffen zurück. Die entsprechende Miniatur stellte dar, wie Mohammed im siebten Himmel von den aus der Überlieferung des Koran als &#8220;Huris&#8221; bekannten Paradiesjungfrauen verwöhnt wurde&#8230; Die Abbildung war, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-273" title="reitinger_autoaus" src="http://www.iconic-turn.de/wp-content/uploads/2009/06/reitinger_autoaus.jpg" alt="reitinger_autoaus" width="200" height="178" />Im Zuge der Vorbereitungsarbeiten zur Berliner Festwochen-Ausstellung <em>Europa und der Orient</em> des Jahres 1989 zogen die Ausstellungsorganisatoren eine Miniaturmalerei aus dem 15. Jahrhundert aus Furcht vor muslimischen Übergriffen zurück. Die entsprechende Miniatur stellte dar, wie Mohammed im siebten Himmel von den aus der Überlieferung des Koran als &#8220;Huris&#8221; bekannten Paradiesjungfrauen verwöhnt wurde&#8230; Die Abbildung war, unbeschadet der fünfhundert Jahre, die seit ihrer Entstehung verstrichen waren, bis in die Gegenwart brandaktuell geblieben. Das Fragment einer fremden Zeit hatte sich wie eine Wunde in das Geschichtsgefüge der abendländischen Kulturentwicklung gegraben.<span id="more-271"></span></p>
<p>Seither sind auch andere Beispiele von angstgeleiteter Vor- und Selbstzensur bekannt geworden. Die völlig überzogenen Reaktionen, die zwölf mittelmäßige Karikaturen Monate nach ihrem Erscheinen in einer Tageszeitung eines europäischen Kleinstaats in weiten Teilen der islamischen Welt auslösten, sind so gespenstisch wie absurd&#8230; In der Diskussion um die aktuellen Vorfälle wird meist übersehen, dass in dem Konflikt zwei Komponenten einander überlagern: Im Mittelpunkt der Medienberichterstattung steht naturgemäß das Bilderverbot und damit die Auseinandersetzung um kirchenrechtliche Fragen, die die Visualisierung sichtbarer und unsichtbarer Tatsachen betreffen. Wie weit reicht die religiöse Sphäre in das öffentliche Leben? Gelten religiöse Vorschriften auch für die Politik, die Justiz, die Wissenschaft oder die Kunst? Vor der Kodifizierung des bürgerlichen Rechts und der Etablierung einer zivilen Rechtssprechung war es in den meisten europäischen Ländern üblich gewesen, religiöse Vergehen nach kirchlichem Recht zu ahnden. Goya war einer der letzten Künstler gewesen, die das blutige Treiben von Inquisition und Autodafé aus eigener Anschauung kannten und in ihren Werken anprangerten.</p>
<p>Das Prinzip der Gewaltenteilung und die Ausdifferenzierung der westlichen Gesellschaften in verschiedene Kompetenz- und Verantwortungssphären führten zur Einschränkung der jeweiligen Teilbereiche und ihres absoluten Geltungsanspruchs. Die Ausbildung eines öffentlichen Raums gestattete die Verhandlung und Vermittlung dieser Sphären auf breiter Grundlage. Der Effekt dieses gewaltenteiligen Systems lässt sich etwa am Beispiel der calvinistischen Bilderstürmer darlegen. Calvins Bilderverbot blieb auf den Kirchenraum beschränkt und konnte den Aufschwung von Kartographie, wissenschaftlicher Buchillustration, Genre- und Landschaftsmalerei in den Niederlanden, England und den Vereinigten Staaten nicht verhindern.</p>
<p>In den fraglichen zwölf Karikaturen geht es nicht nur um die Problematik des Bilderverbots. Ebenso wichtig ist die Frage: Welchen historischen Stellenwert hat das Lachen und die Erzeugung von Lacheffekten mittels sprachlichen und ikonischen Zeichen in der islamischen Welt überhaupt? Bis heute gilt die politische Karikatur nach englischem Vorbild als Inbegriff einer Demokratisierung des Bildes. Ihre Erfindung zu Anfang des 18. Jahrhunderts ist als eine Folge der durch die Glorreiche Revolution in Gang gesetzten demokratischen Erneuerung des politischen Systems in England anzusehen. In einer Zeit, als im übrigen Europa das Lachen in Bildern durchwegs als Lachen von oben, das heißt, als Propaganda im Dienst der Herrschenden begriffen worden war, exerzierten englische Karikaturisten vor, wie man sich den gewaltlosen Schlagabtausch zwischen Anhängern der Regierung und der Opposition vorzustellen habe. Bildsatire war nie unschuldig, egal ob man an die Flugblattpropaganda im niederländischen Befreiungskampf und im Dreißigjährigen Krieg oder an die breit gefächerte Bildpublizistik denkt, die die Jakobinerrevolution im Frankreich des 18. Jahrhunderts begleitete. Kolonialismus und nationalstaatliche Politik trugen dazu bei, dass die politische Karikatur viel von ihrer Glaubwürdigkeit verlor und zu einer ebenso grimmigen wie blutrünstigen Angelegenheit wurde&#8230;</p>
<p>Die Entwicklung der religiös motivierten Bildsatire verlief anders als die der politischen Karikatur. Die Verspottung religiöser Parteien war dem byzantinischen Bildkreis nicht unbekannt und erreichte im Zuge der konfessionellen Auseinandersetzungen am Beginn der Neuzeit relativ früh ein beachtliches Niveau. Schon die alten Griechen hatten sich über ihre Götter lustig gemacht und auch in der christlichen Welt war es nur ein kleiner Schritt vom verehrten Volks- zum verlachten Säulenheiligen. Die Bildsatire Europas scharte ein ganzes Pandämonium fragwürdiger Pseudo-Heiliger wie den heiligen Grobianus oder die heilige Seltenfried um sich, denen man in parodierender Absicht Altäre baute und Opfer darbrachte. Lediglich das Bild Gottes blieb in seiner dreifachen Gestalt als Schöpfergott, als Religionsgründer und als Zeitenrichter von der religiösen Polemik verschont. Dies hinderte die himmlischen Mächte jedoch keineswegs, in den Spottdrucken als sanktionierende Instanz in Erscheinung zu treten.</p>
<p><img style="border-style: solid; border-width: 0px; width: 400px; height: 242px;" src="http://www.iconicturn.de/fileadmin/user_upload/Redaktion/Blog_Bilder/Aufklaerung.gif" alt="" /></p>
