Calculating Images

ucsbBericht von einer Konferenz in Santa Barbara, 04. und 05.03.05

Die Konferenz beginnt mit dem Wortrag von Wolfgang Hagen, per Video aus Berlin zugeschaltet, zum Thema:” There is no such thing as a Digital Image”. Im Gegensatz zur Fotografie sind die digitalen Medien im Kern bildlos. Sie erzeugen keine Abbilder mehr im Sinn eines Fotos, sondern sind Messgeräte. Nach Mitchell treten wir damit in die “post-photographic era” ein. Die klassische Physik genügt nicht mehr, um die Prozesse innerhalb der lichtempfindlichen CCD-Chips zu beschreiben. Man benötigt dazu die Quantenmechanik. Damit ist ein grundlegender Wechsel im Charakter der Bilder und dem, was Speichern und Messen heisst, verbunden. Denn Quantenmechanik operiert mit Wahrscheinlichkeit, ihre Messungen unterliegen der Unschärferelation nach Heisenberg. Die digitalen Bilder muessen daher als “zufällig” betrachtet werden. Sie sind nie fertig, sondern können immer wieder neu bearbeitet werden. Es handelt sich nicht um eine Einschreibung mit Sinn der Fotografie.

Harun Badakhshi (Charité Berlin) hat jüngere bildgestütze Verfahren der Medizin vorgestellt und gezeigt, wie Bilder in konkreten therapeutischen Zusammenhängen zum Einsatz kommen.

Harun Badkhshi sprach zum Thema “Nervous affinities: Motion MRI and Knowledge in Brain and Spinal Cord Mapping”, ausgehend von einem einem Forschungsprojekt der Kognitionswissenschaften, das den wissenschaftlichen Umgang mit Bildern untersucht. Das Bild im Kopf des Forschers, sein Verhältnis zu den Messwerten und der Visualisierung stehen im Vordergrund, ausserdem die immer wieder zu beobachtende Tendenz, den Umgang mit Bildern als anthropomorph und durch Gesten zu beschreiben.

Luc Jaeger berichtet über die Konstruktion von Mikrostrukturen im Nanobereich mit Hilfe von RNA Molekülen. Nach ihm zeigt Eric De Jong 3-dimensional aufgenommene Bilder der jüngsten Mars- und Saturn-Missionen.

Stefan Heidenreich kehrt zum Abschluss des ersten Tages zu Hagens Eingangssatz zurück. Es gibt, genau genommen, auch deshalb keine “digitalen Bilder”, da die digitalen Daten nur dann als Bilder gezeigt werden koennen, wenn sie in analoge Signale zurückverwandelt wurden.Entweder sie sind digital oder sie sind Bilder. Zwischen der Ebene der Bits und der des Screens finden all jene Prozesse des Speichers und Übertragens statt, die beeinflussen, wie Bilder zirkulieren und gebraucht werden.
Lev Manovich spricht vom der “post-compressional era”, in die die Kultur deshalb eintrete, weil immer mehr Speicherplatz beliebig verfügbar wird. Früher fand die Komression auf der Seite der Produzenten und Künstler statt. Heute kann man alles speichern, die Anforderungen, das Material zu komprimieren, liegen daher beim Nutzer. Auf die Forderung, wir bräuchten eine “Multimedia Memex”, kommt die Erwiderung, das Vanevar Bush die Memex von Anfang an als multimedial konzipiert hat.

Elkins äussert sich skeptisch zu den Versuchen, Kunst und Wissenschaft zu vermischen und berichtet in sechs Erzählungen vom Ende der Repräsentation.

Wolf Kittler wendet sich Benoit Mandelbrot und dessen Weg zur Entdeckung der Fraktale zu. Ursprünglich Linguist hatte er versucht, statistische Verfahren für die Textanalyse fruchtbar zu machen. Als aber Chomsky für dieses Problem mit siner generativen Grammtik eine elegante Lösung vorschlug, wandte sich Mandelbrot den Bildern zu, um dort – wiederum an der Frage der Strukturgleichheit von Mikro- und Makroebenen – die Algorithmen der Fraktale zu entwickeln.

Danach stellt Thomas Levin in einem materialreich bebilderten Vortrag die Verhältnise von Nebeneinander und Nacheinander im Bild entlang der Idee von Lesings Laokoon dar. Die Beispiele zeigen, wie in sowohl in der Kunst der Gegenwart als auch in kommerziellen Filmen das Neben- und das Nacheinander ineinander übergreifen. Wenn zum Beispiel eine Szene aus mehreren nacheinander aufgenommenen Einzelsequenzen montiert wird. Oder wenn ein stehendes Bild, ein tableau vivant, sich an einem Augenzwinkern als bewegte Szene heraussstellt. Er fordert einen neuen Laokoon, der das von den digitalen Medien ermoeglichte neue Verhältnis der beiden Achsen berücksichtigt.

Wolfgang Hagen (Berlin), Harun Badakhshi (Berlin), Lisa Cartwright / Morana Alec (San Diego), Luc Jaeger (USCB), Eric De Jong (California Inst. of Technology), Stefan Heidenreich (Berlin)

Kommentieren ist momentan nicht möglich.