Iconic Turn – Pictorial Turn?

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boehm_mitchellIn Wien trafen vor kurzem zwei Grand Seigneurs der Bildforschung aufeinander: Gottfried Boehm und W.T.J. Mitchell. Auf der Tagung “Bildwissenschaft? Eine Zwischenbilanz” konnte man erstmals die beiden Koryphäen im Doppelpack erleben. Wir haben ein paar Zitate aufgelesen.

Gottfried Boehm:

Das Konzept des Iconic Turn ist weit mehr als ein „Aufmerksamkeitsfaktor“, denn hinter dem Begriff verbirgt sich ein wissenschaftliches Konzept. Der Linguistic Turn hat alle Erkenntnis auf Sprache zurückgeführt. Die Wiederkehr der Bilder hing damit zusammen, dass der Linguistic Turn eine Begründungsschwäche in sich trägt. Man versteht aber auch Sprache nicht angemessen, wenn man das Deiktische ausschließt. Das Wichtige an den Bildern ist das Zeigende (Deixis).

Bilder repräsentieren implizite Formen des Wissens. Dass diese impliziten Formen des Wissens auf einer wissenschaftlichen Basis modelliert wurden, das macht den Iconic Turn aus. Digitale Techniken werden heute als ikonische Erkenntnisinstrumente auch in die Naturwissenschaften eingeführt.

Die Helligkeit der Vernunft geht weiter als die Sprache.

Bilder existieren, weil das Imaginäre des Materiellen bedarf. Der Sinn wird in den Körper eingesenkt. In Bildern kann sich auf unverkürzte Weise die Fantasie manifestieren.

Ihre erhellende Macht gewinnen Bilder aus der Fähigkeit, contrafaktisch zu argumentieren.

W.T.J. Mitchell:

Boehm’s Iconic Turn comes in as a new moment in the linguistic turn. Pictorial Turn is the moment when the icon takes on a body or becomes a frame.

Iconic means that the roots of the icons are in our gestures and we are the actors.

CM/Ger

Tagung IfK Wien

Mehr von Boehm und Mitchell:

Mitchell Interview
Boehm: Jenseits der Sprache

Mehr zur Tagung (Rezension):

NZZ, 25. April 2005
Summary der Tagung

Foto: Gottfried Boehm und W.T.J. Mitchell auf der Tagung in Wien (v.l.n.r.)

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