<p>Interessant erscheint aber doch, dass der Vorgang der Gotteslästerung innerhalb der christlichen Bildtradition immer wieder über die Jahrhunderte thematisiert wurde und sich dem christlichen Gedächtnis im Bild des Gottesattentats einprägte. Die Motivgeschichte des Gottesattentats ergibt ein über mehrere hundert Seiten langes, lesenswertes Kompendium all jener Schüsse, die Ihn nicht erreichten“. Die damit verbundene Bildvorstellung war indes keine originär christliche, sondern wurde vor 1200 wie andere Stoffe und Motive aus dem arabischen Raum übernommen. Die Evokation des Lästerungsvorgangs im Bild war seither Teil der christlichen Abschreckungsstrategie mit der Folge, dass der Tatbestand des Gottesattentats als solcher affirmiert wurde und die Möglichkeit von Folgeattentaten als permanente Bedrohung im Raum stand&#8230;</p>
<p>Es wäre eine Illusion zu glauben, wir lebten in einer Epoche der Gleichzeitigkeit, in der die historischen Zeiten in der Virtualität eines technisch vermittelten Raums einfach kollabierten. Zweihundertfünfzig Jahre dauerte es etwa, bis die Motive des humoristischen Volksbilderbogens, wie sie in Deutschland seit dem 15. Jahrhundert Verbreitung fanden, auch Russland und Skandinavien erreichten. Die politische Karikatur wurde in vielen europäischen Ländern erst mit hundertjähriger Verzögerung heimisch. Den Napoleonischen Kriegen kam dabei ebenso katalysatorische Bedeutung zu wie der Studentenrevolution und der Einführung der Pressefreiheit im Jahr 1848. Die globale Beschleunigung unserer modernen Gesellschaften lässt darüber hinwegtäuschen, dass Bereiche der symbolischen Kommunikation nicht mit der allgemeinen Entwicklung Schritt gehalten haben. Es scheint sich jetzt zu rächen, dass viele der nicht-westlichen Gesellschaften wesentliche Entwicklungen des Bildes übersprungen haben, um unversehens im globalen Dorf zu landen, das nun seinerseits den überlieferten Vorstellungen unterworfen werden soll. Nur so ist es zu verstehen, dass eine vormoderne Bildform wie die Karikatur und nicht etwa ein avanciertes Medienprodukt oder ein zeitgenössisches Kunstwerk den Anstoß zu den aktuellen Protesten gab&#8230;</p>
<p>Es wäre ein grober Fehler, die Macht der Bilder zu unterschätzen. Die Vergangenheit bietet mehrere Beispiele dafür, dass Bilder Kriege auszulösen vermochten, zuletzt im späten 17. Jahrhundert als England den Holländern den Krieg erklärte, weil diese die englischen Staatssymbole in Spottbildern verächtlich gemacht hatten. Die heftige und unverhältnismäßige Massenreaktion, die die zwölf besagten Karikaturen in einigen Weltregionen auszulösen imstande sind, erklärt sich wohl am ehesten damit, dass der Ort des Göttlichen als eine Art ultimatives Heiliges betrachtet wird, das der allgemeinen Nivellierung der Werte durch eine kommerzialisierte Medienwirklichkeit entgegensteht, in der die überlieferten Wertvorstellungen nur noch in den Figuren ihrer Verkehrung und Pervertierung fortbestehen. Die Situation wird in diesen Ländern dadurch erschwert, dass der auf den Menschen lastende Modernisierungsdruck, anders als dies die Medien suggerieren, kaum durch Wohlstandsgewinne abgefedert wird. Die aufgestauten Gefühle der Frustration und Verzweiflung lassen viele derart – nicht anders als schon in den Ländern der ehemaligen Achsenmächte zu Anfang der dreißiger Jahre zu einem willfährigen Instrument der politischen Manipulation werden.</p>
<p>Tatsächlich geht es im Kern der Auseinandersetzung überhaupt nicht um die mutwillige Verletzung von Gefühlen, sondern, im Gegenteil, um die politisch motivierte Verschleierung und Tabuisierung von Verhältnissen der Unterdrückung, für die die Religion den willfährigen Vorwand abgibt. Genau diese Verhältnisse sichtbar zu machen, sind alle im Einzugsbereich des Bildes tätigen Kulturschaffenden aufgerufen.</p>
<p>Mit hehren Worten wurde dieser Tage die Freiheit der Kunst beschworen. Doch geht es hier in der Sache tatsächlich um Kunst? Wenn uns daran gelegen ist, in den islamischen Ländern verstanden zu werden, täten wir vermutlich besser, es bei dem Rekurs auf die essenziellen Grundrechte der Meinungs- und Pressefreiheit bewenden zu lassen. Dass es einer subventionierten Freiheit bedarf, um den Auswüchsen einer liberalisierten Freiheit zu begegnen und etwas vom Ideal der großen Freiheit in den heutigen Medienalltag hinüberzuretten, dürfte von außen nur weitere Fragen provozieren. Die eigentliche Herausforderung besteht in der Erhaltung und langfristigen Sicherung eines repressionsfreien Raums zur Artikulation kontroverser Meinungen, nicht aber in dem Beharren auf alten und der Schaffung von neuen Privilegien.</p>
<p>Abbildung: Francisco Goya: Inquisitionsszene (Ausschnitt), ca. 1816, Königliche Akademie von San Fernando, Madrid</p>
<p>(Franz Reitinger ist Historiker mit den Spezialgebieten Neuzeitliche Bildforschung, Randformen des Bildes und Kartographie der praktischen Vernunft.)</p></div>
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		<title>Thesen zu einer Systemischen Bildwissenschaft</title>
		<link>http://www.iconicturn.de/2005/06/thesen-zu-einer-systemischen-bildwissenschaft/</link>
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		<pubDate>Fri, 17 Jun 2005 12:05:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sh</dc:creator>
				<category><![CDATA[Huber, Hans-Dieter]]></category>
		<category><![CDATA[Bildwissenschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[Wie kann eine Bildwissenschaft aussehen, die den neuen visuellen Praktiken zeitgenössischer Bildproduktion gerecht wird? Seit DJs mit VJs zusammenarbeiten, hat sich auch für Bildforscher ein neues Feld aufgetan. Der Kunstwissenschaftler Hans Dieter Huber plädiert für eine systemische Bildwissenschaft.

