Archiv für die Kategorie „Autor“

Charles Kenny’s verkehrte Welt: Fernsehen, nicht Facebook regiert

, – von Stefan Heidenreich

tv-katmandu- rpb1001TV ist und bleibt die grösste Volksbewegung der Welt. Das behauptet Charles Kenny auf Foreign Policy, und sein Blick umfasst tatsächlich die Welt als Ganzes. Dort aus sieht einiges sehr anders aus als im heimeligen Deutschland, wo sich Beststeller-Philosoph Riachard Precht auf den Medientagen ebenso provinziell wie traditionell um die Fragmentierung der Öffentlichkeit sorgt.

Kenny nennt viele Zahlen und erwähnt einige überraschende Seiteneffekte des Fernsehens. Das Fernsehen und nicht die vielgepriesenen Social Networks ist einer der großen Wachstumsmärkte weltweit. Unsere ganzanders gelagerte Wahrnehmung liegt daran, dass wir die andere Seite des digital Divide vergessen – Gebiete, in denen es weder Internet noch Strom, aber viele Menschen gibt. Dort sieht Kenny dank günstiger Stromversorgung ein Wachstums-Potenzial von 150 Millionen neuen TV-Haushalten bis 2013 – lange bevor das Netz ankommen wird. Diesen Beitrag weiterlesen »

Das Bild in mir

, – von Viola, Bill

billviola_tMein kreatives Werkzeug ist die Kamera. Sie ermöglicht uns eine physische Verbindung mit der Welt der Dinge. In der antiken Philosophie galt Sehen gemeinhin als eine Ausdrucksform des Tastsinns. Das Licht entspringt an einem weit entfernten Punkt, der viele Kilometer oder – wie das Licht der Himmelskörper – Millionen von Lichtjahren entfernt sein kann, und trifft auf die lichtempfindliche Oberfläche der Kameralinse, auf den Kontaktpunkt. Die Arbeit mit der Videokamera beinhaltet daher auch immer das Reisen, den Schritt hinausin die physische Welt, um mit dem Bild in Kontakt zu treten, sein Licht festzuhalten. Aber jedes Mal, wenn ich eine Kamera in die Hand nahm, war da eine unausgesprochene Spannung, ein Gefühl, dass ich ein Bild »aufnehme« oder »einfange« – vertraute Wörter, die wir benutzen, um den entscheidenden Akt der fotografischen Kunst zu beschreiben. Es kam mir vor, als müsste ich das Bild fassen, bevor es mir entkam, als müsste ich es »schießen«, wie bei der Jagd. Die Kamera gab mir das Gefühl, dass sich da draußen in der Welt Bilder befanden, die man pflücken konnte wie reife Früchte, und dass es meine Aufgabe war, das vollkommene Bild, den vollkommenen Augenblick aufzuspüren. Diesen Beitrag weiterlesen »

„Heiliger Grobianus“ – Historisches zum Karikaturenstreit

– von Reitinger, Franz

reitinger_autoausIm Zuge der Vorbereitungsarbeiten zur Berliner Festwochen-Ausstellung Europa und der Orient des Jahres 1989 zogen die Ausstellungsorganisatoren eine Miniaturmalerei aus dem 15. Jahrhundert aus Furcht vor muslimischen Übergriffen zurück. Die entsprechende Miniatur stellte dar, wie Mohammed im siebten Himmel von den aus der Überlieferung des Koran als “Huris” bekannten Paradiesjungfrauen verwöhnt wurde… Die Abbildung war, unbeschadet der fünfhundert Jahre, die seit ihrer Entstehung verstrichen waren, bis in die Gegenwart brandaktuell geblieben. Das Fragment einer fremden Zeit hatte sich wie eine Wunde in das Geschichtsgefüge der abendländischen Kulturentwicklung gegraben. Diesen Beitrag weiterlesen »

Thesen zu einer Systemischen Bildwissenschaft

– von Huber, Hans-Dieter

betrachter_imbildWie kann eine Bildwissenschaft aussehen, die den neuen visuellen Praktiken zeitgenössischer Bildproduktion gerecht wird? Seit DJs mit VJs zusammenarbeiten, hat sich auch für Bildforscher ein neues Feld aufgetan. Der Kunstwissenschaftler Hans Dieter Huber plädiert für eine systemische Bildwissenschaft.

