Vom Kerbholz zu x – Ulrike Kregel: Bild und Gedächtnis

kerbholzDass das Erinnern und das bildliche Vorstellen etwas miteinander zu tun haben, muss man nicht lange erklären. Wie genau Gedächtnis und Bilder zusammenhängen, ist aber alles andere als geklärt. Die Medienwissenschaftlerin Ulrike Kregel hat zu dem Thema ein Buch geschrieben. In dem Band unternimmt sie allerdings einiges mehr als nur eine Theorie des Bildgedächtnisses. Denn tatsächlich kommt sie zum Thema des Gedächtnisses erst auf Seite 155 von 270. Der Rest, und das heißt der etwas größere Teil des Buches, geht ums ganz allgemeine, vom Begriff des Bildes über den des Mediums zu den damit verbundenen Theorien, die in ihren diversen und bekannten Verzweigungen über 70 Seiten vorgestellt werden. Von dort zurück zur Philosophie der Bilder von Platon bis zur deutschen Gegenwart bei Belting und Böhm. Das ganze ist nicht schlecht geschrieben und als Einführung in die Geschichte und den Stand der Bilddebatte recht brauchbar. Es wirft allerdings ein etwas seltsames Licht auf den Stand der Wissenschaft, wenn die Behandlung eines Detailthemas erst einen Vorlauf von150 Seiten Klärung über die theoretischen Grundlagen erfordert.
Im Abschnitt zur Theorie des Gedächtnisses startet die Autorin das gleiche Spiel noch einmal von vorne, indem sie verschiedene Begriffe des Gedächtnisses durchdekliniert – natürliches vs. artifizielles, individuelles, kollektives, kommunikatives, kulturelles und soziales. Das macht das eigentlich zu einer Art von Lexikon, das einige Begriffe wie Geädchtnis, Medium und Bild klärt.

Der Schnittmenge von Bild und Gedächtnis, die man dem Titel zufolge als eigentlichen Inhalt des Buches erwartet hätte, sind gerade einmal 52 Seiten vorbehalten. Und auch dort finden wir das Fazit letztlich in der Redewendung vom x zum y, in Gestalt der Kapitelüberschrift “Vom Kerbholz zum digitalen Bild – das Bild als Gedächtnismedium – ein Kontinuum unserer Kultur”. Zum Glück sieht die Autorin nicht etwas eine ungebrochene Kontinuität am Werk, sondern sehr wohl eine Geschichte mit Sprüngen und Entwicklungen. Am Ende weiß man wahrscheinlich etwas mehr als zuvor, aber eine These jenseits der lexikalischen Zusammenfassung sucht der Leser in dem Band vergeblich.

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Ulrike Kregel: Bild und Gedächtnis. Kadmos-Verlag Berlin 2009. 24,90€

Bild: eml-research

1 Kommentar zu „Vom Kerbholz zu x – Ulrike Kregel: Bild und Gedächtnis“

  1. somethingwentwrong sagt:

    “Wie genau Gedächtnis und Bilder zusammenhängen, ist aber alles andere als geklärt. … Am Ende weiß man wahrscheinlich etwas mehr als zuvor, aber eine These … sucht der Leser in dem Band vergeblich.”

    Liest man nicht nur die Kapitelüberschriften und zählt man nicht nur die Seiten,
    wird man fündig.
    Versuchs doch mal!