Systemische Bildwissenschaft geht davon aus, dass eine Beobachtung von Bildern ohne Beobachter nicht möglich ist. Beide sind bei [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-311" title="betrachter_imbild" src="http://www.iconic-turn.de/wp-content/uploads/2009/06/betrachter_imbild.jpg" alt="betrachter_imbild" width="99" height="100" />Wie kann eine Bildwissenschaft aussehen, die den neuen visuellen Praktiken zeitgenössischer Bildproduktion gerecht wird? Seit DJs mit VJs zusammenarbeiten, hat sich auch für Bildforscher ein neues Feld aufgetan. Der Kunstwissenschaftler Hans Dieter Huber plädiert für eine systemische Bildwissenschaft.</p>
<div>
<p><em>Systemische Bildwissenschaft </em>geht davon aus, dass eine Beobachtung von Bildern ohne Beobachter nicht möglich ist. Beide sind bei ihrer Begegnung in ein gemeinsames soziales Milieu einbettet. Diese Bestimmung ist insofern von Bedeutung, als hier erstens das Verhältnis zwischen Bildern und ihren ästhetischen, sozialen, institutionellen, ökonomischen, politischen oder kulturellen Milieus beschrieben werden kann sowie zweitens das Verhältnis zwischen Beobachtern, ihren sozialen Milieus und den darin bevorzugten Lebensstilen und Existenzformen genauer untersucht werden kann. Es gibt keine Möglichkeit, dass sich Bild und Beobachter bei ihrer Begegnung in zwei verschiedenen Milieus befinden. Diese Tatsache ist von Bedeutung, da das Milieu voreinstellende und verhaltenskalibrierende Wirkungen auf den Beobachter hat. Es stellt ihn darauf ein, welche Arten von Bildern er in diesem Milieu höchstwahrscheinlich zu erwarten hat, wie er sich diesen Bildern gegenüber angemessen zu verhalten hat, wie er ihre ästhetische, gesellschaftliche oder historische Funktion verstehen soll, was als eine angemessene und adäquate Form des Handelns und Reagierens gegenüber diesen Bildern gilt.<span id="more-310"></span></p>
<p>Man kann keines dieser drei Bestimmungstücke aus einer systemischen Bildwissenschaft entfernen oder eines der drei Elemente auf die beiden anderen reduzieren. Ohne Bilder gibt es keine Bildwahrnehmung, ohne Beobachter gibt es keine Interpretation von Bildern, und ohne ein umgebendes Milieu gibt es keine Situation, in der sich ein Bild und ein Beobachter jemals begegnen könnten. Diese Trilogie ist grundlegend. Sie stellt die Ausgangssituation jeglicher bildwissenschaftlichen Untersuchungstätigkeit dar.<br />
<em>Hans Dieter Huber </em></p>
<p><a href="http://www.abk-stuttgart.de/kg/personen/huber.html">Hans Dieter Huber</a>ist Professor für Kunstgeschichte der Gegenwart, Ästhetik und Kunsttheorie an der <a href="http://www.abk-stuttgart.de/frames.php">Staatlichen Akademie der Bildenden Künste </a>in Stuttgart und Autor des Buchs <a href="http://www.hatjecantz.de/controller.php?cmd=detail&amp;titzif=00001417">Bild Beobachter Milieu</a>.</p>
<p>Mehr:<br />
<a href="http://www.vk.abk-stuttgart.de/">Visuelle Kompetenz im Medienzeitalter </a><br />
<a href="http://www.hgb-leipzig.de/ARTNINE/huber/aufsaetze/interview1.html">Interview</a><br />
<a href="http://www.hgb-leipzig.de/artnine/">Artnine-Art in the Nineties </a></div>
]]></content:encoded>
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		</item>
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		<title>Bildwissenschaft? Eine Zwischenbilanz</title>
		<link>http://www.iconicturn.de/2005/05/bildwissenschaft-eine-zwischenbilanz/</link>
		<comments>http://www.iconicturn.de/2005/05/bildwissenschaft-eine-zwischenbilanz/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 19 May 2005 12:16:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sh</dc:creator>
				<category><![CDATA[Burk, Jens Ludwig]]></category>
		<category><![CDATA[Bildwissenschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[von Jens-Ludwig Burk
Hans Belting, Direktor des IFK in Wien, eröffnete die Tagung „Bildwissenschaft? Eine Zwischenbilanz“ mit dem Apell, über das „Bild“ als modischem Diskursfetisch nicht die „Bilder“ aus dem Blick zu verlieren. Ein Summary ausgewählter Beiträge.
Entsprechend eines Verständnisses von Bildpraktiken als Kulturpraktiken (bzw. –techniken) stand die Tagung unter der Prämisse, das Thema der Bilder in [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>von Jens-Ludwig Burk</p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-325" title="biwi_zwischenbilanz" src="http://www.iconic-turn.de/wp-content/uploads/2009/06/biwi_zwischenbilanz.jpg" alt="biwi_zwischenbilanz" width="125" height="124" />Hans Belting, Direktor des <a href="http://www.ifk.ac.at/calendar.php?e=190">IFK</a> in Wien, eröffnete die Tagung „Bildwissenschaft? Eine Zwischenbilanz“ mit dem Apell, über das „Bild“ als modischem Diskursfetisch nicht die „Bilder“ aus dem Blick zu verlieren. Ein Summary ausgewählter Beiträge.</p>
<p>Entsprechend eines Verständnisses von Bildpraktiken als Kulturpraktiken (bzw. –techniken) stand die Tagung unter der Prämisse, das Thema der Bilder in die Kulturwissenschaften einzuführen. Sekundiert wurde diese Forderung von dem in Wien nicht anwesenden Horst Bredekamp, der in seinem ZEIT-Interview vom 6. April 2005 die zentrale Forderung nach Bildforschung für das Unternehmen Bildwissenschaft hervorgehoben und dabei auf die unverzichtbare Rolle von Kunstgeschichte und Archäologie hingewiesen hat. Vertreter aus Kunst- und Kulturwissenschaften, Wissenschaftsgeschichte, Literaturwissenschaften und Philosophie – darunter mit Gottfried Boehm (<em>iconic turn</em>) und W. J. T. Mitchell (<em>pictorial turn</em>) zwei Namensgeber der als Paradigmenwechsel verstandenen Wendung zum Bildlichen – folgten Beltings Einladung, sich den Bilden über die Bildpraxis zu nähern.</p>
<p>Bildproduktion als eine Kulturtechnik neben anderen Kulturtechniken behandelte Thomas Machos Vortrag. In ihrer Rekursivität sind Kulturtechniken unterschieden von Tätigkeiten, die sich nicht selbst zum Thema machen können. „Bilden“ hat als Ergebnis immer ein Ding, ein Objekt, ein Artefakt. Kulturtechniken erzeugen also auch immer Medien als Träger von Bildern. Im Sinne Foucaults stehen Kulturtechniken für den Übergang von Selbstreferentialität zur Selbsterzeugung. Thomas Machos Beispiel von Handabdrücken in Kulthöhlen des Paläolithikums führte in der Diskussion zur wichtigen Unterscheidung des Indexikalischen vom Ikonischen.</p>
<p>Eine Tendenz, das Ikonische hinter sich zu lassen machte Christiane Kruse (Vortrag: <em>Nach dem Bild. Der Einstieg in das postikonische Zeitalter</em>) in einzelnen Beiträgen des von Hubert Burda und Christa Maar herausgegebenen Bandes <em>Iconic Turn. Die Neue Macht der Bilder</em> (2004) aus. Natur nicht nur zu verdoppeln, sondern sie zu überbieten bzw. zu übersteigen, lässt sich als post-ikonische Herangehensweise verstehen. Horst Wenzel hob in der Diskussion die mit dem Bild verbundene Imaginationsleistung hervor, die das materielle Bild transzendiert. In der Verbindung von Imagination und Technikgeschichte sieht Christiane Kruse einen endgültigen Ausweg vor der Enttäuschung durch die Bilder, da ein „lebendiges“ Bild machbar ist, was aber konsequenterweise gar kein Bild mehr sein kann.</p>
