Ist Kunstgeschichte historische Bildwissenschaft – oder umgekehrt?

Allegorie-der-MalereiEinmal mehr ging es beim diesjährigen Kunsthistorikertag um die Frage, wie sich die Kunstgeschichte zur Bildwissenschaft verhält. Und einmal mehr vertrat Bredekamp seine Position, dass Kunstgeschichte schon immer historische Bildwissenschaft gewesen sei. Astrit Schmidt-Burkhardt, Dozentin im Fach Kunstgeschichte an der Freien Universität in Berlin,  hat diese These kritisch kommentiert.

Was aber, wenn man diesen Satz paradigmatisch umdreht? Kippt mit der Behauptung ›Historische Bildwissenschaft war immer schon Kunstgeschichte‹ nicht vielleicht eine konsensfähige Doktrin?

Tatsächlich befindet sich die Kunstgeschichte nach wie vor in einer Zwickmühle. Denn einerseits wurde eine große Anzahl von Bildern immer wieder aus dem Bereich der Kunst verbannt. Und andererseits beschränkt sich die Kunst unserer Gegenwart keineswegs mehr auf die Herstellung von Bildern. Die Begriffe Kunst und Bild meinen also keineswegs dasselbe. Und daher ist die von Peter Geimer in Marburg geäußerte Ansicht, die jeweiligen Fächer würden sich ohnehin decken, nicht leicht nachzuvollziehen. Tatsächlich war es lange genug ein Desiderat, jene Bilder zu untersuchen, die dezidiert weder Kunst sein wollen, noch im allgemeinen dazu gerechnet wurden. Warum das aufzuholen nun ausgerechnet die alleinige Aufgabe jener Wissenschaft sein soll, die es lange genug versäumt hat, bleibt allerdings fragwürdig.  Die Anhänger Warburgs, zu denen Bredekamp zweifellos zu zählen ist, zeigen jedoch durchaus, wie die Kunstgeschichte in der Lage ist, zu Bildern jenseits der Grenzen der Kunst zu forschen.

Aber am Ende geht es bei dem Streit der allzu nahe liegenden Disziplinen auch einmal mehr um dasselbe, in den Worten von Astrid Schmidt-Burkhardt :

es geht um Fachkompetenzen und um Wissenschaftspolitik und damit auch um den ungeteilten Zugriff auf Fördermittel, die schon immer knapp waren. Dies gilt umso mehr in Zeiten der Weltwirtschaftskrise.

Der Konflikt wäre ganz einfach zu lösen, würde man das Fach in “Kunst- und Bildwissenschaft” umbenennen. Dazu wäre es freilich hilfreich, die Vertreter der Kunstgeschichte würden einsehen, das sie zwar die ersten Bildwissenschaftler waren, aber heute keineswegs allein stehen und kaum methodischen Vorrang beanspruchen können, was Forschung zum Gegenstand des Bildes betrifft.

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Bild: Allegorie der Malerei , Sanssouci – Foto Steffen Heilfort

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