Systemische Bildwissenschaft geht davon aus, dass eine Beobachtung von Bildern ohne Beobachter nicht möglich ist. Beide sind bei ihrer Begegnung in ein gemeinsames soziales Milieu einbettet. Diese Bestimmung ist insofern von Bedeutung, als hier erstens das Verhältnis zwischen Bildern und ihren ästhetischen, sozialen, institutionellen, ökonomischen, politischen oder kulturellen Milieus beschrieben werden kann sowie zweitens das Verhältnis zwischen Beobachtern, ihren sozialen Milieus und den darin bevorzugten Lebensstilen und Existenzformen genauer untersucht werden kann. Es gibt keine Möglichkeit, dass sich Bild und Beobachter bei ihrer Begegnung in zwei verschiedenen Milieus befinden. Diese Tatsache ist von Bedeutung, da das Milieu voreinstellende und verhaltenskalibrierende Wirkungen auf den Beobachter hat. Es stellt ihn darauf ein, welche Arten von Bildern er in diesem Milieu höchstwahrscheinlich zu erwarten hat, wie er sich diesen Bildern gegenüber angemessen zu verhalten hat, wie er ihre ästhetische, gesellschaftliche oder historische Funktion verstehen soll, was als eine angemessene und adäquate Form des Handelns und Reagierens gegenüber diesen Bildern gilt. Diesen Beitrag weiterlesen »

Bildwissenschaft? Eine Zwischenbilanz

– von Burk, Jens Ludwig

von Jens-Ludwig Burk

biwi_zwischenbilanzHans Belting, Direktor des IFK in Wien, eröffnete die Tagung „Bildwissenschaft? Eine Zwischenbilanz“ mit dem Apell, über das „Bild“ als modischem Diskursfetisch nicht die „Bilder“ aus dem Blick zu verlieren. Ein Summary ausgewählter Beiträge.

Entsprechend eines Verständnisses von Bildpraktiken als Kulturpraktiken (bzw. –techniken) stand die Tagung unter der Prämisse, das Thema der Bilder in die Kulturwissenschaften einzuführen. Sekundiert wurde diese Forderung von dem in Wien nicht anwesenden Horst Bredekamp, der in seinem ZEIT-Interview vom 6. April 2005 die zentrale Forderung nach Bildforschung für das Unternehmen Bildwissenschaft hervorgehoben und dabei auf die unverzichtbare Rolle von Kunstgeschichte und Archäologie hingewiesen hat. Vertreter aus Kunst- und Kulturwissenschaften, Wissenschaftsgeschichte, Literaturwissenschaften und Philosophie – darunter mit Gottfried Boehm (iconic turn) und W. J. T. Mitchell (pictorial turn) zwei Namensgeber der als Paradigmenwechsel verstandenen Wendung zum Bildlichen – folgten Beltings Einladung, sich den Bilden über die Bildpraxis zu nähern.

Bildproduktion als eine Kulturtechnik neben anderen Kulturtechniken behandelte Thomas Machos Vortrag. In ihrer Rekursivität sind Kulturtechniken unterschieden von Tätigkeiten, die sich nicht selbst zum Thema machen können. „Bilden“ hat als Ergebnis immer ein Ding, ein Objekt, ein Artefakt. Kulturtechniken erzeugen also auch immer Medien als Träger von Bildern. Im Sinne Foucaults stehen Kulturtechniken für den Übergang von Selbstreferentialität zur Selbsterzeugung. Thomas Machos Beispiel von Handabdrücken in Kulthöhlen des Paläolithikums führte in der Diskussion zur wichtigen Unterscheidung des Indexikalischen vom Ikonischen.