<p>W. J. T. Mitchell aus Chicago (Vortrag: <em>What Do Pictures Want? The Lives and Loves of Images</em>) stellte als keynote-speaker am ersten Abend sein demnächst erscheinendes Buch <em>What Do Pictures Want? The Lives and Loves of Images </em>vor. Entgegen dem traditionellen Focus auf Bedeutung und Wirkungsmacht der Bilder führte er den Begriff des Eigenlebens der Bilder ein, wenn man „life of pictures“ so verstehen darf. Nicht was Bilder bedeuten, nicht was sie tun, sondern was sie wollen, fragte Mitchell. Mit dieser Umwidmung rief er zu einem Wechsel von der semiotischen und hermeneutischen Perspektive zu einer poetologischen Perspektive auf. Der Gedanke eines Eigenlebens der Bilder ist aber so alt wie die Bilder selbst. Ein doppelbödiges Bewusstsein von den Bildern durchzieht so auch noch den heutigen Bild-Diskurs. Selbst neueste Bildtechniken können einem animistischen Glauben an das Bild (wie er beispielsweise im respektvollen Verständnis der Eltern beim Spiel ihrer Kinder mit Puppen zum Ausdruck kommt) nichts anhaben. Bildern ein Eigenleben zuzusprechen meint, ihnen mehr als die Intentionen ihres Autors zuzubilligen.</p>
<p>Nach Horst Wenzel (Vortrag: <em>Zur Narrativik der Bilder und zur Bildhaftigkeit der Literatur. Plädoyer für eine Text-Bildwissenschaft</em>) entspringt die Polarisierung von Text und Bild einem genuin neuzeitlichen Verständnis, bestand aber so nicht in Mittelalter und Früher Neuzeit. Ältere Kombinationsmöglichkeiten von Text und Bild sowie auf einer Metaebene die kombinatorische Vielfalt der Verbindung Text/Bild in sprachlichen Imaginationsstrategien und bei der Verbildlichung geistiger Entwürfe hat ihre heutige Entsprechung in der Durchlässigkeit traditioneller Fachgrenzen von Literaturwissenschaften und Kunstwissenschaft. Gottfried Boehm machte auf die Schlussfolgerungen für eine Bildreflexion aufmerksam. Die Sprachentleerung des Bildlichen ist demnach ein „Fortschritt“ der Moderne. Einen weiteren Diskussionspunkt bot die Rede von den „inneren Bildern“. Das „Innere Bild“, im Vortrag Wenzels zwischen „Vorstellung“ und „Bild“ changierend, bleibt nach wie vor ein „schwarzes Loch“, so Gottfried Boehm. Hans Dieter Huber stellte in der weiteren Diskussion in Frage, ob für „innere Bilder“ der Begriff „Bild“ überhaupt gerechtfertigt sei. Für die Schnittstelle von Innen und Außen müsste vielleicht eine ganz andere Begrifflichkeit gewählt werden. Als problematische Metapher bleibt das „innere Bild“ wichtiges Thema für eine zu konstituierende Bildwissenschaft.</p>
<p>Klaus Krüger (Vortrag: <em>Das Bild als Palimpsest</em>) stellte den in kultur- und literaturhistorischen Diskursen bereits fruchtbar gemachten Begriff des „Palimpsests“ in den Mittelpunkt seines Vortrags. Als operatives Modell vorgestellt, kann er zur Beschreibung und Analyse interpikturaler und intermedialer Bildverfahren eingesetzt werden. Aus der Paläographie kommend und die Neubenutzung eines Schriftträgers bezeichnend, dessen alte Beschriftung entfernt und dann überschrieben wird, kommt das Palimpsest-Modell der charakteristischen Schichtung und Veflechtung heterogener Bestandteile von Bildlichkeit nahe. In einer solchen mehrfachen Schichtung kommt es aber nicht zur Verdrängung oder zu einer bloßen Abfolge, sondern zu einer Koexistenz. Als ein „Artikulationsmittel des Unbegreifens und Vorbegreifens“ (Hans Blumenberg) ist das seinerseits bereits metaphorisch aufgeladene Palimpsestmodell nicht in die eigentliche Rede von Begrifflichkeiten übersetzbar. Klaus Krüger machte auch auf die Anschlussfähigkeit an andere Begriffe wie den des Fragments aufmerksam. Betonung fand schließlich das Anliegen, keinen neuen Begriff postulieren zu wollen, sondern in Entsprechung zur besonderen Struktur von Bildlichkeit ein begriffliches Denkmodell einzuführen, welches fruchtbar für eine Bildwissenschaft gemacht werden kann. Als Ausgangspunkt für eine begriffliche Fundierung von Bildwissenschaft kann die Diskussion um das Palimpsest-Modell als Hinweis auf die Problematik angesehen werden, der sich jede Bildwissenschaft im Rekurs auf eine teils medienfremde Begrifflichkeit, etwa aus dem bereich der rhetorischen Begrifflichkeit, ausgesetzt sieht. Beat Wyss schließlich plädierte für einen methodischen Gebrauch des Begriffs, nicht als Angelegenheit des Objekts, sondern als Haltung des Betrachters.</p>
<p>Martin Schulz (Vortag: <em>dlose Entlarvung der Bilder</em>) konnte in der Analyse der Eingangssequenz von Michael Moores Film „Fahrenheit 9/11“ auf die Problematik von ursprünglicher Präsenz und ihrer Repräsenz im Bild aufmerksam machen. In den entlarvenden Fernsehbildern des amerikanischen Präsidenten vor der Ansprache zu Beginn des letzten Golf-Krieges entlarven sich die Bilder selbst als Bilder, geben sich als Repräsentationen von Repräsentationen zu erkennen. Zentral für eine Bildwissenschaft, kann anhand des Beispiels die Frage nach dem Beginn und dem Ende der Bilder gestellt werden. Bilder sind vielfach bereits Bilder, ehe sie zu Bildern werden.</p>
<p>Beat Wyss´ (Vortrag: <em>Die Nachträglichkeit der Bilder</em>) Vorschlag einer Fruchtbarmachung der Traumtheorie Sigmund Freuds für die Bildwissenschaft breitete einen diskursanalytischen Vergleich mit Aby Warburgs „Pathosformeln“ und dem Renaissance-Begriff Erwin Panofskys aus. Erinnerungsspuren, die aufgrund späterer Erfahrungen in steter Neu-Ordnung sich befinden und in Übereinanderschichtung zu denken sind, lassen sich mit der Wiederaufnahme historischer Bildformeln vergleichen, die vergleichbar der traumatischen Erinnerung des „Wolfsmanns“ ist, in der die Spur einer anthropologisch kodierten Erfahrung als alte Leerformel nachträglich mit neuer Bedeutung aufgeladen wird.</p>
<p>Die Anwendungsmöglichkeiten einer systemischen Bildwissenschaft stellte Hans Dieter Huber (Vortrag: <em>Visuelle Musik in der Erlebnisgesellschaft</em>) anhand des Phänomens der „Visual Music“ vor. Innerhalb der Klub-Kultur der 90er Jahre entwickelte sich parallel zum Discjockey der Videojockey und die Videojane, die Techno, House und Electronic Music rhythmisch visualisieren. In der Unterscheidung von Bild, BeobachterIn und Milieu ergeben sich unterschiedlichen Herangehensweisen in den Bereichen von Bildinterpretation, der Wahrnehmung und Rezeption und im Bereich der sozialen Erlebnisräume, in denen Bilder auf je unterschiedliche, aber sinnstiftende Weise aufeinander treffen.</p>
<p>Gottfried Boehm (Vortrag: <em>Das Paradigma „Bild“. Zur Tragweite der ikonischen Episteme</em>) schlug in seinem Vortrag einen die verschiedenen Beiträge der Tagung zusammenfassenden Bogen. Den künstlichen Begriff der Episteme seines Titels wählte er, um so den „inhaltsleeren“ Begriff von Bildwissenschaft zu präzisieren. Handelt es sich bei „Bildwissenschaft“ doch nach wie vor um eine offene Baustelle und der Anspruch, der im Namen steckt, hüllt den Gegenstand noch immer ein. Boehms Vorschlag ist es wie, den Begriff der Bildwissenschaft mit dem der Bildkritik zu füllen. Als Anfangsfragen einer ikonischen Episteme stehen ihm zufolge: was ist ein Bild und wann ist ein Bild? Anstelle allgemein semiotischer Ansätze für eine Bildwissenschaft, vor denen Boehm warnte, schlug er vor, eine Lexikonsammlung charakteristischer Figuren bildlicher Repräsentation zu sammeln, eine Metaphorologie, für die Klaus Krüger mit seinem Vortrag zum Modell des Palimpsestes, ein Beispiel gegeben hat. Im Überblick bewertete Boehm eine solche Sammlung mit vergleichbaren Begriffen wie Maske, Spur, Geste, Blick, Schleier, Spiegel, etc. als wichtigen Ansatz für eine Bildwissenschaft.</p>
<p>Der Figur des „turns“ in der Rede vom <em>pictorial turn</em> und des <em>iconic turn</em> als Ansatz eines neuen Wissenschaftsmodells ging Boehm in folgenden nach. Die Namensgebung des <em>linguistic turn</em> durch Richard Rorty beschrieb ein Modell, in dem Erkenntnis nur auf der Grundlage lingualer Sprache möglich erschien. Eine ikonische Wissenschaft ist darin aber unmöglich. Eine Begründungsschwäche dieses Erkenntnismodells besteht darin, dass man aber Sprache nicht auf Sprache zurückführen kann. Dagegen erscheinen basale Zusammenhänge als Grundlage von Sprachlichkeit, unter denen dem „Zeigen“ (Verweis auf die Bedeutung von „dicere“ als „zeigen“ und „sagen“, so Prof. Wenzel) besondere Bedeutung zukommt. Wenn aber Sprache auf nicht-lingualem Sinn beruht, dann mündet der <em>lingustic turn“</em> notwendigerweise in einen <em>iconic turn</em>. Die Frage „Was ist ein Bild?“ stellt sich dann aber in einem ganz bedeutendem Sinne als eine wichtige Frage heraus. Erkenntnis ohne Bezug oder Einschluss des Ikonischen bleibt defizitär.</p>
<p>Die Tatsache nun, daß Bilder impliziertes Wissen beinhalten, ist keine Neuigkeit. Diesen Zusammenhang jedoch als eine Wissensform zu begründen, ist das neue Thema, des <em>pictorial turns/iconic turns</em>. Dabei greift Boehm zufolge die Anerkennung eines solchen Wissensmodells eine der ältesten Grundsätze der abendländischen Wissenschaften an. Dem „Sagen“ wird ein „Zeigen“ entgegengesetzt, an die Seite gestellt. Grundlage beider bleibt jedoch die Darstellungsabhängigkeit allen Erkennens. Für eine Bildwissenschaft geht es somit um eine Kritik der impliziten Erkenntnisformen. In diesem Sinne ist Bildwissenschaft Bildkritik. Sie handelt von der Logik des „Zeigens“, die sich als eine fruchtbare Arbeitsbasis für Bildwissenschaft empfiehlt. Die Eigenart des Bildlichen ist nicht – wie so oft behandelt – ontologisch, sondern auf Differentsetzung beruhend, die sich in Differenz zu Wort und Klang setzt. Die Logik des Zeigens, so Boehm, spezifiziert sich in jedem Bild. Sie arbeitet mit Unbestimmtheit und Intensität, was als ikonische Differenz beschrieben werden kann. Signum von Bildern ist jedoch auch die Bindung von Sinn an eine Materialität, was wiederum die Singularität/Konkretion des Bildes betrifft. Als die Extraleistung des Bildes bestimmte Boehm das Imaginäre, das „surplus“ des Bildes.</p>
<p><em>jlb</em></p>
<p>(Tagung des Internationalen Forschungszentrums für Kulturwissenschaften Wien vom 21. bis 23. April 2005)</p>
<p><a href="http://www.ifk.ac.at/dl.php/0/64/PRHBildwissenschaft.pdf">Programm</a><br />
<a href="http://www.ifk.ac.at/dl.php/0/65/AHPBILDWISSENSCHAFT.pdf">Abstracts</a><br />
<a href="http://www.iconicturn.de/article.php?story=20050426105450151">Zitate</a></p>
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		<title>Bildwissenschaft heute</title>
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		<pubDate>Thu, 21 Apr 2005 12:23:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sh</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bredekamp, Horst]]></category>
		<category><![CDATA[Bildwissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Ikonologie]]></category>
		<category><![CDATA[Warburg]]></category>

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		<description><![CDATA[Auszüge aus eine Text von Horst Bredekamp
Es bleibt jenseits der Warburg-Mode ein Kern, der bis heute einen Anspruch zu formulieren vermag, wie man mit Bildern umgehen kann. Warburg zeichnet sich dadurch aus, dass er das gesamte Feld der Bilder von der Briefmarke bis zur Primavera Botticellis in den Gegenstands-bereich einer Kunstgeschichte stellt, die sich als [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-332" title="tv_buddha" src="http://www.iconic-turn.de/wp-content/uploads/2009/06/tv_buddha.jpg" alt="tv_buddha" width="98" height="100" />Auszüge aus eine Text von Horst Bredekamp</p>
<p>Es bleibt jenseits der Warburg-Mode ein Kern, der bis heute einen Anspruch zu formulieren vermag, wie man mit Bildern umgehen kann. Warburg zeichnet sich dadurch aus, dass er das gesamte Feld der Bilder von der Briefmarke bis zur Primavera Botticellis in den Gegenstands-bereich einer Kunstgeschichte stellt, die sich als Bildwissenschaft definiert.<span id="more-331"></span></p>
<p>Dass [Warburg] Bildenergieforschung betrieben hat, also die Form als einen Ausdruck und zugleich Träger von politischen, psychischen, kulturellen Energien begriffen hat. Dies sind die beiden Quellen, die ihn für mich bis heute zu einer Art Vorbild machen. (…)</p>
<p><em>Wenn man von Bildwissenschaft redet, ist damit eine Entgrenzung der klassischen Kunstgeschichtsschreibung und Kunsttheorie gemeint? Sie haben vor Jahren gesagt, dass die Dominanz der Sprache durch die Hegemonie der Bilder abgelöst sei, auch das Wort von der Bildwissenschaft ist mit Ihrem Namen verbunden. Manchmal hat man allerdings den Eindruck, dass die Erweiterung des kunsthistorischen Terrains auch eine Erosion zur Folge hatte. </em></p>
<p>Auf der ersten Seite meiner Dissertation von 1974 steht der Satz: »Ich spreche nicht von Kunst, sondern vom Bild. « Wenn ich aber von der Hegemonie der Bilder gesprochen haben sollte, würde ich heute ergänzen, dass es umso stärker darauf ankommt, die Präzision und die Sinnlichkeit der Sprache zu schützen und zu nutzen. Auch hierin liegt der Wunsch nach einer Bildwissenschaft, die sich, sprachlich präzisiert, mit Bildern aller Gebiete zu beschäftigen vermag. Zur Frage der Erosion: Nach etwa zehn Jahren, in denen diese Verschiebung mittels der Begriffe des iconic turn durch Gottfried Boehm und des pictorial turn durch Tom Mitchell fixiert wurde, ist eins deutlich geworden – man kann keine Bildwissenschaft betreiben, ohne die zuständigen Disziplinen, also die Kunstgeschichte und die Archäologie, und ihre Methoden einzuschließen. Es ist eine Illusion, zu glauben, dass man Bildwissenschaft betreiben könnte ohne Bildforschung. Dieses Unterfangen ist für meinen Begriff grandios gescheitert. Bildwissenschaft ohne Bildforschung bleibt am Ende entweder rein begriffliche Rhetorik oder begriffslose Anwendung.</p>
<p><em>Welches ist der spezifische Wandel der Perspektive, der sich heute im Wechsel der Begriffe widerspiegelt? </em></p>