Eine Tendenz, das Ikonische hinter sich zu lassen machte Christiane Kruse (Vortrag: Nach dem Bild. Der Einstieg in das postikonische Zeitalter) in einzelnen Beiträgen des von Hubert Burda und Christa Maar herausgegebenen Bandes Iconic Turn. Die Neue Macht der Bilder (2004) aus. Natur nicht nur zu verdoppeln, sondern sie zu überbieten bzw. zu übersteigen, lässt sich als post-ikonische Herangehensweise verstehen. Horst Wenzel hob in der Diskussion die mit dem Bild verbundene Imaginationsleistung hervor, die das materielle Bild transzendiert. In der Verbindung von Imagination und Technikgeschichte sieht Christiane Kruse einen endgültigen Ausweg vor der Enttäuschung durch die Bilder, da ein „lebendiges“ Bild machbar ist, was aber konsequenterweise gar kein Bild mehr sein kann.

W. J. T. Mitchell aus Chicago (Vortrag: What Do Pictures Want? The Lives and Loves of Images) stellte als keynote-speaker am ersten Abend sein demnächst erscheinendes Buch What Do Pictures Want? The Lives and Loves of Images vor. Entgegen dem traditionellen Focus auf Bedeutung und Wirkungsmacht der Bilder führte er den Begriff des Eigenlebens der Bilder ein, wenn man „life of pictures“ so verstehen darf. Nicht was Bilder bedeuten, nicht was sie tun, sondern was sie wollen, fragte Mitchell. Mit dieser Umwidmung rief er zu einem Wechsel von der semiotischen und hermeneutischen Perspektive zu einer poetologischen Perspektive auf. Der Gedanke eines Eigenlebens der Bilder ist aber so alt wie die Bilder selbst. Ein doppelbödiges Bewusstsein von den Bildern durchzieht so auch noch den heutigen Bild-Diskurs. Selbst neueste Bildtechniken können einem animistischen Glauben an das Bild (wie er beispielsweise im respektvollen Verständnis der Eltern beim Spiel ihrer Kinder mit Puppen zum Ausdruck kommt) nichts anhaben. Bildern ein Eigenleben zuzusprechen meint, ihnen mehr als die Intentionen ihres Autors zuzubilligen.

Nach Horst Wenzel (Vortrag: Zur Narrativik der Bilder und zur Bildhaftigkeit der Literatur. Plädoyer für eine Text-Bildwissenschaft) entspringt die Polarisierung von Text und Bild einem genuin neuzeitlichen Verständnis, bestand aber so nicht in Mittelalter und Früher Neuzeit. Ältere Kombinationsmöglichkeiten von Text und Bild sowie auf einer Metaebene die kombinatorische Vielfalt der Verbindung Text/Bild in sprachlichen Imaginationsstrategien und bei der Verbildlichung geistiger Entwürfe hat ihre heutige Entsprechung in der Durchlässigkeit traditioneller Fachgrenzen von Literaturwissenschaften und Kunstwissenschaft. Gottfried Boehm machte auf die Schlussfolgerungen für eine Bildreflexion aufmerksam. Die Sprachentleerung des Bildlichen ist demnach ein „Fortschritt“ der Moderne. Einen weiteren Diskussionspunkt bot die Rede von den „inneren Bildern“. Das „Innere Bild“, im Vortrag Wenzels zwischen „Vorstellung“ und „Bild“ changierend, bleibt nach wie vor ein „schwarzes Loch“, so Gottfried Boehm. Hans Dieter Huber stellte in der weiteren Diskussion in Frage, ob für „innere Bilder“ der Begriff „Bild“ überhaupt gerechtfertigt sei. Für die Schnittstelle von Innen und Außen müsste vielleicht eine ganz andere Begrifflichkeit gewählt werden. Als problematische Metapher bleibt das „innere Bild“ wichtiges Thema für eine zu konstituierende Bildwissenschaft.