<p>Es gibt ein wunderbares Buch von James Elkins: »Warum auf Bildern geweint wird und warum Bilder zum Weinen bringen«. Wer das Phänomen unterschätzt, dass Bilder emotionale, körperliche Reaktionen hervorrufen können, wird sich der Problemtiefe, die von visuellen Phänomenen ausgeht, überhaupt nicht nähern können. Diese Eigenschaft von Bildern ist der Grund dafür, dass eine Reihe von Kollegen und ich selbst die Zeichentheorie und die Semiologie für hoch interessant, aber für begrenzt halten. Bilder, visuelle Phänomene haben eine nichtberechenbare Kraft. Zumindest eine Semiologie, die glaubt, die Bedeutung von Zeichen kennen und gleichsam grammatikalisch erschließen zu können, greift zu kurz. Von Gottfried Böhm stammt die vielleicht sehr pointierte, aber meines Erachtens treffende Feststellung: Wo die Semiotik aufhört, beginnt die Kunstgeschichte.</p>
<p><em>Es gab jetzt an Ostern etwas Erstaunliches im Fernsehen zu erleben. Da saß Papst Johannes Paul II. in seiner Wohnung, seiner Privatkapelle, vor einem großen Monitor. Man sah den Papst von rückwärts, und er sah die Menge, die sich auf dem Petersplatz versammelt hatte, um ihn zu sehen. Es war ein doppeltes Fernsehbild der doppelten Abwesenheit. Dazu der Satz des Papstes: »Von meiner Wohnung aus bin ich über das Fernsehen spirituell bei euch.« </em></p>
<p>Dies ist ein durchaus wahrer Satz. Er begründet die Beobachtung, dass Medien Bilder weder bestärken noch schwächen können. Sondern dass Bilder durch Medien substanziell hindurchwirken. Was der Papst beschreibt, ist durch eines der für mich großartigsten Kunstwerke der letzten Jahrzehnte, TV Buddha von Nam June Paik, formuliert worden. Die Buddha-Figur, die sich auf dem Fernsehschirm selbst projiziert und kontemplativ betrachtend wiederfindet, ist eine Form der Substanzialisierung des Fernsehbildes. Sie spricht dieselbe Ebene an wie der Papst mit seiner Äußerung. Begriffe wie Bilderflut unterschätzen und vergötzen die Medien zugleich.</p>
<p><em>Warum nimmt man eigentlich an, dass das Fernsehen die Bilder verdünnt? Man könnte es doch als reines Transportmittel verstehen. </em></p>
<p>Der Grund der Missachtung des Fernsehens liegt in der immerwährenden Präsenz. Was 24 Stunden auf zahllosen Kanälen zu sehen ist, schwächt sich durch Einebnung; nur was sich zu entziehen vermag, hat tieferen Wert. Das ist die Annahme. Ich halte sie für falsch. In Blitzen der Präsenz wie bei den Papstbildern wird sie durchkreuzt.</p>
<p><em>Sie haben den Begriff des Analphabetismus im Umgang mit Bildern geprägt – durchschauen wir die rhetorischen Mittel der Sprache besser als die der Bilder? </em></p>
<p>Ich würde dies vermuten. Der Grund liegt wohl in dem Missverständnis, dass die Sprache als etwas begriffen wird, das sich in seiner Künstlichkeit den Instrumenten der Kritik und der Analyse wie von selbst öffnet. Wohingegen von Bildern erwartet wird, dass sie eine äußere Realität unmittelbar wiedergeben. Die Realitätserwartung gegenüber Bildern ist höher als gegenüber der Sprache. Es ist aber ein falscher Schluss, zu glauben, dass Bilder Realität unmittelbar illustrieren. Mein Umgang mit Bildern hat im Grunde ein Ziel: die Bekämpfung des Begriffes Illustration. Bilder illustrieren nie, selbst Fotografien illustrieren nicht, sondern sie geben das, was sie darstellen, eigentätig wieder. Und diese Distanz darzustellen ist die vornehmste Aufgabe einer begrifflichen Bildanalyse und Bildkritik. (…)</p>
<p><em>Die Beziehungen zwischen Wissenschafts- und Kunstgeschichte sind traditionell sehr eng. Gibt es ein neues Verhältnis zur Philosophie? </em></p>
<p>Kunstgeschichte war lange Zeit gleichsam die Scheuerwunde der Ästhetik. Ich empfinde das Verhältnis von Philosophie und Kunstgeschichte aber in der Tat im Moment als fruchtbar, weil vielleicht zum ersten Mal seit dem Byzantinischen Bilderstreit in einer Finesse über Bilder nachgedacht wird, die über alle Fragen ihrer Nutzbarkeit und ihres Scheincharakters hinausgeht. Ich glaube, dass die Bildgeschichte im Moment eine Funktionsweise von Bildern zu rekonstruieren vermag, die sich auf eine Sphäre richten, in der sich die affektive Kraft eines Bildes von Velázquez ebenso ereignet wie die Erscheinung des Papstes auf dem Bildschirm: nämlich in einer tief unterhalb jeder Abbildtheorie liegenden Zone des Bildakts. An dieser Theorie arbeite ich. Im Sinne dieser Erweiterung von Martin Warnkes politischer Ikonologie habe ich bei Hobbes und Leibniz zu zeigen versucht, dass Denken nicht durch das Abbilden vom Denken in Bildern, sondern durch die bildaktive Bewegung überhaupt erst konstituiert wird, in Zeichnungen, Statuen oder auch Instrumenten. Das ist für mich der »heiße Kern« dessen, was den iconic turn ausmacht. Er war von Boehm nicht als Gegenstandserweiterung gedacht, sondern als eine neue Art des Philosophierens. Bevor man nicht diesen Kern der Bildaktivität fokussiert, wird man meines Erachtens immer an Oberflächenphänomenen laborieren, auf jedem Gebiet. Warburgs Aussage über das Bild: »Du lebst und tust mir nichts«, meint natürlich genau das Gegenteil.</p>
<p><em>Das sind ja starke Ausgriffe der Kunstgeschichte, oder sagen wir: der Bildwissenschaft in die Bereiche von Philosophie, Politologie, Physiologie oder auch, am Beispiel der Wunderkammern, der Evolution in den Naturwissenschaften. Versteht sich Bildwissenschaft als eine neue Universalwissenschaft, die alle übrigen Fächer integrieren kann? </em></p>
<p>Ich würde jede Form von Terrainbestimmung vermeiden. Die Bilder gehören nicht der Kunstgeschichte. Sie gehören jedem. Kunstgeschichte ohne Interdisziplinarität ist von einer traurigen Begrenztheit, und immer wieder, und jetzt am Berliner Wissenschaftskolleg, habe ich den wechselseitigen Gewinn der Transdisziplinarität erlebt. Man benötigt aber, um sich austauschen zu können, Gravitation, und daher beharre ich auf der Spezifik der Bildanalyse und der Spezifik des Umganges mit dreidimensionalen Gebilden wie der Tasse, die vor uns auf dem Tisch steht. Um eine Tasse oder ein Bild präzise beschreiben zu können, braucht man Monate, wenn nicht Jahre der Schulung. Ich meine das nicht als Metapher. Jedweder Person, die sich bildwissenschaftlich betätigt, ist diese Schulung auferlegt.</p>
<p>Der Artikel ist ein Auszug aus einem Interview, erschienen in der Wochenzeitung <a href="http://www.zeit.de/2005/15/Interv_Bredekamp?term=Bredekamp">„Die Zeit“ </a>(15/2005), unter dem Titel <em>„Im Königsbett der Kunstgeschichte“</em>. Das Interview führten <strong>Jens Jessen</strong> und <strong>Petra Kipphoff</strong>. Die Veröffentlichung erfolgt mit der freundlichen Genehmigung des Autors.</p>
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		<title>Symbolik der Papstbestattung</title>
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		<pubDate>Mon, 11 Apr 2005 12:29:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sh</dc:creator>
				<category><![CDATA[Zitzlsperger, Philipp]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>

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		<description><![CDATA[von Philipp Zitzlsperger
&#8220;Der Papst ist tot, es lebe der Papst&#8221; &#8211; so könnte das Motto der Papst-Exequien lauten, was so viel heißen würde wie &#8220;der Papst ist tot, doch das Papsttum stirbt nie&#8221;. Um die Unterbrechung der Kontinuität nach dem Tod des Papstes zu kaschieren, erfand die Kirche eine ganz spezielle Bestattungssymbolik.
Die katholische Monarchie des [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-338" title="Papstbestattung" src="http://www.iconic-turn.de/wp-content/uploads/2009/06/Papstbestattung.jpg" alt="Papstbestattung" width="100" height="100" />von Philipp Zitzlsperger</p>
<p>&#8220;Der Papst ist tot, es lebe der Papst&#8221; &#8211; so könnte das Motto der Papst-Exequien lauten, was so viel heißen würde wie &#8220;der Papst ist tot, doch das Papsttum stirbt nie&#8221;. Um die Unterbrechung der Kontinuität nach dem Tod des Papstes zu kaschieren, erfand die Kirche eine ganz spezielle Bestattungssymbolik.<span id="more-337"></span></p>
<p>Die katholische Monarchie des Vatikanstaates ist eine Sonderform, die im kirchlichen Zeremoniell ihre Darstellung findet. In dieser Hinsicht sind die Feierlichkeiten der Papst-Exequien (lat. exsequi = begleiten) nicht nur eine inszenierte Kollektivtrauer um den Verstorbenen. Darüber hinaus symbolisiert das zeremonielle Großereignis auch das historische Wesen des Papsttums an sich. Dieser Kontext dürfte weitgehend in Vergessenheit geraten sein. Der Vatikanstaat ist bekanntlich eine der letzten, uneingeschränkten Monarchien in Europa. Einen Sonderstatus nimmt er ein, weil er schon immer als Wahlmonarchie verfasst war, in der der Papst von den Kardinälen gewählt werden muss. Der Unterschied zu den übrigen Monarchien Europas besteht also darin, dass keine Erbfolge den päpstlichen Thronfolger bestimmt, sondern die Wahl. Wegen des Zölibats kann der Papst keinen Sohn zum Nachfolger bestimmen &#8211; die zahlreichen Ausnahmen aus der Frühneuzeit bestätigen die Regel.</p>
<p><strong>Kontinuität seit Petrus</strong></p>
<p>Dieser Unterschied zur herkömmlichen Dynastie erforderte für die kirchliche Wahlmonarchie komplizierte Erklärungsmodelle, denn einerseits wird dem Papstamt seit dem Apostel Petrus unbegrenzte Kontinuität attestiert, andererseits jedoch wird diese Amtskontinuität durch den Papsttod unterbrochen; kein Sohn tritt die Nachfolge an, in dessen Körper und Geist der Vater fortlebt. Die Sedisvakanz zwischen Papsttod und Neuwahl stellt ein Machtvakuum dar, das in jeder schlüssigen Staatstheorie für Monarchien nicht vorgesehen ist.</p>
<p>Die Exequien wurden zum Scharnier zwischen Tod und Leben, um die Unterbrechung der Kontinuität nach dem Papsttod zu kaschieren. Bereits im Mittelalter wurde das Begräbnis des verstorbenen Papstes als Präludium der Krönung seines Nachfolgers inszeniert. Verständlich wird der enge Zusammenhang von Papstbestattung und -krönung bereits im Krönungszeremoniell selbst, das in der Vergangenheit viel offensichtlicher als heute für die Unsterblichkeits- bzw. Wiedergeburtssymbolik stand. So musste der neue Papst bei seiner Krönung vor dem Kirchenportal von S. Giovanni in Laterano einen Sitz-Liege-Ritus durchführen, der in der Zeremoniensprache &#8220;sedere e giacere&#8221; genannt wurde. Dafür bestieg er einen roten Marmorstuhl, auf den er sich nicht nur zu setzen, sondern auch zu legen hatte, um den lebenden und den toten Papst zu imitieren. Dieses Zeremoniell versinnbildlichte sowohl die Vergänglichkeit, als auch die mystische Wiedergeburt der Amtsperson Papst. Für die Wiedergeburt stand vermutlich auch die Form des Marmorstuhls selbst, der den kaiserlichen Latrinen entstammte. Mit seinem entsprechenden Loch in der Sitzfläche symbolisierte er im Zeremoniell einen Gebärstuhl, der jedoch heute längst ausrangiert ist.</p>
<p><strong>Im Krönungsgewand</strong></p>
<p>Das Begräbniszeremoniell für den verstorbenen Pontifex griff konsequent den Verweis auf die mystische Wiedergeburt des Papstes auf, indem der aufgebahrte Leichnam in jenes liturgische Gewand gekleidet wurde, das der Papst zu seiner Krönung getragen hatte und danach der Neugewählte tragen sollte &#8211; dies ist heute noch Tradition. So verwies die Bekleidung der sterblichen Hülle während der Exequien gewissermaßen auf den Moment vor der Krönung. Auf dem Kopf trug sie nicht mehr die Papstkrone (Tiara), sondern lediglich die Bischofsmitra. Die Tiara war bereit, auf den Nachfolger überzugehen, der erneut mit dem Sitz- und Liegegestus den Tod als Scharnier der Kontinuität symbolisierte.</p>
<p>Der Symbolgehalt der Papst-Exequien ist nahezu unverändert, so wie die Wahlmonarchie unverändert geblieben ist. Einen klaren Bruch mit der Vergangenheit hingegen stellt das Papstgrabmal dar, das heute bescheiden und schlicht ausfällt. Johannes Paul II. findet seine letzte Ruhestätte in der Krypta von St. Peter. Eine einfache Grabplatte wird an ihn erinnern. Der Kontrast zu den monumentalen Papstgrabmälern in der Basilika darüber könnte so kaum größer ausfallen, und er führt uns die Dichotomie des dynamischen und statischen Selbstverständnisses des Papsttums vor Augen: während sich der Papst als Individuum im Grabmal zurücknimmt, repräsentiert sich das Papsttum nach wie vor im rauschenden Zeremoniell, das Sinnbild einer widersprüchlichen Wahlmonarchie ist.</p>
<p><em>Philipp Zitzlsperger</em></p>
<p>Philipp Zitzlsperger ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am von der DFG geförderten Forschungsprojekt &#8220;REQUIEM &#8211; Die römischen Papst- und Kardinalsgrabmäler der Frühneuzeit&#8221; (<a href="http://www.requiem-projekt.de/">www.requiem-projekt.de</a>) und Autor des Buches <a href="http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/377749240X/qid=1113231481/sr=8-6/ref=sr_8_xs_ap_i6_xgl/302-4871732-2086445">Gianlorenzo Bernini.</a> Die Papst- und Herrscherporträts. Zum Verhältnis von Bildnis und Macht. München 2002. Der Artikel erscheint mit der freundlichen Genehmigung des Autors. Erstveröffentlichung am 8.4.05 in der <a href="http://www.fr-aktuell.de/">Frankfurter Rundschau</a>.</p>
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		<title>Thesen zur ersten Fernsehgeneration</title>
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		<pubDate>Tue, 08 Mar 2005 12:38:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sh</dc:creator>
				<category><![CDATA[Burk, Jens Ludwig]]></category>
		<category><![CDATA[Fernsehen]]></category>
		<category><![CDATA[Hörisch]]></category>

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		<description><![CDATA[Auf den Einfluss neuer Bildmedien in der Nachkriegsgeschichte machte der Literaturwissenschaftler und Medienanalytiker Jochen Hörisch vor kurzem in einem Interview aufmerksam.