Klaus Krüger (Vortrag: Das Bild als Palimpsest) stellte den in kultur- und literaturhistorischen Diskursen bereits fruchtbar gemachten Begriff des „Palimpsests“ in den Mittelpunkt seines Vortrags. Als operatives Modell vorgestellt, kann er zur Beschreibung und Analyse interpikturaler und intermedialer Bildverfahren eingesetzt werden. Aus der Paläographie kommend und die Neubenutzung eines Schriftträgers bezeichnend, dessen alte Beschriftung entfernt und dann überschrieben wird, kommt das Palimpsest-Modell der charakteristischen Schichtung und Veflechtung heterogener Bestandteile von Bildlichkeit nahe. In einer solchen mehrfachen Schichtung kommt es aber nicht zur Verdrängung oder zu einer bloßen Abfolge, sondern zu einer Koexistenz. Als ein „Artikulationsmittel des Unbegreifens und Vorbegreifens“ (Hans Blumenberg) ist das seinerseits bereits metaphorisch aufgeladene Palimpsestmodell nicht in die eigentliche Rede von Begrifflichkeiten übersetzbar. Klaus Krüger machte auch auf die Anschlussfähigkeit an andere Begriffe wie den des Fragments aufmerksam. Betonung fand schließlich das Anliegen, keinen neuen Begriff postulieren zu wollen, sondern in Entsprechung zur besonderen Struktur von Bildlichkeit ein begriffliches Denkmodell einzuführen, welches fruchtbar für eine Bildwissenschaft gemacht werden kann. Als Ausgangspunkt für eine begriffliche Fundierung von Bildwissenschaft kann die Diskussion um das Palimpsest-Modell als Hinweis auf die Problematik angesehen werden, der sich jede Bildwissenschaft im Rekurs auf eine teils medienfremde Begrifflichkeit, etwa aus dem bereich der rhetorischen Begrifflichkeit, ausgesetzt sieht. Beat Wyss schließlich plädierte für einen methodischen Gebrauch des Begriffs, nicht als Angelegenheit des Objekts, sondern als Haltung des Betrachters.

Martin Schulz (Vortag: dlose Entlarvung der Bilder) konnte in der Analyse der Eingangssequenz von Michael Moores Film „Fahrenheit 9/11“ auf die Problematik von ursprünglicher Präsenz und ihrer Repräsenz im Bild aufmerksam machen. In den entlarvenden Fernsehbildern des amerikanischen Präsidenten vor der Ansprache zu Beginn des letzten Golf-Krieges entlarven sich die Bilder selbst als Bilder, geben sich als Repräsentationen von Repräsentationen zu erkennen. Zentral für eine Bildwissenschaft, kann anhand des Beispiels die Frage nach dem Beginn und dem Ende der Bilder gestellt werden. Bilder sind vielfach bereits Bilder, ehe sie zu Bildern werden.

Beat Wyss´ (Vortrag: Die Nachträglichkeit der Bilder) Vorschlag einer Fruchtbarmachung der Traumtheorie Sigmund Freuds für die Bildwissenschaft breitete einen diskursanalytischen Vergleich mit Aby Warburgs „Pathosformeln“ und dem Renaissance-Begriff Erwin Panofskys aus. Erinnerungsspuren, die aufgrund späterer Erfahrungen in steter Neu-Ordnung sich befinden und in Übereinanderschichtung zu denken sind, lassen sich mit der Wiederaufnahme historischer Bildformeln vergleichen, die vergleichbar der traumatischen Erinnerung des „Wolfsmanns“ ist, in der die Spur einer anthropologisch kodierten Erfahrung als alte Leerformel nachträglich mit neuer Bedeutung aufgeladen wird.

Die Anwendungsmöglichkeiten einer systemischen Bildwissenschaft stellte Hans Dieter Huber (Vortrag: Visuelle Musik in der Erlebnisgesellschaft) anhand des Phänomens der „Visual Music“ vor. Innerhalb der Klub-Kultur der 90er Jahre entwickelte sich parallel zum Discjockey der Videojockey und die Videojane, die Techno, House und Electronic Music rhythmisch visualisieren. In der Unterscheidung von Bild, BeobachterIn und Milieu ergeben sich unterschiedlichen Herangehensweisen in den Bereichen von Bildinterpretation, der Wahrnehmung und Rezeption und im Bereich der sozialen Erlebnisräume, in denen Bilder auf je unterschiedliche, aber sinnstiftende Weise aufeinander treffen.

Gottfried Boehm (Vortrag: Das Paradigma „Bild“. Zur Tragweite der ikonischen Episteme) schlug in seinem Vortrag einen die verschiedenen Beiträge der Tagung zusammenfassenden Bogen. Den künstlichen Begriff der Episteme seines Titels wählte er, um so den „inhaltsleeren“ Begriff von Bildwissenschaft zu präzisieren. Handelt es sich bei „Bildwissenschaft“ doch nach wie vor um eine offene Baustelle und der Anspruch, der im Namen steckt, hüllt den Gegenstand noch immer ein. Boehms Vorschlag ist es wie, den Begriff der Bildwissenschaft mit dem der Bildkritik zu füllen. Als Anfangsfragen einer ikonischen Episteme stehen ihm zufolge: was ist ein Bild und wann ist ein Bild? Anstelle allgemein semiotischer Ansätze für eine Bildwissenschaft, vor denen Boehm warnte, schlug er vor, eine Lexikonsammlung charakteristischer Figuren bildlicher Repräsentation zu sammeln, eine Metaphorologie, für die Klaus Krüger mit seinem Vortrag zum Modell des Palimpsestes, ein Beispiel gegeben hat. Im Überblick bewertete Boehm eine solche Sammlung mit vergleichbaren Begriffen wie Maske, Spur, Geste, Blick, Schleier, Spiegel, etc. als wichtigen Ansatz für eine Bildwissenschaft.

Der Figur des „turns“ in der Rede vom pictorial turn und des iconic turn als Ansatz eines neuen Wissenschaftsmodells ging Boehm in folgenden nach. Die Namensgebung des linguistic turn durch Richard Rorty beschrieb ein Modell, in dem Erkenntnis nur auf der Grundlage lingualer Sprache möglich erschien. Eine ikonische Wissenschaft ist darin aber unmöglich. Eine Begründungsschwäche dieses Erkenntnismodells besteht darin, dass man aber Sprache nicht auf Sprache zurückführen kann. Dagegen erscheinen basale Zusammenhänge als Grundlage von Sprachlichkeit, unter denen dem „Zeigen“ (Verweis auf die Bedeutung von „dicere“ als „zeigen“ und „sagen“, so Prof. Wenzel) besondere Bedeutung zukommt. Wenn aber Sprache auf nicht-lingualem Sinn beruht, dann mündet der lingustic turn“ notwendigerweise in einen iconic turn. Die Frage „Was ist ein Bild?“ stellt sich dann aber in einem ganz bedeutendem Sinne als eine wichtige Frage heraus. Erkenntnis ohne Bezug oder Einschluss des Ikonischen bleibt defizitär.