Ihm zufolge ist die Bedeutung des damals relativ neuen Mediums Fernsehen für die 68er-Generation und die gesellschaftlichen Transformationsprozesse der Bundesrepublik Deutschland nicht zu unterschätzen. Beispielhaft führte er an, dass Fernseh-Bilder des sich versprechenden Kanzlers Adenauer [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-347" title="fernsehgeneration" src="http://www.iconic-turn.de/wp-content/uploads/2009/06/fernsehgeneration.jpg" alt="fernsehgeneration" width="100" height="99" />Auf den Einfluss neuer Bildmedien in der Nachkriegsgeschichte machte der Literaturwissenschaftler und Medienanalytiker Jochen Hörisch vor kurzem in einem Interview aufmerksam.</p>
<p>Ihm zufolge ist die Bedeutung des damals relativ neuen Mediums Fernsehen für die 68er-Generation und die gesellschaftlichen Transformationsprozesse der Bundesrepublik Deutschland nicht zu unterschätzen. Beispielhaft führte er an, dass Fernseh-Bilder des sich versprechenden Kanzlers Adenauer oder ein in der Nase bohrender Geistlicher ihre Entsprechung in der Infragestellung von gesellschaftlichen Autoritäten hatten. Das Radio-Interview kann man hören unter: <a href="http://www.dradio.de/dlf/sendungen/kultursonntag/340665/">www.dradio.de</a> <em>jlb</em></p>
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		<title>virtual workshop and digital conference</title>
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		<pubDate>Fri, 04 Mar 2005 12:48:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sh</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gerleit, Annegret]]></category>
		<category><![CDATA[Neurowissenschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[von Anngret Gerleit
Was sind Spiegelneuronen? In welchem Verhältnis stehen bildliche Darstellung und Emotion? Auf der Website www.interdisciplines.org können Wissenschaftler mit prominenten Vertretern verschiedener Fächer diskutieren. Vielleicht liegt die Zukunft der wissenschaftlichen Diskurse im Netz. Eine Website, die in punkto Wissenschaftsaustausch versucht, Standards zu setzen, ist www.interdisciplines.org. Die Initiatoren der digitalen Plattform sind der Kognitionswissenschaftler Dan [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-354" title="question_m" src="http://www.iconic-turn.de/wp-content/uploads/2009/06/question_m.gif" alt="question_m" width="100" height="100" />von Anngret Gerleit</p>
<p>Was sind Spiegelneuronen? In welchem Verhältnis stehen bildliche Darstellung und Emotion? Auf der Website <a href="http://www.interdisciplines.org/mirror">www.interdisciplines.org</a> können Wissenschaftler mit prominenten Vertretern verschiedener Fächer diskutieren. Vielleicht liegt die Zukunft der wissenschaftlichen Diskurse im Netz. Eine Website, die in punkto Wissenschaftsaustausch versucht, Standards zu setzen, ist <a href="http://www.interdisciplines.org/">www.interdisciplines.org</a>. <span id="more-353"></span>Die Initiatoren der digitalen Plattform sind der Kognitionswissenschaftler Dan Sperber und der Philosoph Roberto Casati. Beide arbeiten am renommierten &#8220;Centre National de la Recherche Scientifique&#8221; in Paris und verfolgen mit ihrer Seite das Ziel, interdisziplinäre Forschung zu fördern. Was eignet sich da besser als virtuelle Konferenzen und Workshops zu organisieren, zu denen möglichst viele Wissenschaftler Zugang haben? Zu finden sind Beiträge von Autoren wie Giacomo Rizzolati, dem Entdecker der Spiegelneuronen, der Wissenschaftshistorikerin Helga Nowotny, dem Kunsthistoriker David Freedberg oder Kognitions-wissenschaftler Paul Bloom.</p>
<p>Die Workshops und Konferenzen behandeln Themen wie die Zusammenhänge von Kunst und Denken, die theoretischen Implikationen der Entdeckung der Spiegelneuronen, Objektwahrnehmung oder Kausalität. Dabei stellen einzelne Forscher ihre Thesen in kurzen Artikeln für einen bestimmten Zeitraum der wissenschaftlichen Web-Community zur Diskussion. Ganz offen sind die Debatten allerdings nicht. Wie &#8220;im wirklichen Leben&#8221; wacht auch hier ein Moderatoren-Team über die Qualität der Beiträge. So kann man sich auch leider nicht mehr nach Ablauf der Konferenzen und Workshops in die Diskussion einloggen und mitdiskutieren, sondern die Beiträge nur noch einsehen. Dafür gibt es Literaturhinweise und als zusätzlichen Service einen Newsletter, der die Abonnenten über die nächste Konferenz informiert.</p>
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		<title>Der Anteil der Öffentlichkeit an dem neuzeitlichen Herrscherbild</title>
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		<pubDate>Fri, 04 Feb 2005 12:54:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sh</dc:creator>
				<category><![CDATA[Lecture]]></category>
		<category><![CDATA[Warnke, Martin]]></category>
		<category><![CDATA[Kunstgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Repräsentation]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Anteil der Öffentlichkeit an dem neuzeitlichen Herrscherbild
Der Anteil der Öffentlichkeit an dem neuzeitlichen Herrscherbild
Iconic Turn Lecture, 03.02.2005
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			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-360" title="warnke_martin" src="http://www.iconic-turn.de/wp-content/uploads/2009/06/warnke_martin.jpg" alt="warnke_martin" width="109" height="100" /><a href="http://lectures.iconicturn.de/iconicturn/programm/video/?tx_aicommhbslectures_pi1%5BshowUid%5D=9&amp;cHash=ef68e972c6" target="_self">Der Anteil der Öffentlichkeit an dem neuzeitlichen Herrscherbild</a></p>
<p>Der Anteil der Öffentlichkeit an dem neuzeitlichen Herrscherbild</p>
<p>Iconic Turn Lecture, 03.02.2005</p>
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