Die Tatsache nun, daß Bilder impliziertes Wissen beinhalten, ist keine Neuigkeit. Diesen Zusammenhang jedoch als eine Wissensform zu begründen, ist das neue Thema, des pictorial turns/iconic turns. Dabei greift Boehm zufolge die Anerkennung eines solchen Wissensmodells eine der ältesten Grundsätze der abendländischen Wissenschaften an. Dem „Sagen“ wird ein „Zeigen“ entgegengesetzt, an die Seite gestellt. Grundlage beider bleibt jedoch die Darstellungsabhängigkeit allen Erkennens. Für eine Bildwissenschaft geht es somit um eine Kritik der impliziten Erkenntnisformen. In diesem Sinne ist Bildwissenschaft Bildkritik. Sie handelt von der Logik des „Zeigens“, die sich als eine fruchtbare Arbeitsbasis für Bildwissenschaft empfiehlt. Die Eigenart des Bildlichen ist nicht – wie so oft behandelt – ontologisch, sondern auf Differentsetzung beruhend, die sich in Differenz zu Wort und Klang setzt. Die Logik des Zeigens, so Boehm, spezifiziert sich in jedem Bild. Sie arbeitet mit Unbestimmtheit und Intensität, was als ikonische Differenz beschrieben werden kann. Signum von Bildern ist jedoch auch die Bindung von Sinn an eine Materialität, was wiederum die Singularität/Konkretion des Bildes betrifft. Als die Extraleistung des Bildes bestimmte Boehm das Imaginäre, das „surplus“ des Bildes.

jlb

(Tagung des Internationalen Forschungszentrums für Kulturwissenschaften Wien vom 21. bis 23. April 2005)

Programm
Abstracts
Zitate

Bildwissenschaft heute

, , – von Bredekamp, Horst

tv_buddhaAuszüge aus eine Text von Horst Bredekamp

Es bleibt jenseits der Warburg-Mode ein Kern, der bis heute einen Anspruch zu formulieren vermag, wie man mit Bildern umgehen kann. Warburg zeichnet sich dadurch aus, dass er das gesamte Feld der Bilder von der Briefmarke bis zur Primavera Botticellis in den Gegenstands-bereich einer Kunstgeschichte stellt, die sich als Bildwissenschaft definiert. Diesen Beitrag weiterlesen »

Symbolik der Papstbestattung

– von Zitzlsperger, Philipp

Papstbestattungvon Philipp Zitzlsperger

“Der Papst ist tot, es lebe der Papst” – so könnte das Motto der Papst-Exequien lauten, was so viel heißen würde wie “der Papst ist tot, doch das Papsttum stirbt nie”. Um die Unterbrechung der Kontinuität nach dem Tod des Papstes zu kaschieren, erfand die Kirche eine ganz spezielle Bestattungssymbolik. Diesen Beitrag weiterlesen »

Thesen zur ersten Fernsehgeneration

, – von Burk, Jens Ludwig

fernsehgenerationAuf den Einfluss neuer Bildmedien in der Nachkriegsgeschichte machte der Literaturwissenschaftler und Medienanalytiker Jochen Hörisch vor kurzem in einem Interview aufmerksam.

Ihm zufolge ist die Bedeutung des damals relativ neuen Mediums Fernsehen für die 68er-Generation und die gesellschaftlichen Transformationsprozesse der Bundesrepublik Deutschland nicht zu unterschätzen. Beispielhaft führte er an, dass Fernseh-Bilder des sich versprechenden Kanzlers Adenauer oder ein in der Nase bohrender Geistlicher ihre Entsprechung in der Infragestellung von gesellschaftlichen Autoritäten hatten. Das Radio-Interview kann man hören unter: www.dradio.de jlb

virtual workshop and digital conference

– von Gerleit, Annegret

question_mvon Anngret Gerleit

Was sind Spiegelneuronen? In welchem Verhältnis stehen bildliche Darstellung und Emotion? Auf der Website www.interdisciplines.org können Wissenschaftler mit prominenten Vertretern verschiedener Fächer diskutieren. Vielleicht liegt die Zukunft der wissenschaftlichen Diskurse im Netz. Eine Website, die in punkto Wissenschaftsaustausch versucht, Standards zu setzen, ist www.interdisciplines.org. Diesen Beitrag weiterlesen »

Der Anteil der Öffentlichkeit an dem neuzeitlichen Herrscherbild

, – von Warnke, Martin

warnke_martinDer Anteil der Öffentlichkeit an dem neuzeitlichen Herrscherbild

Der Anteil der Öffentlichkeit an dem neuzeitlichen Herrscherbild

Iconic Turn Lecture, 03.02.2005